Im EU-Vergleich Erwerbslosigkeit unter Jugendlichen in Deutschland am niedrigsten

Im Vergleich mit den anderen EU-Staaten ist die Erwerbslosigkeit unter Jugendlichen in Deutschland gering. Dennoch gibt es viele junge Menschen, die weder erwerbstätig sind, noch sich an Weiterbildungsmaßnahmen beteiligen.

In Deutschland gibt es im EU-Vergleich wenige Jugendliche ohne Erwerbstätigkeit. - © Foto: endostock/Fotolia

In Deut schland ist die Erwerbslosenquote unter Jugendlichen so gering wie in keinem anderen Mitgliedstaat der Europäi schen Union. Im Jahr 2014 waren laut Zahlen des Statisti schen Bundesamtes hierzulande rund 330.000 Jugendliche im Alter zwi schen 15 bis 24 Jahren erwerbslos. Das entspricht einer Erwerbslosenquote von 7,7 Prozent.

Auch in Österreich, wo es ein ähnliches Ausbildungssystem wie in Deut schland gibt, war die Quote mit 10,3 Prozent ähnlich niedrig wie in der Bundesrepublik. Durch schnittlich lag die Erwerbslosenquote unter Jugendlichen in den 28 EU-Staaten bei 22,2 Prozent. Wie auch in den Vorjahren waren in Spanien (53,2 Prozent) und Griechenland (52,4 Prozent) im EU-Vergleich die meisten jungen Men schen ohne Arbeit.

Arbeitsmarktexperten führen die niedrige Zahl an erwerbslosen Jugendlichen in Deut schland unter anderem auch auf das duale Ausbildungssystem zurück. "Deut schland hatte immer niedrigere Jugendarbeitslosigkeitsquoten", erläutert Holger Seibert, For scher am Institut für Arbeitsmarkt und Berufsfor schung. Doch auch die vielfältigen Möglichkeiten zur Nachqualifizierung von Jugendlichen haben einen Effekt auf die Erwerbslosigkeit, führt Seibert aus: "Die Jugendlichen stecken dann in den Weiterbildungsangeboten und werden in dem Moment nicht als erwerbslos geführt."

Halbe Million Jugendliche weder erwerbstätig noch in Weiterbildung

Etwas weniger als ein Drittel der 330.000  erwerbslosen Jugendlichen befand sich in Deut schland dabei in solchen Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, um sich für den Berufseinstieg zu qualifizieren. Das heißt im Umkehr schluss: 230.000 Jugendliche nahmen nicht an Weiterbildungsmaßnahmen teil.

Insgesamt rund eine halbe Million Jugendliche waren im vergangenen Jahr weder erwerbstätig, noch in Bildung oder Weiterbildung. Das entspricht einer Quote von 6,4 Prozent. Dazu zählen auch erwerbslose und Personen ohne Be schäftigung, die in den letzten vier Wochen vor der Befragung nicht aktiv nach einer Tätigkeit gesucht haben.

Dabei gibt es in Deut schland für Jugendliche zahlreiche Möglichkeiten, um sich für den Berufseinstieg vorzubereiten, beispielsweise durch die sogenannte Einstiegsqualifizierung. Doch auch hier sind die Teilnehmerzahlen im Handwerk seit Jahren rückläufig, laut Zentralverband des Deut schen Handwerks eine Folge des demographi schen Wandels. Dennoch bleiben Jahr für Jahr tausende Lehrstellenplätze unbesetzt und zugleich Jugendliche ohne Ausbildungsplatz.

Erwerbslosenquote um die Hälfte gesunken

Im Zeitvergleich sieht das Bild jedoch anders aus: Vor zehn Jahren lag auch die Zahl der erwerbslosen jungen Men schen noch deutlich höher - 10,9 Prozent der Jugendlichen zwi schen 15 und 24 Jahren waren damals weder erwerbstätig noch in Bildung oder Weiterbildung. Auch die Erwerbslosenquote ist in den vergangenen zehn Jahren von 15,5 Prozent auf 7,7 Prozent gesunken. Das ist ein Rückgang um 50 Prozent. Das ist allerdings unter anderem auf die angespannte Situation am Ausbildungsmarkt im Jahr 2005 zurückzuführen, so Seibert. Auch der Geburtenauf schub in Ostdeut schland nach der Wende, wirkten sich seit 2007 auf den Ausbildungsmarkt aus.

Nur in den Niederlanden (5 Prozent), Dänemark (5,8 Prozent) und Luxemburg (6,3 Prozent) gab es innerhalb der EU 2014 weniger Jugendliche, die weder erwerbstätig waren, noch an einer Bildungsmaßnahme teilnahmen.

Im Gegensatz dazu Italien: Hier waren 22,1 Prozent junger Men schen zwi schen 15 und 24 Jahren weder erwerbstätig noch beteiligten sie sich an Weiterbildungsprozessen. In Bulgarien (20,2 Prozent), Kroatien (19,3 Prozent) und Griechenland (19,1 Prozent) lagen die Anteile ähnlich hoch. EU-weit lag der Durch schnitt bei 12,4 Prozent. sch