Triviales Erfolgsrezept Erfolgreich auf Azubi-Suche: "Ja, es ist wirklich so einfach"

Auszubildende findet man heutzutage nur noch über Social Media? Von wegen. Albert Kohl beweist Jahr um Jahr das Gegenteil – und hat mit bis zu 25 Bewerbungen die Qual der Wahl. Hinter seinem Erfolg stecken weder eine teure Kampagne noch eine besonders außergewöhnliche Idee.

Bewerbungsmappen in verschiedenen Farben
Bei Albert Kohl liegen jedes Jahr bis zu 25 Bewerbungen auf dem Tisch. - © Klaus Eppele - stock.adobe.com

Von der Reparatur eines tropfenden Wasserhahns bis zum großen Anlagenbau bietet "Kohl Wasser + Wärme" alles an, was irgendwie mit Heizung und Sanitär zu tun hat. Als Albert Kohl den Betrieb 1999 übernommen hat, meldete sich kaum ein Jugendlicher auf die ausgeschriebenen Lehrstellen. Der Geschäftsführer musste etwas ändern – und landete mit seinem ersten Impuls direkt einen Volltreffer. Er nahm Kontakt mit den Schulen auf und beteiligte sich fortan an Berufsmessen. "Seitdem ist das Problem eigentlich ein Fremdwort für mich und es funktioniert nach wie vor", erzählt er. Jedes Jahr bewerben sich bis zu 25 potenzielle Kandidaten bei dem 50-Mann-Betrieb in Bobingen.

Handwerker fehlen auf den Berufsmessen

Für Messen anmelden, Stand aufbauen, für Gespräche bereitstehen – das war´s? "Ja, es ist wirklich so einfach", betont Kohl. "Nicht ohne Grund nehmen die großen Firmen wie Versicherungen und Industriebetriebe an solchen Messen teil. Die nehmen sich die Zeit, nah bei den künftigen Bewerbern zu sein und sich zu präsentieren. Das ist etwas, was ich im Handwerk leider vermisse." Betriebe aus dem Handwerk seien meistens in der Unterzahl.

Kosten sind überschaubar

Dabei seien die Kosten keinesfalls astronomisch, so Kohl. Die Teilnahme ist oftmals kostenlos, ein guter modularer Messestand kostet zwischen 2.000 und 3.000 Euro und hält sehr lange: "Da wird mal ab und zu ein Bild ausgetauscht, aber ansonsten muss man nur einmal investieren und kann ihn über Jahre hinweg benutzen." Wie viel Geld ein Betrieb für einen Stand letztendlich ausgeben will, bleibt natürlich ihm überlassen. Nach oben gibt es kein Limit. "Ich würde es eher nach unten hin definieren. Ein professioneller Grundauftritt sollte vorhanden sein. Ein schnell ausgedrucktes und zusammengebasteltes Plakat hinzuhängen, ist der Sache eher wenig dienlich", erklärt Kohl.

Zwei Mitarbeiter von Kohl Wasser Wärme stehen in einem Klassenzimmer.
Mitarbeiter von Albert Kohl in der Dr.-Jaufmann-Mittelschule in Bobingen. Am 21. und 22. März 2022 gaben sie einen interessanten Einblick in den Arbeitsalltag eines SHK-Anlagenmechanikers. - © Albert Kohl

Der Aufwand lohnt sich

Auch der personelle Aufwand halte sich in Grenzen: "Am Anfang sind es schon ein paar Stunden, die man reinsteckt bis alles vorbereitet ist. Aber dann ist es ein Selbstläufer. Wenn wir heute auf eine Berufsmesse gehen, dann bauen wir eine Stunde auf und ab und sind zwei bis drei Stunden vor Ort." Albert Kohl ist mit seinem Betrieb jedes Jahr auf zwei bis drei Messen in der näheren Umgebung. Inzwischen hat er sehr gute Beziehungen zu den Lehrern in den Schulen aufgebaut, die den Beruf des Anlagenmechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) auch in den Klassen bewerben. "Die bauen den Beruf mal im Unterricht mit ein und weisen auf unsere Praktikumsplätze hin", erzählt Kohl.

