Corona-Pandemie EU-Gesundheitsbehörde: Mehrwert von FFP2-Masken im Alltag gering

FFP2-Masken gelten als besonders guter Schutz gegen das Coronavirus. Aber bringen sie im Alltag wirklich mehr als andere Masken? Die zuständige EU-Behörde hat Zweifel.

Der erwartete Mehrwert des allgemeinen Einsatzes von FFP2-Masken in der Gesellschaft sei sehr gering, so ein ECDC-Sprecher. - © PixelboxStockFootage - stock.adobe.com

Im Kampf gegen das Coronavirus weckt die EU-Gesundheitsbehörde ECDC Zweifel am Zusatznutzen von FFP2-Masken im Alltag. "Der erwartete Mehrwert der universellen Verwendung von FFP2-Atemschutzmasken in der Gemeinschaft ist sehr gering", teilte die in Stockholm ansässige Behörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Auch die Kosten und mögliche Nachteile sprächen gegen eine Empfehlung, in der Öffentlichkeit FFP2-Masken anstelle von anderen Masken zu tragen. Details zu diesen möglichen Nachteilen wurden zunächst nicht genannt.

Die besonders dichten, aber teureren Masken sollen vor Schadstoffpartikeln wie Staub oder auch Aerosolen schützen. Zumindest dann, wenn sie korrekt angelegt und verwendet  werden. Wichtig ist vor allem, dass die Masken eng anliegen. Je nach Gesichtsform fällt es jedoch gar nicht so leicht ein geeignetes Modell zu finden. Und für Bartträger gilt: Abschied nehmen von der Gesichtsbehaarung, sonst kann die Maske ihre Schutzwirkung nicht entfalten. Ein Vorteil von FFP2-Masken: im Gegensatz zu gängigen, oftmals selbstgenähten Masken schützen sie auch den Träger selbst. Zudem filtern sie den Anforderungen zufolge 94 Prozent der Partikel.

FFP2-Masken werden inzwischen vielerorts anstelle normaler Alltagsmasken verlangt. Mitte Januar hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten vereinbart, in Öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften FFP2-Masken, OP-Masken oder Mund-Nasen-Bedeckungen der Standards KN95/N95 zu fordern.

ECDC unterstützt das Tragen von FFP2-Masken im Privatbereich nicht

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides bestätigte in Brüssel die Einschätzung der EU-Behörde. "Die ECDC sagt, die Beweislage sei im Moment nicht stark genug für eine Notwendigkeit, dies im Alltag zu empfehlen", sagte Kyriakides auf Nachfragen. Wichtig sei, überhaupt eine Maske korrekt zu tragen und Abstand zu halten. "Aber im Moment unterstützt das ECDC das Tragen von FFP2-Masken in der Gemeinschaft nicht, gemäß den ihnen vorliegenden Hinweisen."

Das ECDC erklärte auch, selbst das Auftreten von neuen Varianten des Coronavirus mache keine anderen Maskentypen als diejenigen notwendig, die derzeit im Rahmen von nicht-pharmazeutischen Maßnahmen gegen Corona verwendet würden. Die Behörde ist nach eigenen Angaben gerade dabei, ein Dokument mit Einschätzungen zum Maskengebrauch im sozialen Umfeld zur Verringerung der Coronavirus-Übertragung zu aktualisieren.

Debatte über Wiederaufbereitung von FFP2-Masken

Die FFP2-Maskenpflicht an bestimmten Orten hatte in Deutschland auch eine Diskussion über deren Wiederverwendbarkeit entfacht. Nach Herstellerangaben sind gewöhnliche FFP2-Masken nur für den Einmalgebrauch ausgelegt. Lediglich Masken mit der Kennzeichnung FFP2 R sind für den mehrmaligen Gebrauch konstruiert.

Forscher der Fachhochschule (FH) Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass auch gängige FFP2-Masken wiederverwendet werden könnten, wenn sie denn korrekt wiederaufbereitet werden. Anders als beim beruflichen Einsatz im Gesundheitswesen sei bei der privaten Nutzung von FFP2-Masken – etwa beim Einkaufen – mit einer geringeren Erregerbelastung zu rechnen, weshalb eine Wiederverwendung unter bestimmten Voraussetzungen vertretbar sei. Das Forschungsprojekt wurde ins Leben gerufen, weil Privatpersonen die Masken oftmals ohne weitere Maßnahmen wiederverwenden, teils an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen.

