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Finanzierung Experten raten bei Umschuldung zur Vorsicht

Wenn die Zinsen niedrig sind, ist es sinnvoll, übers Umschulden nachzudenken. Doch vorschnelles Handeln wäre falsch.

"Nie war der Zeitpunkt günstiger". "Jetzt umschulden." "Sparen Sie Kosten mit einem neuen Kredit." Weil die Zinsen derzeit so niedrig sind, häufen sich online und offline Ratgeberartikel mit Überschriften wie diesen. Verbrauchern und Geschäftsleuten wird zum Umschulden geraten – Sparen garantiert!

Vor allem drei Szenarien werden dabei immer wieder genannt:
  • Sie haben noch einen Kredit zu hohen Zinsen laufen.
  • Sie bedienen verschiedene Kredite zu unterschiedlichen Konditionen.
  • Ihr Privat- und/oder Geschäftskonto ist regelmäßig deutlich überzogen.

Doch so einfach, wie viele dieser Artikel, die gerne auch auf Kreditplattformen platziert werden, weismachen wollen, ist die Sache nicht. Nicht nur Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbrauchermagazins "Finanztipp", wird darum auch nicht müde, immer wieder auf die vielen Fußangeln hinzuweisen, die bei Umschuldungen zu beachten sind. Auch andere Verbraucherschützer, Finanzierungsexperten und Anlageberater raten zur Umsicht.

Kommt immer auf den Einzelfall an

"Gerade bei Umschuldungen kommt es immer sehr auf den Einzelfall an", stellt Ralph Kinnart klar. Kinnart, gelernter Bankkaufmann, arbeitet seit 2016 als Relationship-Manager bei der Kölner Anlageberatung B & K Vermögen und hat auch bei seinen Kunden immer wieder mit Fragen zu Umschuldungen zu tun. Er stellt klar: Es gibt viele Aspekte, die für oder gegen eine Umschuldung sprechen, je nachdem, um welche Summen, welche Kreditarten und welche finanziellen Gesamtsituationen es geht. Wir listen auf, was Sie bei welcher Ausgangssituation, privat oder betrieblich, beachten müssen.

1. Hohe Kredizinsen senken

Bei privaten Krediten ist die Sache in der Regel deutlich einfacher als bei geschäftlichen, denn hier greift der Verbraucherschutz. Ratenkredite, die nach dem 1. Januar 2010 abgeschlossen wurden, können vorzeitig zurückgezahlt werden und die dann fällige Vorfälligkeitsentschädigung ist gedeckelt. Bei Krediten, die noch länger als zwölf Monate laufen, dürfen maximal 1 Prozent der Restschuld verlangt werden, ist die Restlaufzeit geringer sogar nur 0,5 Prozent. Allerdings gibt es Mindestlaufzeiten.

Zudem sollten Betroffene vor einer Umschuldung gut die verschiedenen Kreditkonditionen vergleichen. Und es gilt zu entscheiden, welcher Effekt erreicht werden soll. Wird für die Begleichung der Restschuld die gleiche Zeitspanne eingeplant, lässt sich die Rate senken. Andersherum könnte bei gleicher Rate die Laufzeit verkürzt werden.

Je höher die Zinsdifferenz, desto höher die Entschädigung

Geht es dagegen um geschäftliche Kredite, wird die Sache komplizierter. Denn weder ist die Bank verpflichtet, den Kredit abzulösen, noch gibt es verbindliche Regeln zur Höhe der dann fälligen Gebühr. "Alles Verhandlungssache", wie Kinnart betont – und selbst, dass die Bank überhaupt einer Ablösung zustimmt, ist reines Goodwill. Grundsätzlich gilt: Je höher die Differenz zwischen alten und neuen Zinsen, umso höher wird auch die verlangte Entschädigungssumme.

Zwar willigen die meisten Banken letztlich ein, insbesondere wenn es sich um gute Kunden handelt, doch billig ist das nie. Schließlich entgehen der Bank bei vorzeitiger Ablösung Zinsen und sie muss ihre Kredite ja auch selbst finanzieren. Das Geld verschenkt sie nicht. Eine Umschuldung rechnet sich so oftmals auch mit niedrigeren Zinsen nicht.

Verschuldung von Unternehmen

2. Kredite zusammenführen

Grundsätzlich kann eine Zusammenlegung durchaus positive Aspekte haben. Viele Ratenzahlungen sind unübersichtlich und mit der Bündelung steigt vielleicht sogar Ihre Kreditwürdigkeit. Denn wenn jemand viele Kredite laufen hat, kann dies zur Absenkung des Bonitäts­scores führen.

