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Hohe Nachfrage wegen gestiegener Geburtenrate Elterngeld: Zusätzliche Millionen Euro nötig

Wer ein Kind bekommt, kann Elterngeld oder Elterngeld Plus beantragen. Da die Geburtenrate in Deutschland steigt, reicht das Geld, das für die bezahlte Auszeit vom Job zur Verfügung steht, allerdings nicht mehr aus.

In Deutschland kommen wieder mehr Kinder auf die Welt. So steigt auch die Nachfrage nach dem Elterngeld derzeit rasant an. Medienberichten zufolge hat das Bundesfinanzministerizm deshalb nun dem Bundesfamilienministerium eine "überplanmäßige" Ausgabe von 140 Millionen Euro bewilligt. Wie faz.net berichtet hatte das Familienministerium im laufenden Jahr bislang 6,4 Milliarden Euro veranschlagt.

Doch dieses Geld reicht aufgrund der steigenden Geburtenrate in Deutschland und dem großen Interesse der Eltern an der staatlichen Leistung nicht aus. Doch obwohl das Elterngeld sehr beliebt ist, sind die derzeitigen Regelungen für Eltern, die beiden arbeiten und beide Zeiten für die Kinderbetreuung haben möchten, nicht immer praktikabel. So müssen Familien stark darauf achten, wie sie die Auszeiten wählen, damit sie finanziell auch über die Runden kommen. Das zeigt die Statistik.

Das zeigt die Statistik zum Elterngeld

So nehmen viele Familien in Deutschland das Elterngeld und damit eine bezahlte Auszeit vom Job, um Kinder zu betreuen, zwar gern in Anspruch. Für mehrere Monate bleiben allerdings nur in Ausnahmefällen die Väter zuhause. Nur etwa jeder dritte Vater beantragt Elterngeld – und das meist auch nur für die zusätzlichen Monate, die man bekommt, wenn beide Elternteile eine Auszeit nehmen.

Schaut man sich die statistische Auswertung der Elterngeldbezieher noch genauer an, dann fällt auf, dass es bei den Vätern vor allem diejenigen Elterngeld beantragen, die mehr als 1.500 Euro netto verdienen. Oder anders herum formuliert: Drei Viertel der Männer, die Elterngeld beantragt haben, verdienen mindestens 1.500 Euro netto. So sind es also meist die besserverdienenden Männer, die eine Auszeit vom Job für das Kind nehmen und damit in dieser Zeit auch nur 65 Prozent des eigentlichen Gehalts bekommen.

"Väterzeit" ein "Mittelschichtsphänomen"

Die Zahlen stammen aus der aktuellsten Auswertung des Statistischen Bundeamts aus dem dritten Quartal 2016. Über die niedrige Zahl der Männer mit einem geringen Einkommen, die Elterngeld beziehen – es sind ganze 18,5 Prozent – berichtet Spiegel-Online und nennt als Beispiel einen Bauarbeiter aus Steinfurt in Westfalen, der in seiner Firma der einzige in seiner Position ist, der die Einbußen auf sich genommen hat, die man durch den Bezug des Elterngeldes auf sich nehmen muss. So sei die "Väterzeit" ein "Mittelschichtsphänomen" schreibt Spiegel-Online.

Meist besteht der Elterngeldbezug aus der klassischen Konstellation: Die Mutter des Kindes bleibt zwölf Monate mit dem Kind zuhause und der Vater zwei Monate. Nur rund 30 Prozent der Väter nehmen mehr als die zwei Monate. Auch diese Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt und beziehen sich auf das dritte Quartal 2016.

Dennoch ist die Beteiligung der Väter gestiegen. Vom dritten Quartal 2015 bis zum Vergleichszeitraum 2016 um 1,3 Prozentpunkte. Um hierbei noch eine weitere Steigerung zu erreichen, hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren unter anderem das Elterngeld Plus eingeführt.

Seit dem 1. Juli 2015 gibt es zusätzlich zum sogenannten Basis-Elterngeld das Elterngeld Plus. Es soll es Familien erleichtern, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bekommen. Die Bilanz sieht nach Angaben des Bundesfamilienministeriums bisher so aus, dass sich 14 Prozent der Eltern, deren Kinder ab dem 1. Juli 2015 geboren wurden, für das Elterngeld Plus entschieden haben. In einigen Regionen seien es sogar bis zu 23 Prozent.

