Immer mehr Kastenwagen erhalten E-Antrieb Elektromobilität: Transporterneuheiten 2020

Die Elektromobilität erreicht das Handwerk. Lange waren rein elektrisch angetriebene Kastenwagen Exoten, doch jetzt kommt Bewegung in den Markt.

In Köln läuft ein Feldversuch, in dem der Ford Transit Custom PHEV mit einem Geofencing-Modul getestet wird, das bald verfügbar sein soll. - © Ford

Immer mehr Automobilbauer bieten nicht nur für ihre Pkw-Modelle batterie-elektrisch betriebene Alternativen zu den Verbrennungsmotoren an, sondern rü sten auch ihre Transporter mit Elektroantrieben aus. Im Verlauf des Jahres 2020 wird sich das Angebot noch einmal deutlich erweitern.

In kaum einer Branche ist derzeit so viel Bewegung wie in der Autoindustrie und bei deren Zulieferern. Denn die Politik zwingt die Her steller, die Abgase ihrer Fahrzeuge drastisch zu senken. Schon seit 2009 unterliegen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge in der Europäischen Union einer CO2-Regulierung. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß für die Pkw-Flotte eines Her stellers wird 2021 von 130 auf 95 g CO2/km gesenkt. Für leichte Nutzfahrzeuge werden die Grenzwerte schon ein Jahr früher gesenkt – von 175 auf 147 g CO2/km.

CO2-Flottengrenzwerte beschleunigen Elektrifizierung

Das heißt, alle ab Januar 2020 neu zugelassenen Transporter eines Her stellers dürfen im Durchschnitt nicht mehr als 147 g CO2/km ausstoßen. Das entspricht einem Kraftstoffverbrauch von rund 5,5 l/100 km Diesel bzw. 6,3 l/100 km Benzin. Obwohl die 147 g CO2/km nicht für alle Her steller gleichermaßen gelten, weil auch das durchschnittliche Gewicht der Fahrzeuge eine Rolle spielt und es für kleinere Her steller Ausnahmen gibt, so dürften die Grenzwerte ohne emissionsfreie Elektro-Modelle kaum zu schaffen sein. Die Her steller sind also gezwungen, Transporter mit Elektroantrieb zu verkaufen, um die Flottengrenzwerte für CO2 einzuhalten. Andernfalls drohen Strafzahlungen.

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    © Abt e-Line
    Abt eTransporter und e-Caddy

    Seit November wird von ausgewählten VW-Händlern der Caddy mit Elektroantrieb angeboten, jedoch ausschließlich im Leasing ab 293 Euro netto. Wie beim e-Transporter steuert VW nur das Grundfahrzeug bei. Elek­trifiziert wird der Antriebsstrang bei Abt e-Line. Dabei bleibt der Laderaum komplett erhalten. Die Reichweite liegt bei 159 km. Außerdem bietet VW mit e-Charge-Karte oder -App bargeldlosen Zugang zu einem Netz aus Ladesäulen. Die jährliche Grundgebür von 60 Euro will VW bei Neukunden für zwei Jahre übernehmen.
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    © Fiat Professional
    Fiat Ducato Electric

    Sein erstes Elektrofahrzeug will Fiat Professional zur IAA in Hannover vorstellen. Schon jetzt betont der Hersteller aber, dass an den Tugenden des Ducato auch durch den Elektroantrieb nicht gerüttelt werden soll. So werde der E-Ducato das gleiche Laderaumvolumen (10 bis 17 m3) und die gleiche Nutzlast (bis zu 1.950 kg) bieten wie die Modelle mit Verbrennungsmotor. Je nach Einsatzzweck können verschiedene Batterieoptionen gewählt werden, die Reichweiten von 220 bis 360 km erlauben. Die Höchstgeschwindigkeit wird dafür auf 100 km/h begrenzt.
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    © Ford
    Ford Transit Custom PHEV

