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Elterngeld und Elterngeld Plus Mehr Väter nehmen bezahlte Auszeit für die Familie

Noch immer ist die Mehrheit der Elterngeld-Bezieher weiblich. Doch die Väter holen auf. Die Beliebtheit der staatlichen Familienleistung steigt. Das gilt bei der bezahlten Auszeit vom Job.

Wer ein Kind bekommt, kann Elterngeld oder Elterngeld Plus beantragen. Und da in Deutschland wieder mehr Kinder auf die Welt kommen, steigt auch die Nachfrage nach diesen staatlichen Familienleistungen an. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Im Jahr 2017 haben 1,35 Millionen Mütter und 410.000 Väter Elterngeld (Basiselterngeld und Elterngeld Plus zusammengenommen) bezogen – insgesamt sieben Prozent mehr als 2016. Aufgeteilt nach Geschlechtern zeigt sich, dass sich der Anstieg  Väter stärker bei den Männern zeigt. Denn während die Anzahl der Mütter mit Elterngeld um sechs Prozent zunahm, stieg die Zahl der Elterngeld beziehenden Väter um gut elf Prozent.

Dennoch besteht der Elterngeldbezug meist aus der klassischen Konstellation: Die Mutter des Kindes bleibt zwölf Monate mit dem Kind zuhause und der Vater zwei Monate. Drei von vier Vätern, die Elterngeld beantragen, nehmen keine längere Auszeit, als zwei Monate. So kann die maximale Bezugsdauer des Elterngelds ausgeschöpft werden. Elterngeld Plus nutzen bislang vor allem Mütter. Von den Elterngeld-Bezieherinnen nutzen 26 Prozent ein auf eine längere Zeit aufgeteiltes Elterngeld.

So können Eltern Elterngeld und Elterngeld Plus nutzen:

Wer bekommt das Basiselterngeld und wie lange?

Das Basiselterngeld ist das ursprüngliche "Elterngeld". Mütter und Väter bekommen es für maximal 14 Monate ausbezahlt, wobei sie die Monate frei untereinander aufteilen können. Nimmt etwa ein Elternteil zwölf Monate verbleiben für den anderen zwei Monate. Verzichtet ein Elternteil auf den Anspruch, verkürzt sich dieser allerdings auf zwölf Monate.

Wie hoch ist das Elterngeld?

Das Basiselterngeld wird je nach Einkommen berechnet. Es beträgt zwischen 65 und 67 Prozent des vorhergehenden Einkommens – mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro monatlich. Wer unter 1.200 Euro netto monatlich verdient, dem werden 67 Prozent des Einkommens als Elterngeld ersetzt. Wer mehr verdient, bekommt 65 Prozent.

Das Elterngeld wird anhand des Durchschnittseinkommens des vorangegangenen Jahres berechnet, bevor das Kind geboren wurde. Bei Selbstständigen zählt das vorangegangene Kalenderjahr; bei Angestellten zählen die zwölf Monate vor der Geburt.

Gibt es Zuschläge beim Elterngeld für Familien mit mehreren Kindern?

Familien mit mehreren kleinen Kindern bekommen zusätzlich zum Elterngeld den sogenannten Geschwisterbonus von 10 Prozent des sonst zustehenden Elterngeldes. Das sind mindestens 75 Euro. Bei Mehrlingsgeburten gibt es einen Zuschlag von 300 Euro für jedes weitere neugeborene Kind.

Darf man zum Elterngeld etwas hinzuverdienen?

Während des Elterngeldbezugs sind Arbeiten im Rahmen von 30 Stunden pro Woche erlaubt. Allerdings wird das Einkommen daraus voll auf das Elterngeld angerechnet bzw. es wird abgezogen.

Kann der Anspruch auf Elterngeld entfallen?

Elternpaare, die im Kalenderjahr vor der Geburt ihres Kindes gemeinsam ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 500.000 Euro hatten, bekommen kein Elterngeld. Für Alleinerziehende entfällt der Anspruch ab mehr als 250.000 Euro.

Wo beantragt man Elterngeld?