Neues Urteil: Sonderzahlungen erhöhen das Elterngeld nicht

Bei der Berechnung des Elterngeldes spielen Urlaubs- und Weihnachtsgeld allerdings keine Rolle. Das hat das Bundessozialgericht nun in einem neuen Urteil entschieden.

Ausschlaggebend für die Höhe des Elterngelds ist das Einkommen vor der Geburt des Kindes. Bei der Berechnung werden jährlich je einmal gezahlte Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld allerdings nicht berücksichtig. Das hat nun das Bundessozialgericht entschieden (Aktenzeichen B 10 EG 5/16 R) und damit die Klage einer Angestellten abgelehnt, deren Anwalt sich darauf berufen hatte, dass das Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu den laufenden Einkünften zählen würden und somit auch Einfluss auf die Höhe des Elterngeldes haben müsste. Doch das Bundessozialgericht hat dem Einwand widersprochen.

So können Eltern Elterngeld und Elterngeld Plus nutzen:

Wer bekommt das Basiselterngeld und wie lange?

Das Basiselterngeld ist das ursprüngliche "Elterngeld". Mütter und Väter bekommen es für maximal 14 Monate ausbezahlt, wobei sie die Monate frei untereinander aufteilen können. Nimmt etwa ein Elternteil zwölf Monate verbleiben für den anderen zwei Monate. Verzichtet ein Elternteil auf den Anspruch, verkürzt sich dieser allerdings auf zwölf Monate.

Wie hoch ist das Elterngeld?

Das Basiselterngeld wird je nach Einkommen berechnet. Es beträgt zwischen 65 und 67 Prozent des vorhergehenden Einkommens – mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro monatlich. Wer unter 1.200 Euro netto monatlich verdient, dem werden 67 Prozent des Einkommens als Elterngeld ersetzt. Wer mehr verdient, bekommt 65 Prozent.

Das Elterngeld wird anhand des Durchschnittseinkommens des vorangegangenen Jahres berechnet, bevor das Kind geboren wurde. Bei Selbstständigen zählt das vorangegangene Kalenderjahr; bei Angestellten zählen die zwölf Monate vor der Geburt.

Gibt es Zuschläge beim Elterngeld für Familien mit mehreren Kindern?

Familien mit mehreren kleinen Kindern bekommen zusätzlich zum Elterngeld den sogenannten Geschwisterbonus von 10 Prozent des sonst zustehenden Elterngeldes. Das sind mindestens 75 Euro. Bei Mehrlingsgeburten gibt es einen Zuschlag von 300 Euro für jedes weitere neugeborene Kind.

Darf man zum Elterngeld etwas hinzuverdienen?

Während des Elterngeldbezugs sind Arbeiten im Rahmen von 30 Stunden pro Woche erlaubt. Allerdings wird das Einkommen daraus voll auf das Elterngeld angerechnet bzw. es wird abgezogen.

Kann der Anspruch auf Elterngeld entfallen?

Elternpaare, die im Kalenderjahr vor der Geburt ihres Kindes gemeinsam ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 500.000 Euro hatten, bekommen kein Elterngeld. Für Alleinerziehende entfällt der Anspruch ab mehr als 250.000 Euro.

Wo beantragt man Elterngeld?

Zuständig sind die Elterngeldstellen der einzelnen Bundesländer. Das Bundesfamilienministerium stellt online eine Liste mit allen Adressen bereit. Sie kann hier aufgerufen werden.>>>

Auch Elterngeld Plus beantragt man bei den Elterngeldstellen der Länder. Eltern können es für Kinder, die nach dem 1. Juli 2015 geboren werden, beantragen. Vor allem Eltern, die in Teilzeit arbeiten möchten, sollen von dieser Variante profitieren. Denn damit lässt sich der Bezugszeitraum für das bisherige Elterngeld – das seit der Einführung von Elterngeld Plus Basiselterngeld heißt – verlängern. Das Elterngeld Plus ersetzt den Einkommensanteil, der wegen der Reduzierung der Arbeitszeit wegfällt.