    Lokal emissionsfrei, ohne Reichweitenangst auf Überlandfahrten. Mit dieser Begründung wurde der Plug-in-Hybrid als „Van of the Year 2020“ ausgezeichnet. Ford setzt als erster Hersteller von Transportern auf die Hybrid-Technologie, die beim Transit Custom PHEV eine Gesamtreichweite von rund 500 km möglich macht. Wann das Fahrzeug mit Lkw-Zulassung lieferbar ist, lässt sich schwer sagen. Laut Ford kann es schon bestellt werden. Ein Bestatter aus Baden-Württemberg wurde hingegen auf das zweite Halbjahr 2020 vertröstet.
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    © Iveco
    Nikola TRE

    Die Nikola Motor Company aus Arizona will zusammen mit Iveco den Schwerlastverkehr in Europa elektrifizieren. Als erstes Modell soll zur nächsten IAA in Hannover der Nikola TRE vorgestellt werden, der auf dem Iveco S-Way basiert. Die 4x2-Sattelzugmaschine kommt auf eine Reichweite von 400 km und wird als zwei- bzw. dreiachsige Version mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 18 bis 26 t erhältlich ab 2021 sein. Schon zwei Jahre später soll dann der Nikola TRE mit Brennstoffzellentechnologie verfügbar sein.
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    E-Transporter an der Ladesäule
    © MAN
    Fast jeder zweite Handwerksbetrieb nutzt schon Elektrofahrzeuge, aber von einem Durchbruch der Elektromobilität kann noch keine Rede sein.
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    © Daimler
    Mercedes-Benz e-Sprinter

    Mitte Dezember begann in Düsseldorf die Serienproduktion für den Elektro-Sprinter, den Mercedes zu- nächst als Kastenwagen mit Hochdach in zwei Batteriekonzepten anbietet. Wer mit 890 kg Zuladung auskommt, kann eine Batteriekapazität von 55 kWh wählen und damit eine Reichweite von 168 km erzielen. Alternativ bietet Mercedes den e-Sprinter mit 35 kWh und einer Nutzlast von 1.040 kg. Die Reichweite sinkt dann auf 115 km. Bis 2022 soll die gesamte Transporterproduktion bei Daimler CO2-neutral sein, Strom nur aus regenerativen Quellen fließen.
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    © Opel
    Opel Vivaro-e

    Nach Ampera-e und Corsa-e beginnt Opel im nächsten Jahr auch seine Nutzfahrzeugflotte zu elektrifizieren. Als erstes Modell soll der Vivaro-e an den Start gehen, der auf der variablen EMP2-Plattform basiert. Diese Plattform des PSA-Konzerns erlaubt den Einbau von konventionellen wie elektrischen Antrieben. Zur Auswahl stehen beim Vivaro-e zwei Batteriegrößen (50 und 75 kWh), die Reichweiten zwischen 200 und 300 km ermöglichen. Bis 2024 soll für die gesamte Opel-Flotte eine batterie-elektrische Alternative zu den Verbrennern verfügbar sein.
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    © Renault
    Renault Master Z.E. Hydrogen

    Von 120 auf 350 km steigt die Reichweite des Master Z.E. durch den Einsatz einer Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff befeuert wird. Das Tanken des Wasserstoffs dauert laut Renault zehn Minuten. Die Brennstoffzelle schaltet sich automatisch zu, sobald der Ladezustand der Batterie bei 80 Prozent ihrer Kapazität liegt. Bei kalter Witterung sorgt die Abwärme der Brennstoffzelle dafür, dass sowohl die Kabine beheizt wird als auch die Batterie, so dass kaum Reichweite verloren geht. Der Master Z.E. Hydrogen soll 2020 auf den Markt kommen.
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    © DPDHL
    Streetscooter Work und Work L

    Im Oktober hat die Post-Tochter eine neue Generation ihrer Gewerbemodelle vorgestellt. Überarbeitet wurden unter anderem der Kofferaufbau, in dem jetzt bis zu vier Europaletten Platz finden. Die Nutzlast steigt auf rund 1.000 kg. Auch schneller soll der Work werden und das nicht nur bei der Höchstgeschwindigkeit, die auf 120 km/h steigt. Dank der besseren Ladeleistung von 11 kW sind die Fahrzeuge bereits nach rund 3,5 h zu 80 Prozent geladen. Eine Klimaanlage und das automatische Notrufsystem e-Call gehören neuerdings zur Serienausstattung.
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    © Tesla
    Tesla Cybertruck

