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Infoschreiben des Bundesfinanzministeriums Energetische Sanierung: Fragen und Antworten zur Steueranrechnung

Lassen Sie Ihr Eigenheim energetisch sanieren, steht Ihnen unter bestimmten Voraussetzungen eine üppige Steueranrechnung zu. Das Bundesfinanzministerium hat ein Infoschreiben veröffentlicht und beantwortet darin viele Praxisfragen.

Für wen ist das Infoschreiben zur Steueranrechnung für energetische Sanierungsleistungen interessant?

Das Schreiben des Bundesfinanzministeriums ist vor allem für Privatkunden interessant, die vom Finanzamt eine Steueranrechnung für ihre energetischen Sanierungsmaßnahmen haben möchten. Doch auch Fachunternehmen im Handwerk, die energetische Sanierungsmaßnahmen anbieten, sollten im Bilde darüber sein, unter welchen Voraussetzungen den Kunden eine Steueranrechnung winkt und wann nicht.

Praxis-Tipp: Klappt es mit der steuerlichen Förderung der energetischen Sanierungsmaßnahmen, ist der Privatkunde möglicherweise eher dazu motiviert, Sonderwünsche in Auftrag zu geben. Deshalb sollte der Fachhandwerker es zumindest im Blick haben, ob dem Kunden die Steueranrechnung winkt oder nicht. Wenn ja, sollte der Privatkunde darauf hingewiesen werden, dass er möglicherweise mehr Geld zur Verfügung hat.

Für welche Immobilien winkt die Steueranrechnung nach § 35c EStG?

Die Steueranrechnung gibt es für Steuerzahler, die energetische Sanierungsmaßnahmen in ihrem zu eigenen Wohnzwecken genutzten Eigenheim in Auftrag geben. Dem Eigenheim gleichgestellt sind Immobilien, die als Ferienwohnung genutzt und nicht vermietet werden und Zweitwohnungen im Rahmen einer beruflichen doppelten Haushaltsführung, die sich im Eigentum des Arbeitnehmers befinden.

Praxis-Tipp: Eine Steueranrechnung winkt auch für Immobilien, die Kindern, für die der Eigentümer noch Kindergeld bekommt oder einen Anspruch auf Abzug der Kinderfreibeträge hat, unentgeltlich zu Wohnzwecken überlassen werden. Doch aufgepasst: Diese Sonderregelung gilt nur für Kinder. Die unentgeltliche Überlassung der gesamten Wohnung an andere – auch unterhaltsberechtigte – Angehörige oder fremde Dritte stellt keine Nutzung zu eigenen Wohnzwecken dar (BMF, Schreiben v. 14.1.2021, Rz. 10).

Was muss man zum Alter des Gebäudes wissen?

Die Steueranrechnung in Höhe von 20 Prozent der Sanierungsmaßnahmen, maximal 40.000 Euro, gibt es nur für Immobilien, die älter als zehn Jahre alt sind. Das Finanzamt rechnet hier taggenau. Für die Bestimmung des 10-Jahreszeitraums ist der Beginn der Herstellung des Gebäudes und der Beginn der energetischen Sanierungsmaßnahmen heranzuziehen (BMF, Schreiben v. 14.1.2021, Rz. 20).

Welche Aufwendungen sind förderfähig?

Im Gegensatz zur Steueranrechnung für Handwerkerleistungen oder für haushaltsnahe Dienstleistungen, bei denen es die Steueranrechnung nur für die reine Arbeitsleistung gibt, winkt die Steueranrechnung nach § 35c EStG für energetische Sanierungsleistungen für die Arbeitsleistung und für das eingesetzte Material. Welche Maßnahmen im Rahmen einer energetischen Sanierungsmaßnahme steuerlich gefördert werden, kann einer 13-seitigen Aufstellung entnommen werden (BMF, Schreiben v. 14.1.2021 ab Seite 24).

Kann die Steueranrechnung (anteilig) kippen?

Die Antwort auf diese Frage lautet leider "ja". Die Steueranrechnung kippt beispielsweise, wenn Sie für die energetischen Sanierungsmaßnahmen parallel einen Kfw-Kredit oder Zuschüsse bei der Kfw aus einem Förderprogramm beantragen. Die Steueranrechnung geht auch anteilig verloren, wenn sich in der Immobilie, an der die energetischen Sanierungsmaßnahmen erbracht werden, ein häusliches Arbeitszimmer befindet.

Fazit: Die Steueranrechnung für energetische Sanierungsmaßnahmen ist ein echtes Steuersparmodell für alle Steuerzahler, die in dem Dreijahreszeitraum, in dem es die Steueranrechnung gibt, tatsächlich Steuern bezahlen. Denn die Steueranrechnung kann nur in Höhe der für das betreffende Steuerjahr festgesetzten Steuer erfolgen. Wer keine Steuern bezahlt (z.B. Rentner) geht trotz Erfüllung aller Voraussetzungen bei der Steueranrechnung leer aus.

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