Kolumne Eltern legen den Grundstein für die erfolgreiche Ausbildung

Vor allem Eltern tragen Verantwortung dafür, dass ihre Kinder die nötigen sozialen und persönlichen Kompetenzen für die Ausbildung erlernen. Staatliche Zuwendungen wie die Erziehungsprämie brauche es aber nicht, meint Ausbildungsberater Peter Braune.

Nahansicht Hände. Vater hilft Sohn bei Hausaufgaben.
Vater hilft Sohn bei den Hausaufgaben. - © Friends Stock - stock.adobe.com

Von einem Medienexperten habe ich gelernt, am Morgen drei Zeitungen zu lesen. Eine regionale, eine überregionale sowie eine bekannte Boulevardzeitung. Im Internetzeitalter ist das kein Problem. Es führt aber auch dazu, dass viele Meldungen und Themen genauso schnell wieder vergessen werden wie sie erschienen sind. Nehmen wir zum Beispiel das Betreuungsgeld bzw. die Erziehungsprämie, von Kritikern auch "Herdprämie" genannt.

Kritik an der Erziehungsprämie

Einige selbst ernannte Sachverständige warnten: Die Prämie würde die Kinder von der Kita fernhalten. Dort wäre die frühkindliche Förderung besonders wichtig. Es gab zu dem Thema natürlich auch eine Studie, aus Norwegen. Dort waren Kitakinder später seltener arbeitslos und verdienten mehr. Es wurde aber nicht beschrieben, dass zwischen Kita und Arbeitsleben über 20 Jahre lagen und der Arbeitsmarkt sich in dieser Zeit verändert hatte. Eine Ministerin sagte damals zu diesem Thema: Das wäre alles ein kompletter Irrsinn, sowohl aus pädagogischer als auch aus familien- und frauenpolitischer Sicht. Auch das Institut zur Zukunft der Arbeit hatte eine Studie zum Betreuungsgeld veröffentlicht. Eine bedeutende Erkenntnis daraus: Lange Erwerbspausen behindern die berufliche Entwicklung von Frauen. Es soll auch Kinder geben, die in ihrer Sprachförderung behindert werden, wenn sie zu Hause betreut werden statt in einer Kita.

Zurecht war "Herdprämie" einmal das Unwort des Jahres. Das Wort wertet Eltern, insbesondere Frauen, ab, die ihre Kinder zu Hause erziehen. Begeben wir uns auf die Suche nach dem sprachlichen Hintergrund dieser Wortschöpfung, landen wir im Kulturkampf um die Förderung weiblicher Berufsarbeit.

Ich bin generell gegen jede Form von Subvention. Aber was ist denn das für eine Diskussion? Wir sind vielleicht eine "ungewöhnliche" Familie mit drei erwachsenen Kindern und vier Enkeln. Ich bin mit fast 75 offenbar nicht mehr ganz zeitgemäß in meiner Denkweise, offenbar blieb ich geistig in den fünfziger Jahren hängen. Ich meine aber nach wie vor: Wenn ein Kinderwunsch verwirklicht wurde, dann müssen sich die Eltern selbst um den Nachwuchs kümmern und zwar ohne staatliche Belohnung.

Eltern haben Pflichten

Was fordern die Ausbildungsbetriebe von den Schulabgängerinnen und Schulabgängern, unabhängig von Lesen, Schreiben und Rechen? Sie erwarten beim Einstieg in eine Berufsausbildung persönliche Kompetenzen. Dazu zählen Zuverlässigkeit, Lern- und Leistungsbereitschaft, Ausdauer, Durchhaltevermögen, Belastbarkeit, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Selbständigkeit, Kritikfähigkeit, Kreativität und Flexibilität. Sie erwarten aber auch soziale Kompetenzen wie Kooperationsbereitschaft, Teamfähigkeit, Höflichkeit, Freundlichkeit, Konfliktfähigkeit und Toleranz.

Ich meine, dafür ist vor allem das Elternhaus zuständig. Die dort Verantwortlichen werden nicht umsonst als Erziehungsberechtigte bezeichnet. Darin kommt das Wort "Recht" vor. Wo es Rechte gibt, da gehören auch Pflichten dazu. Wobei natürlich von Fall zu Fall externe Partner helfen müssen. Auf jeden Fall aber ohne "Herdprämie".

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.