    Der Lotus Esprit aus dem James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“ soll für das Design von Teslas Elektro-Pick-up Pate gestanden haben. Grund für die eckige Form ist jedoch das Material. Denn der 30fach kaltgewalzte Edelstahl für die Außenhaut lässt sich nicht biegen, wie Tesla-Chef Elon Musk bei der Premiere seines ersten Nutzfahrzeugs erklärte. Die Reichweite soll je nach Motorvariante zwischen 400 und 800 km liegen. Produktionsstart ist für 2022 avisiert. Aber reservieren kann man den Cybertruck schon jetzt, für lediglich 100 Euro.

Dabei ist noch längst nicht klar, welche Technologie sich beim Antrieb langfristig durchsetzt. Denn gerade für Handwerksbetriebe, deren Fahrzeuge außerhalb der Ballungszentren große Strecken zurücklegen müssen, finden im Elektroantrieb noch keine alltagstaugliche Alternative zum Verbrenner. Ford setzt beim Transit Custom daher auf Hybrid, bietet den Transporter sowohl als Plug-in-Hybrid wie auch als Mild-Hybrid an. Damit konnte Ford bei der Jury für den Transporter des Jahres 2020 kräftig punkten. Der Ford Transit Custom PHEV wurde kürzlich von 25 Fachjournali sten aus ganz Europa als "Van of the Year 2020" ausgezeichnet. Platz zwei ging mit dem Mild-Hybrid ebenfalls an Ford. ste

Umrechnung CO2-Ausstoß in Kraftstoffverbrauch

Wer wissen will, wie viel CO2-Emissionen das eigene Fahrzeug ausstößt, für den hat der Zentralverband des Deutschen Kfz-Gewerbes ein Berechnungsmodell entworfen:

Ein Liter Benzin entspricht 2.320 Gramm Kohlendioxid (CO2). Ein Liter Diesel schlägt mit 2.650 Gramm CO2 zu Buche, ein Liter Autogas (LPG) mit 1.790 Gramm CO2, und für ein Kilogramm Erdgas (CNG) müssen 1.630 Gramm CO2 angesetzt werden.

So wird der Kraftstoffverbrauch in CO2-Emissionen umgerechnet

  • Benzin: Kraftstoffverbrauch pro 100 Kilometer mit 23,2 multiplizieren.
    Beispiel:
    7,5 Liter/100 km => 7,5 mal 23,2 = 174 g CO2/km
  • Diesel: Kraftstoffverbrauch pro 100 Kilometer mit 26,5 multiplizieren.
    Beispiel:
    5,5 Liter/100 km => 5,5 mal 26,5 = 145,8 g CO2/km
  • Autogas (LPG): Kraftstoffverbrauch pro 100 Kilometer mit 17,9 multiplizieren.
    Beispiel:
    9,5 Liter/100 km => 9,5 mal 17,9 = 170,1 g CO2/km
  • Erdgas (CNG): Kraftstoffverbrauch pro 100 Kilometer mit 16,3 multiplizieren.
    Beispiel:
    5,3 Kilogramm/100 km => 5,3 mal 16,3 = 86,4 g CO2/km

So werden CO2-Emissionen in Kraftstoffverbrauch umgerechnet

  • Benzin: CO2-Emission pro Kilometer mit 23,2 dividieren.
    Beispiel:
    170 g CO2/km => 170 durch 23,2 = 7,3 l/100 km
  • Diesel: CO2-Emission pro Kilometer mit 26,5 dividieren.
    Beispiel:
    120 g CO2/km => 120 durch 26,5 = 4,5 l/100 km
  • Autogas (LPG): CO2-Emission pro Kilometer mit 17,9 dividieren.
    Beispiel:
    110 g CO2/km => 110 durch 17,9 = 6,1 l/100 km
  • Erdgas (CNG): CO2-Emission pro Kilometer mit 16,3 dividieren.
    Beispiel:
    110 g CO2/km => 110 durch 16,3 = 6,7 kg/100 km
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