Zuständig sind die Elterngeldstellen der einzelnen Bundesländer. Das Bundesfamilienministerium stellt online eine Liste mit allen Adressen bereit. Sie kann hier aufgerufen werden.>>>

Auch Elterngeld Plus beantragt man bei den Elterngeldstellen der Länder. Eltern können es für Kinder, die nach dem 1. Juli 2015 geboren werden, beantragen. Vor allem Eltern, die in Teilzeit arbeiten möchten, sollen von dieser Variante profitieren. Denn damit lässt sich der Bezugszeitraum für das bisherige Elterngeld – das seit der Einführung von Elterngeld Plus Basiselterngeld heißt – verlängern. Das Elterngeld Plus ersetzt den Einkommensanteil, der wegen der Reduzierung der Arbeitszeit wegfällt.

Urteil: Sonderzahlungen erhöhen das Elterngeld nicht

Bei der Berechnung des Elterngeldes spielen Urlaubs- und Weihnachtsgeld allerdings keine Rolle. Das hat das Bundessozialgericht nun in einem neuen Urteil entschieden.

Ausschlaggebend für die Höhe des Elterngelds ist das Einkommen vor der Geburt des Kindes. Bei der Berechnung werden jährlich je einmal gezahlte Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld allerdings nicht berücksichtig. Das hat das Bundessozialgericht entschieden (Aktenzeichen B 10 EG 5/16 R) und damit die Klage einer Angestellten abgelehnt, deren Anwalt sich darauf berufen hatte, dass das Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu den laufenden Einkünften zählen würden und somit auch Einfluss auf die Höhe des Elterngeldes haben müsste. Doch das Bundessozialgericht hat dem Einwand widersprochen.

Was gilt beim Elterngeld Plus?

Das Elterngeld Plus ist in seiner monatlichen Höhe jedoch begrenzt auf die Hälfte des Elterngelds (das Basiselterngeld beträgt mindestens 300 und maximal 1.800 Euro), das Eltern bei einer vollständigen Auszeit aus dem Beruf bekommen hätten. Ein Basiselterngeld-Monat entspricht demnach zwei Monaten mit Elterngeld-Plus und kann auch über den 14. Lebensmonat des Kindes hinaus beantragt werden. Diese Variante des Elterngeldes gibt es daher für den doppelten Zeitraum – also bis zu 28 Monate.

Rechenbeispiel zum "ElterngeldPlus"

Die Mutter beantragt für zwölf Monate Elterngeld. Vor der Geburt hat sie 1.400 Euro monatlich verdient. Nach der Geburt arbeitet die Mutter die ersten 6 Monate gar nicht und ihre 1.400 Euro Einkommen fallen weg. Sie erhält dann ein Elterngeld in der bisherigen Form von 65 Prozent, also 910 Euro.

Sie hat dann noch sechs Monate Elterngeld übrig. In diesen restlichen sechs Monaten des Elterngeldbezugs beginnt sie in Teilzeit zu arbeiten und verdient dabei 550 Euro. Von den ursprünglichen 1.400 Euro Vollzeit-Einkommen fallen dann in dieser Zeit 850 Euro Einkommen weg. In dieser Situation hat sie nun zwei Möglichkeiten:

  • Bezug des bereits bestehenden Teilzeit-Elterngeldes:
    Sie bezieht die sechs Monate Elterngeld in der bisherigen Form. Bei 65 Prozent von 850 Euro sind das 552,50 Euro. In der Summe erhält sie 3.315 Euro Elterngeld in 6 Monaten.
  • Bezug von Teilzeit-Elterngeld Plus:
    Sie verdoppelt mit dem Elterngeld Plus ihre 6 restlichen Elterngeldmonate und bezieht zwölf Monate Elterngeld Plus. Das Elterngeld Plus ersetzt das wegfallende Einkommen bis zur Hälfte des Elterngelds, das die Mutter ohne Teilzeit nach der Geburt des Kindes bekäme. Sie erhält in diesem Fall 455 Euro Elterngeld Plus, das ist die Hälfte des Betrages, den sie ohne Teilzeittätigkeit nach der Geburt des Kindes bekäme. In der Summe erhält die Mutter damit 5.460 Euro Elterngeld Plus in 12 Monaten.
    Das entspricht der Summe, die die Mutter bekäme, wenn sie in den restlichen 6 Monaten das bisherige Elterngeld (also ohne Teilzeit) erhielte (6 Monate lang 910 Euro).
Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Wer Elterngeld Plus bezieht, muss nicht zwingend arbeiten - darf aber maximal durchschnittlich 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sein.

