Kältetechnik F-Gase-Verordnung: EU-Parlament zeigt kalte Schulter

Kältemittel mit Treibhauseffekt sollen per Novellierung der F-Gase-Verordnung gegen die Warnungen des Handwerks vom Markt weitgehend verschwinden – mit Auswirkungen für Betriebe mit Kühlräumen oder Immobilienbesitzer mit Wärmepumpe.

Löten an einer Kälteanlage
Bei der Rochhausen Kältesysteme GmbH im erzgebirgischen Scharfenstein werden schon seit Jahren natürliche Kältemittel eingesetzt. Im Bild: Mandy Lange beim Löten an einer Kälteanlage. - © Detlev Müller

Betreibern von Kälte- und Klimaanlagen sowie Wärmepumpen droht Ärger aus Europa. Betroffen wären Krankenhäuser, Rechenzentren, Supermärkte, Hotels und Gastwirte, aber auch Bäcker, Fleischer oder Be­­statter sowie Immobilienbesitzer, die mit einer Wärmepumpe heizen. Aufgeschreckt sind zuerst die Kälte­anlagenbauer, deren Fachverband das Schlimmste zu verhindern versuchte. Aber Ende März hat das EU- Parlament einer Verschärfung der F-Gase-Verordnung mehrheitlich zu­gestimmt und den Bedenken der Kälte­techniker die kalte Schulter gezeigt.

Demnach sollen fluorierte Kältemittel, die sogenannten F-Gase, wegen ihres Treibhauseffekts schneller als geplant vom Markt weitgehend verschwinden. Schon von 2025 an dürften nach dem Willen des EU-Parlaments nur noch stationäre Kälteanlagen mit natürlichen Kältemitteln wie Propan, Kohlendioxid (CO2) oder Ammoniak in Betrieb gehen. 

Novelle der F-Gase-Verordnung noch nicht beschlossen

Noch ist die Novelle der F-Gase-Verordnung keine beschlossene Sache. Vom EU-Rat liegt ein Gegen­entwurf vor, sodass es zu Trilogverhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission kommen wird. Aber grundlegende Änderungen er­­wartet der Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe (VDKF) nicht mehr. "Prinzipiell unterstützen wir die Ziele der F-Gase-Verordnung, wünschen uns aber längere Fristen für den Wandel bei Betreibern und Fachbetrieben", betont Christoph Brauneis, Beauftragter für Politik und Medien beim VDKF.

Nach dem Beschluss des EU-Parlaments müsste eine handwerkliche Bäckerei oder Fleischerei, die übernächstes Jahr eine neue Kälteanlage benötigt, mit deutlich höheren Investitionen rechnen. Eine Kälteanlage mit CO2 als Kältemittel käme in diesen kleinen Leistungsbereichen etwa fünfmal so teuer wie eine mit F-Gasen, schätzt VDKF-Experte Brauneis. Bleibt Propan als Alternative – ein Kältemittel mit hervorragenden Eigenschaften, das jedoch wegen seiner Brennbarkeit Auflagen nach sich zieht, die zusätzliche Kosten verursachen können oder abhängig von den örtlichen Gegebenheiten technisch gar nicht umsetzbar sind.

F-Gase: Vielfach höherer Treibhauseffekt als Kohlen­dioxid

Der Einsatz von F-Gasen wird in der EU bereits seit 2006 reglementiert, weil fluorierte Kältemittel einen vielfach höheren Treibhauseffekt haben als Kohlen­dioxid. Trotzdem ist der Anteil der F-Gase am Treibhaus­effekt relativ gering. 2020 lag er laut Umweltbundesamt bei rund 1,7 Prozent.