Gerade bei privaten Krediten sind es mitunter sogar die Banken, die zur Zusammenlegung raten. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Oft sollen dabei die Kreditsumme erhöht und/oder Versicherungen eingeschlossen werden. Verbraucherschützer raten dann dringend davon ab (siehe Kasten).

Auch bei geschäftlichen Krediten spielt die Verbesserung der Bonität eine große Rolle. Gerade im Hinblick auf später geplante Investitionen kann es daher sinnvoll sein, über eine Zusammenlegung nachzudenken.

Doch Finanzexperte Kinnart warnt auch. Bei vielen Finanzierungen gilt es, steuerliche Aspekte und verschiedene Abschreibungsfristen und –begrenzungen zu beachten. Werden hier verschiedene Dinge vermengt, kann das ein böses Erwachen geben. Steuerliche Beratung ist also Pflicht. Und ein absolutes „No go“, so der Experte weiter, ist es, wenn private und geschäftliche Finanzierungen vermengt werden.

3. Teure variable ­Kreditlinien reduzieren

Dagegen fast immer sinnvoll, darin sind sich alle Experten einig, ist es, variable Kreditlinien in Ratenkredite umzuwandeln – wenn diese dauerhaft, also über einen langen Zeitraum, in Anspruch genommen werden. Dies gilt gleichermaßen für private und geschäftliche Kredite. Kündigungsfristen und Entschädigungszahlungen gibt es hier nicht und die Zinsen liegen immer deutlich über denen von anderen Finanzierungen, derzeit bei 15 Prozent und mehr.

Allerdings gibt es auch hier ein großes „Aber“. Entscheidend ist, dass mit der Aufnahme eines neuen Ratenkredites der private Dispokredit oder die Betriebskreditlinie in gleicher Höhe abgelöst werden. Im geschäftlichen Bereich spricht man dann von passiver Restrukturierung.

Bei immer mehr Ratenkrediten droht Überschuldung

Bleibt die variable Linie dagegen zusätzlich bestehen, besteht die Gefahr, dass sie nach einer gewissen Frist wieder in Anspruch genommen wird, was letztlich die Verschuldung erhöht. Vor allem im privaten Bereich, wissen Verbraucherschützer und Finanzprofis wie Tenhagen, gibt es Bankberater, die Ihren Kunden immer dann, wenn der Dispo wieder am Anschlag ist, neue Ratenkredite verkaufen. Die Zinsen mögen dann vielleicht sogar sinken, aber die Kreditsumme wird von Mal zu Mal höher. Am Ende ist der Kunde überschuldet und gelohnt hat sich das Ganze nur für den Bankberater, der jedes Mal eine neue Provision kassiert.

Geschäftliche Kredite

Tipps vom Vermögensberater

  1. Teure variable Kreditlinien sparsam nutzen und bei langer Überziehung in Ratenkredite umwandeln.
  2. Laufende Kredite regelmäßig überwachen und wenn möglich Sonderzahlungen nutzen.
  3. Bei entsprechender Liquidität immer schnell zurückzahlen (es sei denn, steuerliche Aspekte sprechen dagegen).
  4. Private und betriebliche Kredite strikt trennen.
  5. Bei Umschuldungen, besonders bei Kreditzusammenlegungen, immer den Steuerberater mit ins Boot holen.
Tipps von Ralph Kinnart, B & K Vermögen.

Private Ratenkredite umschulden

  1. Restschuld und Vorfälligkeitsentschädigung ermitteln.
  2. Neue Kreditangebote für den Gesamtbetrag einholen und mit der Summe der noch zu zahlenden Altraten vergleichen. Online-Portale wie Verivox, Check 24, Smava oder Finanzcheck können dabei sehr hilfreich sein. Sie ermöglichen die sofortige Online-Berechnung der Konditionen. Nutzen Sie immer mindestens zwei Portale, da keines alle Anbieter berücksichtigt.
  3. Haben Sie den günstigsten Anbieter gefunden, fragen Sie bei Ihrer alten Bank nach, ob sie Ihnen die gleichen Konditionen bietet.
  4. Tut sie dies nicht, eruieren Sie bei der neuen Bank, ob es einen Kreditwechselservice gibt. Dann brauchen Sie nur eine Vollmacht erteilen, den Rest erledigt das Kreditinstitut.
Achtung: Oftmals versuchen Banken bei Umschuldungen, die Kreditsumme zu erhöhen. Dadurch wird der Spareffekt aber wieder aufgefressen. Lassen Sie sich nicht darauf ein. Schließen Sie keine Restschuldversicherung ab, dadurch erhöht sich die Kreditsumme ebenfalls.
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