Was gilt beim Elterngeld Plus?

Das Elterngeld Plus ist in seiner monatlichen Höhe jedoch begrenzt auf die Hälfte des Elterngelds (das Basiselterngeld beträgt mindestens 300 und maximal 1.800 Euro), das Eltern bei einer vollständigen Auszeit aus dem Beruf bekommen hätten. Ein Basiselterngeld-Monat entspricht demnach zwei Monaten mit Elterngeld-Plus und kann auch über den 14. Lebensmonat des Kindes hinaus beantragt werden. Diese Variante des Elterngeldes gibt es daher für den doppelten Zeitraum – also bis zu 28 Monate.

Rechenbeispiel zum "ElterngeldPlus"

Die Mutter beantragt für zwölf Monate Elterngeld. Vor der Geburt hat sie 1.400 Euro monatlich verdient. Nach der Geburt arbeitet die Mutter die ersten 6 Monate gar nicht und ihre 1.400 Euro Einkommen fallen weg. Sie erhält dann ein Elterngeld in der bisherigen Form von 65 Prozent, also 910 Euro.

Sie hat dann noch sechs Monate Elterngeld übrig. In diesen restlichen sechs Monaten des Elterngeldbezugs beginnt sie in Teilzeit zu arbeiten und verdient dabei 550 Euro. Von den ursprünglichen 1.400 Euro Vollzeit-Einkommen fallen dann in dieser Zeit 850 Euro Einkommen weg. In dieser Situation hat sie nun zwei Möglichkeiten:

  • Bezug des bereits bestehenden Teilzeit-Elterngeldes:
    Sie bezieht die sechs Monate Elterngeld in der bisherigen Form. Bei 65 Prozent von 850 Euro sind das 552,50 Euro. In der Summe erhält sie 3.315 Euro Elterngeld in 6 Monaten.
  • Bezug von Teilzeit-Elterngeld Plus:
    Sie verdoppelt mit dem Elterngeld Plus ihre 6 restlichen Elterngeldmonate und bezieht zwölf Monate Elterngeld Plus. Das Elterngeld Plus ersetzt das wegfallende Einkommen bis zur Hälfte des Elterngelds, das die Mutter ohne Teilzeit nach der Geburt des Kindes bekäme. Sie erhält in diesem Fall 455 Euro Elterngeld Plus, das ist die Hälfte des Betrages, den sie ohne Teilzeittätigkeit nach der Geburt des Kindes bekäme. In der Summe erhält die Mutter damit 5.460 Euro Elterngeld Plus in 12 Monaten.
    Das entspricht der Summe, die die Mutter bekäme, wenn sie in den restlichen 6 Monaten das bisherige Elterngeld (also ohne Teilzeit) erhielte (6 Monate lang 910 Euro).
Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Wer Elterngeld Plus bezieht, muss nicht zwingend arbeiten - darf aber maximal durchschnittlich 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sein.

Wer bekommt den Partnerschaftsbonus beim Elterngeld Plus?

Zusätzlich zu der neuen Variante des Elterngeldes gibt es den Partnerschaftsbonus, der die Aufteilung zwischen den Eltern noch flexibler machen soll: Wenn beide Elternteile 25 bis 30 Wochenstunden arbeiten, verlängert sich demnach der Elterngeldbezug um vier Monate. Damit man den Partnerschaftsbonus bekommt, muss die Arbeitszeit jedoch für vier aufeinanderfolgende Monate reduziert werden.

Elterngeld Plus: Was müssen Selbstständige beachten?

Auch Selbstständige können das Elterngeld Plus und den Partnerbonus beantragen, wenn sie in geringem Umfang erwerbstätig sind oder nachlaufende Einkünfte aus ihrer Tätigkeit vor der Geburt haben.

Für sie gelten jedoch Besonderheiten beim Bemessungszeitraum, den die Elterngeldstelle des jeweiligen Bundeslandes festlegt. In der Regel zieht die Elterngeldstelle das Einkommen des letzten Wirtschaftsjahres zur Berechnung des Elterngeldes heran. Wurde kein abweichendes Wirtschaftsjahr festgelegt, ergibt sich der Bemessungszeitraum meist aus den letzten zwölf Monaten vor der Geburt des Kindes.

