Automesse AMI in Leipzig Elektrotransporter für Handwerker

Die Elektromobilität soll einen neuen Trend setzen. Auf der Automesse AMI in Leipzig ist davon aber nicht viel zu spüren. Nur wenige Probefahrten mit Elektroautos werden angeboten. Interessant für Handwerker: Ein Transporter mit Elektroantrieb kann getestet werden.

Der EcoCrafter kann auf der AMI getestet werden. Handwerker sind eine wichtige Zielgruppe. Foto: ddp

Elektrotransporter für Handwerker

Schon das Wort "Zündschlüssel" stimmt nicht mehr. Zwar sieht der Schlüssel für den EcoCafter aus, wie ein Auto-Schlüssel gemeinhin aussieht. Aber er zündet nichts mehr. Der Wagen fährt rein elektrisch, ohne Luft-Kraftstoff-Gemisch, das im Motor explodieren muss. "Wir sagen 'Starter'" erklärt Fred Warnke. Der Manager vertritt den niedersächsischen Hersteller EcoCraft mit Sitz in Wunstorf auf der Automesse AMI in Leipzig. Der kleine orangene Lieferwagen ist das einzige Elektromobil, das Besucher auf der AMI, die sich in diesem Jahr die Elektromobilität auf die Fahnen geschrieben hat, selbst Probe fahren können.

Nur zwei Pedale

Wie ein herkömmliches Auto mit Automatikschaltung hat auch der EcoCrafter nur noch zwei Pedale, Bremse und Gas. Und wieder stimmt der Begriff nicht. In dem Motor wird nichts vergast. Der Tritt auf das Pedal ist eher vergleichbar mit dem Drehen am Trafo-Schalter der Autorennbahn. Bei leichtem Antippen des Pedals passiert erst einmal – gar nichts. Der Wagen braucht einen kräftigen Kickdown, um von der Stelle zu kommen. "Diese Einstellung kann man aber ändern", erklärt Warnke. Der EcoCrafter sei in erster Linie eine Art Lieferwagen, da sei Beschleunigung nicht das Entscheidende.

Anders ist das beim Sportwagen Tesla aus amerikanischer Produktion, der auf dem Parkplatz des Messegeländes gleich neben dem Elektrolieferwagen steht. Die Sitzposition befindet sich knapp über dem Asphalt, der Sportwagen bringt den Fahrer mit umgerechnet 250 PS auf eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Fahren können Besucher der AMI den Wagen jedoch nicht, lediglich Mitfahrten auf dem Beifahrersitz werden angeboten. Als weiterer Anbieter hatte Renault seinen Kangoo in der E-Version auf der AMI vorgestellt. Allerdings nur zum Pressetag am Freitag. Danach wurde der Prototyp, von dem es erst zwei Stück gibt, wieder abgeholt. Der Serienverkauf ist für Mitte 2011 angepeilt.

Handwerker sollen Abnehmen für EcoCrafter sein

Bleibt dem Messe-Besucher also nur der EcoCrafter – der aber eigentlich gar nicht für den Durchschnittsnutzer gebaut wird. Rund 150 Stück hat das Unternehmen bisher davon gefertigt, in Kooperation mit VW in einem Werk in Sarajevo. Als Kunden habe man hauptsächlich Handwerker und Bauhöfe der Kommunen im Blick, erklärt Warnke. "Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr bis zu 500 Stück verkaufen können." Wer einmal gefahren sei, sei begeistert.

Für PS-Junkies ist der Wagen eher nicht das Richtige. Der kleine Motor leistet umgerechnet 24 PS, bei Tempo 80 ist Schluss. Die Innenausstattung ist sparsam, wie bei Lieferwagen üblich, die Tür darf kraftvoll zugeschlagen werden. Vor allem ungewöhnlich ist aber: Der Wagen ist im Innenraum lauter als draußen. Das Summen des Antriebs ist hinterm Steuer deutlich zu hören, Passanten hingegen überhören den Wagen schnell – es gibt nichts zu hören. Zur Einweisung deutet Warnke deswegen auch nur halb zufällig auf die Hupe hin. Mit ihr können im Ernstfall in Gedanken versunkene Fußgänger auf den heransummenden Wagen aufmerksam gemacht werden.

Matthias Hasberg/ddp