Christoph Brauneis, Beauftragter für Politik und Medien beim VDKF
Christoph Brauneis, Beauftragter für Politik und Medien beim VDKF - © privat

F-Gase aus Kälteanlagen gelangen nur durch Leckagen in die Atmosphäre, was eher selten vorkommt. Im vergangenen Jahr lag die Leckagerate bei 1,2 Prozent. Der Wert stammt aus Daten der VDKF-Branchensoftware, die Fachbetriebe bei den ge­setzlich vorgeschriebenen Dichtheitsprüfungen benutzen. Bei rund 250.000 von geschätzten 3,5 Millionen Kälteanlagen in Deutschland kommt die Software zum Einsatz, sodass die Daten als repräsentativ angesehen werden können.

Die F-Gase-Verordnung beschränkt einerseits die Verkaufsmengen an fluorierten Kältemitteln, arbeitet aber auch mit Verboten. Die aktuelle Fassung von 2015 schreibt unter anderem Quoten vor, die nach dem jüngsten Beschluss des EU-Parlaments nun deutlich schneller sinken sollen: nächstes Jahr von 31 auf 23,6 Prozent – bezogen auf den Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2012. Die nächsten Schritte folgen dann 2027 von 24 auf 10 und 2030 von 21 auf 5 Prozent. "Die EU-Politiker ziehen die Daumenschrauben an, um den Druck auf Betreiber und Hersteller zu erhöhen", bewertet Christoph Braun­eis die Situation. "Wir be­­zweifeln stark, ob die dann noch verfügbare Menge an F-Gasen ausreichen wird."

Teilerfolg: Weiterbetrieb zahl­reicher Bestandsanlagen gesichert

Trotzdem konnte der Verband einen Teilerfolg verbuchen. Bei Service- und Wartungsarbeiten dürfen F-Gase mit einem GWP-Wert unter 2.500 weiterhin verwendet werden. Damit sei der Weiterbetrieb zahl­reicher Bestandsanlagen im Falle einer Reparatur gesichert. Hinter dem GWP-Wert verbirgt sich das Erd­erwärmungspotenzial eines Stoffs im Vergleich zu CO2. 

Stellt sich noch die Frage, wie der von der Bundesregierung forcierte Markthochlauf bei Wärmepumpen gelingen soll. Denn die steigende Nachfrage trifft auf eine Verknappung der Kältemittel, ohne die keine Wärmepumpe läuft. Von den rund 236.000 Wärmepumpen, die im vergangenen Jahr bundesweit installiert wurden, verwenden nur rund 20 Prozent Propan als Kältemittel.

Die Heizungsindus­trie zeigt sich zwar optimistisch, schnell eine ausreichende Menge von Anlagen mit natürlichem Kältemittel herstellen zu können. Doch ob bei Ausbauzielen von einer halben Million Wärmepumpen ab 2025 auch ausreichend Kältemittel zur Verfügung steht, ist keineswegs gewiss. Für diesen Fall haben die Autoren der Novelle jedoch eine Notklausel in die neue F-Gase-Verordnung ge­schrieben, die ein Ab­­weichen von der Quote für Wärmepumpen erlaubt.

Im Umgang mit natürlichen Kältemitteln fehlt noch Know-how

Ein weiteres Problem sieht VDKF-Experte Brauneis bei den Kälte-Klima-Fachbetrieben: "Viele haben die Zeichen der Zeit erkannt, aber noch fehlt es manchen von ihnen an Know-how im Umgang mit natür­lichen Kältemitteln." Bei einer Um­­frage hätten nur rund 30 Prozent der Teilnehmer angegeben, bereits Propananlagen installiert zu haben. Bei CO2 liege der Anteil noch deutlich darunter. Der Schulungsaufwand für die rund 3.500 Betriebe im Kältetechniker-Handwerk sei enorm, die Kapazitäten jedoch begrenzt und nicht beliebig ausbaubar.

In der Novellierung der F-Gase-Verordnung sieht der VDKF eine große Gefahr für die Wirtschaft. Deshalb will sich der Verband weiterhin für einen moderateren Ausstieg aus den F-Gasen stark machen, solange die Trilogverhandlungen in der EU nicht abgeschlossen sind.