Wer bekommt den Partnerschaftsbonus beim Elterngeld Plus?

Zusätzlich zu der neuen Variante des Elterngeldes gibt es den Partnerschaftsbonus, der die Aufteilung zwischen den Eltern noch flexibler machen soll: Wenn beide Elternteile 25 bis 30 Wochenstunden arbeiten, verlängert sich demnach der Elterngeldbezug um vier Monate. Damit man den Partnerschaftsbonus bekommt, muss die Arbeitszeit jedoch für vier aufeinanderfolgende Monate reduziert werden.

Elterngeld Plus: Was müssen Selbstständige beachten?

Auch Selbstständige können das Elterngeld Plus und den Partnerbonus beantragen, wenn sie in geringem Umfang erwerbstätig sind oder nachlaufende Einkünfte aus ihrer Tätigkeit vor der Geburt haben.

Für sie gelten jedoch Besonderheiten beim Bemessungszeitraum, den die Elterngeldstelle des jeweiligen Bundeslandes festlegt. In der Regel zieht die Elterngeldstelle das Einkommen des letzten Wirtschaftsjahres zur Berechnung des Elterngeldes heran. Wurde kein abweichendes Wirtschaftsjahr festgelegt, ergibt sich der Bemessungszeitraum meist aus den letzten zwölf Monaten vor der Geburt des Kindes.

Verschiebung beantragen

Können Eltern nachweisen, dass das Einkommen beispielsweise wegen einer schwangerschaftsbedingten Erkrankung in den vergangenen zwölf Monaten geringer war als üblich, können sie eine Verschiebung des Bemessungszeitraumes beantragen. Meist zieht die Elterngeldstelle dann das vorletzte Wirtschaftsjahr vor Geburt des Kindes heran.

Auch Selbstständige können  den Bezugszeitraum unterbrechen und bestimmte Lebensmonate bei der Elterngeldbeantragung aussparen.

Benötigte Nachweise

  • Einkommenssteuerbescheid beziehungsweise Einnahmen-Überschussrechnung;
  • Selbsteinschätzung für das voraussichtliche Einkommen im Bezugszeitraum;
  • Wenn nur ein Elternteil selbstständig ist und der andere sich in einer Anstellung befindet, müssen Mutter und Vater des Kindes alle Einkünfte aus selbstständiger und nichtselbstständiger Tätigkeit des vergangenen Wirtschaftsjahres nachweisen.

Und noch eine Besonderheit gibt es für Selbstständige: Sie erhalten den Elterngeldbescheid zunächst immer unter Vorbehalt auf Basis der Einkommensprognose. Nach Ende des Elterngeldbezuges müssen sie die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben offenlegen. Dementsprechend kann es sein, dass sie einen gewissen Betrag rückerstatten müssen, oder Nachzahlungen bekommen.

Flexiblere Auszeiten: Was bieten die Gesetze?

Zusätzlich zu Elterngeld und Partnerbonus gelten seit 1. Juli 2015 flexiblere Regelungen bei der Elternzeit . Bislang können Eltern bis zum dritten Lebensjahr des Kindes eine unbezahlte Auszeit vom Job nehmen. Das bleibt auch weiter bestehen. Die Möglichkeit zwischen dem 3. und dem 8. Geburtstag des Kindes eine Auszeit zu nehmen, kann nun jedoch von zwölf auf 24 Monate ausgedehnt werden.

Der Arbeitgeber muss dieser Auszeit nicht zustimmen, allerdings muss er mindestens 13 Wochen vor dem Beginn darüber informiert werden. Die Informationspflichten des Arbeitnehmers über die Elternzeit vor dem 3. Geburtstag bleiben bei nur sieben Wochen vor Beginn. Zudem können beide Elternteile ihre Elternzeit in je drei statt wie bisher zwei Abschnitte aufteilen. dhz

Mehr Informationen zum Elterngeld Plus gibt es beim Bundesfamilienministerium .

Dieser Beitrag wurde am 14. Juni 2018 aktualisiert.

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