Mit zielgruppengenauer Werbung ohne Streuverluste will Facebook das Werbegeschäft revolutionieren. Im DHZ-Interview erklären der Mittelstands-Verantwortliche Arne Henne und Kreativstratege Jonas Thaysen, wie Handwerker ihren Umsatz durch Facebook steigern können.
Steffen Guthardt

Facebook hat rund 1.000 kleine und mittelständische Betriebe zu einem Seminar nach München gelockt, um ihnen beim Event "Facebook pro. Dein Unternehmen. Deine Zukunft" zu veranschaulichen, wie sich durch einen Facebook-Auftritt Geschäftsziele erreichen lassen, die zu Umsatzsteigerungen führen.
Friseur verdoppelt Umsatz
Bei den Vorträgen und Diskussionen kamen auch Handwerker zu Wort, die bereits erfolgreich auf Facebook unterwegs sind. Dazu zählt der Familienbetrieb Steinhoff Haardesign aus Reutlingen, der über Facebook neue Kunden in seinen Friseursalon locken will.
Geschäftsführer Ralf Steinhoff investiert für jede seiner Facebook-Kampagnen nur wenige hundert Euro und nimmt sich daneben viel Zeit, um durch den regen Austausch mit seinen potenziellen Kunden und einen attraktiven Markenauftritt organisch zu wachsen.
Mit Erfolg: Seit den Anfängen auf Facebook konnte Steinhoff Haardesign seinen Umsatz im Geschäft verdoppeln, acht neue Mitarbeiter einstellen und zählt jeden Monat im Schnitt fünf Neukunden.
Doch handelt es sich nur um einen Einzelfall oder kann jeder Handwerker mit einem Facebook-Aufritt seine Umsätze steigern?
Facebook-Experten im Interview
Am Rande des Events sprach die Deutsche Handwerks Zeitung mit Arne Henne, SMB Program & Marketing Manager EMEA und Jonas Thaysen, Creativ Strategist bei Facebook.
DHZ: Herr Henne, warum sollte ein Handwerker Facebook nutzen?
Henne: Weil er in keinem anderen Kanal eine vergleichbare Aufmerksamkeit erzielen kann wie bei Facebook. Jeder zweite Onliner in Deutschland nutzt unsere Plattform, 20 Millionen Deutsche sind jeden Tag auf Facebook aktiv. Nirgendwo sonst lassen sich als Unternehmen so viele potenzielle Kunden erreichen.
DHZ: Die meisten Handwerker finden ihre Kunden aber in einem kleinen Umkreis in der Region.
Thaysen: Regionale Werbung über Facebook ist dank der Filtermöglichkeiten sehr genau. Über die Umkreissuche bei den Anzeigen für lokale Bekanntheit kann ein Handwerker festlegen, wo die Zielgruppe wohnt, bei der er werben möchte. Außerdem kann er definieren, welche Interessen potenzielle Kunden haben sollen.
DHZ: Viele Handwerker haben aber noch nicht mal eine eigene Webseite. Sollte das nicht Vorrang haben?
Henne: Nein, keineswegs. Facebook ist wichtiger als ein eigener Internetauftritt. Der Einstieg ins digitale Marketing über Facebook ermöglicht es, sehr schnell sichtbar zu werden. Sobald ich eine Facebook-Seite habe, habe ich eine Präsenz im Netz und bin auch unterwegs für meine Kunden erreichbar. Zudem lässt sich ein professioneller Facebook-Auftritt schneller und kostengünstiger umsetzen als eine professionell gestaltete Webseite.
Thaysen: Eine eigene Webseite ist nicht überflüssig, kann aber der zweite Schritt in der Digitalstrategie sein. Ein Handwerker sollte sich in die Rolle eines potenziellen Kunden hineinversetzen. Eine Facebook-Seite ist für diesen meist leichter zu finden als eine unbekannte Webseite, die bei Suchmaschinen womöglich auch nicht ganz oben gelistet ist.
DHZ: Worauf muss ein Handwerker beim Einstieg achten?