Um das Ansteckungsrisiko durch eine wiederverwendete FFP2-Maske für den Privatgebrauch zu verringern, beschreiben die Forscher zwei Methoden: Die Masken entweder sieben Tage lang an einem Haken aufhängen und trocknen. Oder die Masken zunächst einen Tag lang an einem Haken aufhängen und anschließend für eine Stunde in einem auf 80 Grad Ober- und Unterhitze vorgeheizten Backofen legen. Möglicherweise anhaftende Sars-CoV-2-Viren könnten auf diese Weise vollständig "inaktiviert" werden, schreiben die Forscher. Beide Verfahren sollten je Maske maximal fünf Mal wiederholt werden, spätestens dann sollte sie im Hausmüll entsorgt werden. Die Mehrfachverwendung von Einmalprodukten erfolgt auf eigene Verantwortung, die Hersteller können nicht haftbar gemacht werden.

DGUV sieht Tipps zur Aufbereitung kritisch

Peter Paszkiewicz vom Institut für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sieht die Tipps zur Aufbereitung von Masken kritisch. Es sei nicht auszuschließen, dass solche Behandlungen die Filterleistung erheblich beeinträchtigen oder ganz zunichtemachen. Die Erhitzungsmethode im Backofen sei unverlässlich, da es keinen Nachweis dafür gibt, dass die Anzeige von Backöfen die tatsächlich erreichte Temperatur darstellt. Es bestehe die Möglichkeit, dass Masken wahlweise zu wenig oder zu stark erhitzt werden, wodurch die Viren entweder nicht effizient beseitigt oder aber die Filterleistung beeinträchtigt werden könne, warnt die DGUV. Die "Aufbereitung durch Lüften" hält die IFA deshalb für die bessere Empfehlung, wenngleich eine unbenutzte Maske einer „aufbereiteten“ Maske grundsätzlich vorzuziehen sei.

Die DGUV weist zudem darauf hin, dass Atemschutzmasken des Typs FFP2 für den beruflichen Einsatz bestimmt sind. "Deshalb gelten nicht nur strenge Zulassungs- und Überwachungsanforderungen für diese Produkte, sondern auch besondere Nutzungsregeln. Dazu zählen eine vom Arbeitgeber anzubietende medizinische Vorsorgeuntersuchung und eine Unterweisung zur richtigen Handhabung", so IFA-Fachmann Paszkiewicz.

Diese Forderungen entsprächen den Bedingungen am Arbeitsplatz, wo von körperlich anstrengenden Tätigkeiten teils über den kompletten Arbeitstag hinweg ausgegangen werden müsse. Deshalb fordert der Gesetzgeber für den professionellen Einsatz zunächst eine individuelle Gefährdungsbeurteilung. Ihr Ergebnis entscheidet über die anschließenden Maßnahmen und hat zur Erholung maskenfreie Arbeitszeit im Blick. Die geltende Arbeitsschutzregel empfiehlt für partikelfiltrierende Halbmasken ohne Ausatemventil eine Tragedauer von 75 Minuten mit einer anschließenden Erholungsdauer von 30 Minuten.

Unterweisungen für Privatpersonen gefordert

Damit die optimale Schutzwirkung der Maske gewährleistet werden kann, regt die DGUV auch für Privatpersonen Unterweisungen an, wie die Masken richtig gehandhabt werden. "Bundesländer, die FFP2-Masken im ÖPNV vorschreiben, könnten zum Beispiel eine Video-Unterweisung an Bahnsteigen und im Fahrgastraum anbieten - ähnlich den Hinweisen, die wir im Flugzeug bekommen", so der Verband.

Wer aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen unsicher ist, ob das Tragen einer FFP2-Maske gefahrlos für ihn ist, dem empfiehlt IFA-Experte Paszkiewicz Rückspräche mit dem Hausarzt. Da die Masken aktuell hauptsächlich für Fahrten mit dem Bus oder der Bahn oder den Einkauf im Supermarkt eingesetzt werden, dürfte die die damit verbundene Belastung aber für die meisten Menschen unkritisch sein, schätzt er. dpa/fre