Ein guter Auftritt auf der Messe

Der Messestand ist bei Albert Kohl eher informativ gehalten. Firmenname und die angebotenen Ausbildungsplätze sind abgebildet. Zusätzlich gibt es noch einen Bildschirm, auf dem ein Imagefilm läuft. "In der Regel haben wir auch irgendwas dabei, wie ein paar Rohre oder eine Maschine, damit wir einen kleinen Ausschnitt der Arbeit zeigen können", erzählt Kohl. Gut kämen auch Auszubildende an, die für Fragen der Schüler bereitstehen. Wichtig ist dem Geschäftsführer zudem ein moderner Auftritt: "Wir machen es gerne so, dass wir auf der einen Seite den Werkzeugkoffer und auf der anderen Seite den Laptop stehen haben. Damit die Jugendlichen sehen, dass die Digitalisierung bei uns angekommen ist und es nicht mehr dieser altmodische, traditionelle Beruf ist."

Auch soziale Medien sind hilfreich

Zu einem zeitgemäßen Auftritt zählt für den SHK-Betrieb auch die Präsenz in den sozialen Medien. Die Instagram- und Facebook-Kanäle sind laut Kohl aber nur Beiwerk, das Gros der Bewerbungen komme definitiv über die Berufsmessen und die aktive Zusammenarbeit mit den Schulen zustande. Auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlicht der Betrieb unter anderem Fotos und Videos von seinen Azubis. Zu sehen sind diese künftig vielleicht auch auf TikTok. "Wir überlegen unsere Auszubildenden auch dort ein bisschen berichten zu lassen und Baustellenvideos hochzuladen."

Foto von Albert Kohl
Albert Kohl: Geschäftsführer
von Kohl Wasser + Wärme - © Albert Kohl

Das Angebot muss stimmen

Weder in den sozialen Medien noch auf den Messen, treten Kohl und sein Team wie Marktschreier auf. Solange die Jugendlichen noch nicht genau wüssten, wo sie beruflich hinwollen, kämen sie häufig von ganz alleine an den Messestand. Die typischen Fragen bezögen sich auf die Inhalte und Länge der Ausbildung, welche Möglichkeiten es nach der Lehre gibt und wie hoch die Ausbildungsvergütung ist. Als eher großer Betrieb bietet "Kohl Wasser + Wärme" eine sehr facettenreiche Ausbildung an. Lehrinhalte werden dabei auch interaktiv via App vermittelt. "Sie wurde vom Fachverband speziell für unsere Azubis gemacht", erklärt Kohl. "Das kommt bei den Jugendlichen gut an." Auch nach der Ausbildung bietet sein Betrieb attraktive Perspektiven: "Es ist natürlich möglich, eine berufliche Weiterbildung zu machen, sei es als Meister oder Techniker."

Praktikum hilft bei der Azubi-Wahl

Wer sich bei "Kohl Wasser + Wärme" bewerben möchte, kann dies teils schon direkt am Stand. "Das ist ein Konzept an der Schule hier in Bobingen. Da haben die Schüler die Möglichkeit sich direkt zu bewerben", erzählt Kohl. Die Schüler hätten dann eine kleine Mappe mit ihren Zeugnissen und Infos über sich dabei.

Ansonsten läuft der Bewerbungsprozess über ein klassisch schriftliches Anschreiben. Danach werden die Kandidaten zu einem Praktikum eingeladen: "Für uns ist das sehr wichtig. Wir wollen, dass der Bewerber ein paar Tage mit den Monteuren verbringt. Diese geben dann eine Bewertung ab und berichten, was ihnen positiv oder negativ aufgefallen ist." Auf dieser Grundlage wählt Kohl dann letztlich drei Azubis pro Lehrjahr aus. "Es muss nicht immer der mit den besten Noten sein, das Gesamtverhältnis muss passen."