Verschiebung beantragen

Können Eltern nachweisen, dass das Einkommen beispielsweise wegen einer schwangerschaftsbedingten Erkrankung in den vergangenen zwölf Monaten geringer war als üblich, können sie eine Verschiebung des Bemessungszeitraumes beantragen. Meist zieht die Elterngeldstelle dann das vorletzte Wirtschaftsjahr vor Geburt des Kindes heran.

Auch Selbstständige können  den Bezugszeitraum unterbrechen und bestimmte Lebensmonate bei der Elterngeldbeantragung aussparen.

Benötigte Nachweise

  • Einkommenssteuerbescheid beziehungsweise Einnahmen-Überschussrechnung;
  • Selbsteinschätzung für das voraussichtliche Einkommen im Bezugszeitraum;
  • Wenn nur ein Elternteil selbstständig ist und der andere sich in einer Anstellung befindet, müssen Mutter und Vater des Kindes alle Einkünfte aus selbstständiger und nichtselbstständiger Tätigkeit des vergangenen Wirtschaftsjahres nachweisen.

Und noch eine Besonderheit gibt es für Selbstständige: Sie erhalten den Elterngeldbescheid zunächst immer unter Vorbehalt auf Basis der Einkommensprognose. Nach Ende des Elterngeldbezuges müssen sie die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben offenlegen. Dementsprechend kann es sein, dass sie einen gewissen Betrag rückerstatten müssen, oder Nachzahlungen bekommen.

Flexiblere Auszeiten: Was bieten die Gesetze?

Zusätzlich zu Elterngeld und Partnerbonus gelten seit 1. Juli 2015 flexiblere Regelungen bei der Elternzeit . Bislang können Eltern bis zum dritten Lebensjahr des Kindes eine unbezahlte Auszeit vom Job nehmen. Das bleibt auch weiter bestehen. Die Möglichkeit zwischen dem 3. und dem 8. Geburtstag des Kindes eine Auszeit zu nehmen, kann nun jedoch von zwölf auf 24 Monate ausgedehnt werden.

Der Arbeitgeber muss dieser Auszeit nicht zustimmen, allerdings muss er mindestens 13 Wochen vor dem Beginn darüber informiert werden. Die Informationspflichten des Arbeitnehmers über die Elternzeit vor dem 3. Geburtstag bleiben bei nur sieben Wochen vor Beginn. Zudem können beide Elternteile ihre Elternzeit in je drei statt wie bisher zwei Abschnitte aufteilen.

Kritik aus dem Handwerk: Warum?

Genau gegen dieses höhere Maß an Flexibilität regt sich allerdings Widerstand. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sieht für kleine und mittlere Firmen große Hindernisse in der Planbarkeit der Betriebsabläufe, wenn Arbeitgeber kein Mitsprachrecht mehr bei der Terminplanung der Elternzeit haben.

" Planungssicherheit ist nicht mehr gegeben, wenn die Elternzeit zukünftig in drei Zeitabschnitten bis zum achten Lebensjahr des Kindes ohne Zustimmung des Arbeitsgebers beansprucht werden kann", beklagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke bereits als die Pläne zum neuen Elterngeld-Gesetz bekannt wurden. Um ein Mindestmaß an Planbarkeit zu gewährleisten, müsse den Betrieben zumindest in Bezug auf den Elternzeitabschnitt zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr des Kindes ein Widerspruchsrecht zustehen, wenn betriebliche Gründe gegen die Elternzeitnahme sprechen, forderte er.

Grundsätzlich begrüßt der ZDH die geplante Ausweitung des Elterngeldes und damit die früherer Rückkehr von Müttern in den Beruf – vor allem angesichts des spürbaren Fachkräftemangels. Schwannecke mahnt jedoch auch, dass das Elterngeld Plus kein Ersatz für den dringend erforderlichen weiteren Ausbau von Kindertageseinrichtungen sein dürfe. dhz

Mehr Informationen zum Elterngeld Plus gibt es beim Bundesfamilienministerium .

Dieser Beitrag wurde am 13. November 2017 aktualisiert.

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