Partnerschaft im Handwerk Erst Praktikant, dann Mitinhaber: Eine Dresdner Werkstattgeschichte

Andreas Thümmler kam vor fast 17 Jahren als Praktikant zu Geigenbaumeister Joachim Zimmermann – und blieb. 2018 legte er die Meisterprüfung ab, 2020 gründeten beide gemeinsam die Zimmermann & Thümmler GbR. Ein Porträt über zwei Handwerker, die aus einem Lehrer-Schüler-Verhältnis eine gleichberechtigte Partnerschaft gemacht haben.

Joachim Zimmermann (l.) und Andreas Thümmler
Joachim Zimmermann (l.) und Andreas Thümmler arbeiten seit 2009 zusammen. Anfangs noch als Meister und Geselle haben beide heute den Meisterbrief und 2020 die Firma Geigenbau Zimmermann & Thümmler GbR gegründet. - © Daniel Bagehorn

Die Celli liegen dicht an dicht, an der Wand aufgereiht hängen Geigen und Bratschen. Einen Raum weiter – in der Werkstatt mit Blick in den kleinen Garten – liegen Hölzer, Leim und Werkzeuge bereit. Hier im Erdgeschoss einer alten Villa in Dresden-Strehlen haben Joachim Zimmermann und Andreas Thümmler ihren Handwerksbetrieb. Hier bringen sie alte und neuere Streichinstrumente im Auftrag ihrer Kunden wieder zum Klingen.

Die beiden Geigenbaumeister sind seit 2009 beruflich ein Paar. "Es ist fast wie in einer Ehe", sagt Joachim Zimmermann und lacht. "Zwar muss jeder von uns beiden alles können, aber wir ergänzen uns. Das ist schön." "Wir sind unterschiedliche Typen, aber gerade das passt", ergänzt Andreas Thümmler.

Vom Praktikanten zum Partner

Vor fast 17 Jahren begann der heute 37-Jährige als Praktikant bei Geigenbaumeister Joachim Zimmermann, später arbeitete er als Geselle. "Frisch von der Schule habe ich das Geigenbauhandwerk hier noch einmal neu gelernt", sagt der gebürtige Klingenthaler. Früh stand für ihn fest, auch den Meisterbrief zu machen. "Er ist ein Gütesiegel und wird von den Kunden geschätzt." 2018 legte Thümmler die Meisterprüfung erfolgreich ab.

Auf Augenhöhe mit seinem langjährigen Lehrer und Chef angekommen – also von Geigenbaumeister zu Geigenbaumeister – erfolgte 2020 die Gründung der Geigenbau Zimmermann & Thümmler GbR. Seither führen sie die Werkstatt gemeinsam.

Meisterprüfung im Jahr 1984

Die Geschichte von Joachim Zimmermann verläuft nicht ganz so gradlinig. Zwar hat auch der heute 66-Jährige durch die Liebe zur Musik und zum Spielen eines Instrumentes zum Geigenbau gefunden, aber auch größere Herausforderungen meistern müssen. "Nach langem Suchen fand ich Ende der 1970er-Jahre eine Lehrstelle bei Geigenbaumeister Werner Voigt in Markneukirchen", beschreibt Zimmermann seine Anfänge. 1984 legte er seine Meisterprüfung ab und machte sich 1986 in Bad Brambach selbstständig. Den Fall der Mauer wenige Jahre später nutzte der Vollblut-Handwerker für einen Aufbruch. "Mit Frau und drei Kindern bin ich damals auf die Walz gegangen. Ich arbeitete von 1991 bis 1993 bei Geigenbaumeister Hubert Schnorr in Stade. Diese Zeit eröffnete mir völlig neue Welten. Der Umgang mit alten hochwertigen Instrumenten schulte meinen Blick." 1994 eröffnete Joachim Zimmermann sein Unternehmen neu – diesmal in Dresden, in eben jenem Haus, in dem sich seine Werkstatt auch noch heute befindet.

Joachim Zimmermann und Andreas Thümmler sehen ihr Handwerk vor allem als Dienstleistung. "Entscheidend ist, dass der Kunde zufrieden ist. Wir erfüllen Wünsche und lösen Probleme", sagen sie pragmatisch. Zu ihren Kunden zählen Profimusiker aus Philharmonie und Staatskapelle ebenso wie Mitglieder von Laienorchestern, Hobbymusiker und Musikschüler. "Wir sind für alle da", betont Zimmermann.

Bürokratie: Lästig, aber notwendig

Auch die lästige Bürokratie packt der 66-Jährige pragmatisch an. Sie sei zwar unerquicklich, aber nötig, sagt er. Als Beispiel nennt er das Holz des Fernambukbaums. Der brasilianische Nationalbaum steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Sein elastisches Holz gilt im Bogenbau bis heute als unersetzlich. "Ich muss mich also zwei Tage hinsetzen und genau dokumentieren, woher unsere Bögen stammen."

Joachim Zimmermann und Andreas Thümmler leben ihr Handwerk mit einer großen Leidenschaft. Sie wollen seine Tradition bewahren und fortführen. Beide sind Mitglied im Verband Deutscher Geigenbauer und Bogenmacher, pflegen einen engen Austausch mit Kollegen und stellen ihren Beruf in Schulen vor. Ihr Ziel: auch die nächste Generation für Kunst und Handwerk begeistern.