Interview mit Telekom-Managerin Jessica Wunder "Es geht nicht ohne Sichtbarkeit im Netz"

Im DHZ-Interview erläutert Telekom-Managerin Jessica Wunder, warum Handwerksbetriebe im Netz Nachholbedarf haben – und warum Cloud und WLAN die Trends für das Handwerk sind.

Burkhard Riering

Immer und überall online: Friseure bieten für ihre Kunden immer öfter WLAN an. - © Foto: Sykes/cultura/picture alliance

DHZ: Frau Wunder, die Telekom kümmert sich zunehmend ums Handwerk und will ihre Ideen hier einbringen. Warum?
J essica Wunder: Weil eine Internet-Präsenz und die Digitalisierung der Geschäftsprozesse im Handwerk enorm wichtig sind. Und weil wir merken, dass dies bei vielen Handwerkern noch nicht angekommen ist. Viele Studien belegen, dass Kunden sich im Netz informieren, wenn sie einen Elektriker oder Zimmerer brauchen. Wenn Sie online nicht wahrgenommen werden, wird das sicher nicht Ihr Kunde.

DHZ: Rund die Hälfte der Handwerksbetriebe hat doch eine Website.
Wunder: Das stimmt, aber was ist mit den anderen fünfzig Prozent? Die haben noch nicht erkannt, dass eine digitale Visitenkarte mehr Kunden für ihr Geschäft bringt. Außerdem müssen Webseiten auch gepflegt, aktualisiert und sowohl bei Layout als auch im Bild stets auf den neusten Stand gebracht werden. Wenn ich als Friseurgeschäft eine starre Website habe, auf der irgendwann drei Trendfrisuren vorgestellt wurden, dann bringt das nichts. Oder wenn ich als Elektriker in einer Stadt auf Google Places nicht vorhanden bin, wie soll ich dann gefunden werden? Sichtbarkeit im Netz – das ist die Art, wie Kunden gewonnen werden.

Das Einmaleins für die eigene Webseite

  • Gestalten Sie Ihre Startseite klar, übersichtlich und informativ.
  • Platzieren Sie die Telefonnummer, Kontaktdaten und einen Link zum Kontaktformular gleich auf der Startseite.
  • Bringen Sie Wichtiges wie z.B. die Öffnungszeiten gut sichtbar auf der Startseite unter bzw. rücken Sie es mit einem Teaser in den Blickpunkt.
  • Stellen Sie Ihre Leistungen/Produkte detailliert vor.
  • Stellen Sie Ihr Team und Ihre Räumlichkeiten vor, wenn möglich zusätzlich mit einem kleinen Video.
  • Bieten Sie immer mehrere Kontaktmöglichkeiten an.
  • Achten Sie auf die „3-Ebenen-Präsentation“.
  • Beachten Sie die grundlegenden Regeln der Suchmaschinenoptimierung. dhz


DHZ: Wie spielt da die neue mobile Revolution hinein?
Wunder: 68 Prozent der Konsumenten suchen über ihr Smartphone nach Dienstleistungen. Das sind Kunden, die schnell und gut bedient werden wollen. Wenn Sie eine nicht mobiloptimierte Homepage haben, werden Sie bei Google schlechter gerankt oder gar nicht angezeigt. Und falls Ihre Seite gefunden wird, so können die Kunden vieles nicht öffnen, die Ladezeiten sind ewig lang oder die Schrift ist sehr klein.

"Cloud-Produkte verhindern Papierkram"

Jessica Wunder, Vice President für Marketing bei der Telekom. - © Foto: oh



DHZ: Handwerksbetriebe sind stark in ihren speziellen Gewerken und wollen sich mit solchen Dingen vielleicht gar nicht so beschäftigen.
Wunder: Wenn Sie die Kunden mittel- und langfristig nicht verlieren und mehr Umsatz machen wollen, sollten Sie darüber nachdenken. Natürlich haben die meisten Betriebe keinen eigenen IT-ler, der ihnen die Website ständig betreut. Aber es gibt Homepage-Pakete mit Baukastenlösungen inklusive Online-Assistenten, die Ihnen Schritt für Schritt bei der Verbesserung Ihrer Website helfen. Das Beste: Die Betriebe müssen keine Unsummen ausgeben, sondern diese Tools sind schon für einen kleinen Preis erwerbbar. Es gibt Homepage-Baukästen ab 8,90 Euro pro Monat.

DHZ: Welche Trends sehen Sie in der Digitalisierung auf das Handwerk zukommen?
Wunder: Da gibt es einiges. Natürlich stehen Cloud-Produkte weit oben. Informationen müssen für Betriebe jederzeit und überall verfügbar sein. Das funktioniert mit Cloud-Software. Wenn der Polier auf der Baustelle steht und nicht weiß, wie dick die Dämmung sein muss, weil er keinen Zugriff auf seinen Computer im Büro hat, dann stimmt etwas nicht.

Für viele Baubetriebe sind Cloud-Anwendungen heute aber schon eine Selbstverständlichkeit. Mobile Handwerker müssen geräteunabhängig ihre Informationen bekommen können. Vor allem verhindern sie jede Menge Papierkram, weil alles digital notiert wird. Die Nutzung der Cloud-Produkte ist ganz einfach: Sie lassen sich herunterladen wie Apps. Es gibt eine umfangreiche Auswahl für den Mittelstand „"made und hosted in Germany", zum Beispiel auf dem "Business Market Place". Diese Produkte können zuerst getestet und anschließend gegen eine monatliche Gebühr gemietet werden.

In acht Schritten zur Cloud

Beim Cloud-Computing wird Software in Form von Cloude-Services über das Internet zur Verfügung gestellt. Der Anbieter übernimmt die Wartung und der Nutzer kann auch mobil auf seine Daten zugreifen. Das Fraunhofer Institut empfiehlt acht Schritte für die Auswahl des Cloud-Anbieters :

1. Benötigte Funktionen ermitteln
2. Sicherheitstechnische Anforderungen festlegen
3. Juristische Anforderungen festlegen
4. Services suchen
5. Bewertung und Kostenabschätzung
6. Auswahlentscheidung
7. Test
8. Übernahme



DHZ: Welche Trends sehen Sie sonst noch?
Wunder: Im Handwerk wird WLAN häufig angefragt. Friseure, Bäcker­eien, Metzgereien mit Essecken ­werben mit kostenlosem Internetzugang und ziehen auf diese Weise Kunden an. Bei uns heißt das "Hotspot Plug’n‘Play". Oder digitale Angebotserstellung mit digitaler Unterschrift. Der Kunde unterschreibt auf dem iPad. Oder der Workflow: Die Ver­einfachung der Arbeitsabläufe wird Handwerkern, die Büroarbeit oft nicht mögen, in den nächsten Jahren das Arbeitsleben deutlich erleichtern. Sie sparen sich Bürokratie und viele Botengänge, wenn sie IT richtig einsetzen. Einfacher geht es nicht.