Lange blieb die deutsche Realwirtschaft von der Krise in der Eurozone und der nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik weitgehend unberührt. Nun zeigt der erste Indikator, dass die Unternehmen auch in Deutschland pessimistischer werden: Die Investitionsbereitschaft ist im ersten Quartal 2012 gesunken. Die hiesige Wirtschaftsentwicklung hängt nach Analyse der KfW allerdings weniger von Griechenland als von der Entwicklung in Spanien ab.

"Entscheidend für die weitere Investitionskonjunktur ist die Zuspitzung der Eurokrise. Hauptrisiko ist weniger ein eventueller ‚Grexit‘, sondern die Entwicklung Spaniens", analysiert Ökonom Christian Hornberg im aktuellen KfW-Investbarometer. Wenn ein Überschwappen der Krise in Griechenland auf Spanien nicht verhindert wird, rechnet die Förderbank mit einem "massiven Einbruch" der Unternehmensinvestitionen in Deutschland.
Im ersten Quartal sanken die Unternehmensinvestitionen in Deutschland um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Dies überraschte den KfW-Ökonom, da das Wirtschaftswachstum gleichzeitig um ein halbes Prozent anstieg. Vor allem die Ausgaben für Patentrechte, Software, Maschinen und Fahrzeuge sanken. Nur die Investitionen in Wirtschaftsbauten legten wegen der günstigen Kredite zwei Prozent zu.
Niedrige Zinsen verhindern dämpfen Einbruch
Für das gesamte Jahr 2012 erwartete die KfW eine Steigerung der Unternehmensinvestitionen von 1,6 Prozent. Im letzten Jahr lag sie noch bei 7,6 Prozent. Für eine leicht positive Prognose der Förderbank für das gesamte Jahr sorgen nur das niedrige Zinsniveau und die noch vergleichsweise gute Konjunktur im Inland. KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch kommentierte die Prognose: "Die abnehmende Exportdynamik und die Verunsicherung durch die Eurokrise wirken sich stärker als erwartet dämpfend auf die Investitionsbereitschaft der deutschen Wirtschaft aus. Dennoch: Auch im Jahr 2012 werden die Unternehmensinvestitionen zulegen, wenn auch in erheblich geringerem Umfang als im Jahr zuvor."
Ab 2013 wird die Wirtschaft nach Erwartung der KfW wieder belebt. Laut Prognose sollen die Investitionen dann um fast vier Prozent zulegen. "Entscheidend für den weiteren Verlauf der Investitionskonjunktur ist allerdings die Entwicklung der Eurokrise", schränkte Irsch ein. cg