Thaysen: Am Anfang ist es sinnvoll, sich über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren, die Facebook Werbetreibenden bietet. Es lohnt sich, auch andere Markenseiten anzusehen, um sich Inspirationen für den eigenen Auftritt zu holen. Von anderen erfolgreichen Unternehmen kann jeder etwas lernen.
DHZ: Zum Beispiel?
Thaysen: Wichtig ist, mit einer durchdachten Strategie vorzugehen. Drei Fragen sollte sich jeder Handwerker beantworten: Wer bin ich? Für wen ist mein Angebot interessant? Und wie kann ich es kreativ bewerben? Es geht darum, eine glaubwürdige Marke aufzubauen, Geschichten zu erzählen und letztendlich das Business wachsen zu lassen. Es kann hilfreich sein, eine Art Kalender mit Themen zu entwickeln, die ich kreativ umsetzen will.
DHZ: Handwerker haben jedoch meistens wenig Zeit. Wie viel Aufwand müssen sie betreiben, um erfolgreich zu sein?
Henne: Das lässt sich nicht pauschalisieren. Viele Unternehmer verwalten ihre Facebook-Seite von unterwegs und posten Neuigkeiten aus dem Betrieb. Wer Facebook auch mobil nutzt, ist flexibler in seiner Zeiteinteilung. Handwerker können dafür unsere Seitenmanager-App nutzen und selbst Anzeigen ganz einfach über den mobilen Werbeanzeigenmanager schalten.
DHZ: Die Werbebudgets von Kleinunternehmen sind in der Regel sehr begrenzt. Haben Sie damit überhaupt eine Chance, auf Facebook wahrgenommen zu werden?
Henne: Absolut. Mit der richtigen Zielsetzung und der passenden Strategie lassen sich mit jedem Budget echte Ergebnisse erzielen. Auf Facebook gibt es keine festen Anzeigenpreise. Der Werbetreibende entscheidet, wie viel Geld er ausgeben möchte. Wie viele Menschen dann beispielsweise ein Video zu sehen bekommen, hängt dann nicht allein vom Preis, sondern auch von Kreativität und Relevanz des Inhalts für die Zielgruppe ab. Vergleichen Sie diese Möglichkeiten mit denen von TV-Werbung, die für viele Handwerksbetriebe unbezahlbar ist und zudem große Streuverluste beinhaltet.
Thaysen: Außerdem können Handwerker mit wenig Geld und ohne großes Risiko kleine Testläufe starten, um zu sehen, ob die Strategie wirkt und echte Geschäftserfolge erreicht werden können. Wenn es nicht funktioniert, testen sie einfach etwas anderes, ohne das Budget zu überschreiten.
DHZ: Gibt es einen Fehler, den Facebook-Neulinge unbedingt vermeiden sollten?
Thaysen: Man sollte nicht versuchen alles sein zu wollen, sonst ist man am Ende nichts. Die Fokussierung auf bestimmte Geschäftsziele ist ganz wichtig. Dabei spielen Inhalte und Kreativität eine wichtige Rolle.
Henne: Ein Handwerker sollte auch nicht versuchen, um jeden Preis schnell viele Fans zu gewinnen. Die Anzahl der Fans wird überschätzt. Wichtiger ist es, sich klare Geschäftsziele zu stecken, die zu einer Steigerung von echten Kunden und Umsätzen führen. Für Handwerker geht es schließlich darum, über Facebook den Umsatz zu steigern.
DHZ: Abschließend ein Blick voraus: Wo steht Facebook in fünf Jahren?
Thaysen: Es wird die Marketing-Plattform schlechthin sein. Weil die Möglichkeit, echte Menschen mit für sie relevanten Inhalten zu erreichen, einmalig ist. Klassische Werbekanäle werden nicht verschwinden, aber Facebook wird im Gesamtkontext des Marketings eine immer wichtigere Rolle einnehmen. Marketing-Budgets werden dort landen, wo die Kontaktqualität am höchsten ist und die Menschen gerne ihre Zeit verbringen. Unser Ziel ist es, dass Werbung auf Facebook für den Einzelnen genauso relevant ist wie andere Inhalte von Freunden und der Familie.

