Weil es in vielen Berufsgruppen Engpässe gibt, ist Einwanderung ein Hoffnungsträger der Regierung.
Karin Birk

Noch läuft die Wirtschaft rund. "Die Arbeitslosigkeit sinkt und die Erwerbstätigkeit ist auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung", sagte Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zur Vorlage des "Fortschrittsberichts Fachkräftekonzept" für 2014. Gleichwohl gibt es weiter Arbeitskräfte-Engpässe. Insgesamt ist die Zahl auf 19 Berufsgruppen leicht geschrumpft. Nach wie vor fehlen Arbeitskräfte in der Gesundheitspflege, im Metallbau, der Energietechnik, im Bereich Heizung, Sanitär, Klima und anderen Gewerken.
Integration im Handwerk
Für Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, muss Fachkräftesicherung noch stärker in den Fokus rücken. "Es gilt, weitere Potenziale zu heben, um die Stärke vor allem unserer mittelständischen Wirtschaft zu halten." Dazu gehöre auch, Fachkräfte aus dem Ausland so zu unterstützen, dass sie in Deutschland Fuß fassten. Wollseifer: "Hier brauchen wir eine Willkommenskultur, die im Handwerk mit seiner ausgeprägten Integrationsfähigkeit schon lange gelebt wird."
Nahles weist darauf hin, dass Einwanderer zur hohen Erwerbstätigkeit in Deutschland beigetragen haben. Unterm Strich sind 2013 rund 429.000 qualifizierte Fachkräfte eingewandert, so viele wie seit 1993 nicht mehr. Bleibe es bei einer Nettozuwanderung von 300.000 Personen im Jahr, so Nahles, könne der altersbedingte Rückgang der Erwerbsbevölkerung bis 2030 deutlich abgemildert werden.
Trotz Zuwanderung wird der Schwund laut dem Fortschrittsbericht schon 2020 beginnen. Es werde daher wichtig, Frauen, Ältere und Migranten in den Blick zu nehmen. Zwar sei die Erwerbstätigkeit der Frauen im Alter auf 72,5 Prozent gestiegen. Potenzial stecke aber noch in der Ausweitung von Arbeitszeiten. Reserven sieht Nahles auch unter Migranten. Sie seien wegen niedriger, nicht vorhandener oder nicht anerkannter Bildungs- und Berufsabschlüsse seltener erwerbstätig.
"Rente mit 63" kontraproduktiv
Kritisch äußerte sich Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer: "Zur Fachkräftesicherung in Deutschland trägt die Bundesarbeitsministerin herzlich wenig bei." Mit der "Rente mit 63" sorge sie dafür, dass dringend benötigte Fachkräfte aus dem Erwerbsleben gingen.
Den Fortschrittsbericht des Bundesarbeitsministeriums können Sie hier nachlesen.>>>