Die Nachwuchssuche gestaltet sich schwierig. Ein möglicher Ausweg: Auch schwächeren oder benachteiligten Jugendlichen ein Angebot machen. Eine Einstiegsqualifizierung kann dabei helfen. Wie diese abläuft, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner Ausbildungsserie.

Der Einstieg in eine Ausbildung wird durch viele Förderprogramme und berufsvorbereitende Maßnahmen unterstützt. Dazu zählt auch die sogenannte Einstiegsqualifizierung. Das Ziel von diesem Angebot ist, noch nicht ausbildungsreife Jugendliche oder junge Erwachsene, an die Aufnahme einer Lehre im Betrieb heranzuführen.
Die Maßnahmen dienen zur Vermittlung von Grundlagen, für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit. Sie werden sozialpädagogisch begleitet. Mit einer Einstiegsqualifizierung bekommen die jungen Leute eine Chance, den Lehrberuf, die betrieblichen Abläufe und die Regeln für das Berufsleben allgemein kennenzulernen. Außerdem können sie ihr Geschick unter Beweis stellen.
Einstiegsqualifizierung: Praktikum im Betrieb
Für die Einstiegsqualifizierung absolvieren sie ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum in einem Betrieb. Die Meisterin oder der Meister lernen in dieser Zeit die Betroffenen näher kennen. Das ist besser als jeder Einstellungstest. Wenn die Zeit vorbei ist, können sie nahtlos in ein Lehrverhältnis einmünden.
Die Probezeit der Qualifizierungsmaßnahme beträgt zwei Monate. Die tägliche Qualifizierungszeit beträgt sieben Stunden für Jugendliche, die unter 18 Jahre alt sind, für Jugendliche über 18 beträgt sie acht Stunden. Es handelt sich um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Auf vorherigen Antrag bei der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter wird die Vergütung, bis zu einem Höchstbetrag und die Sozialversicherung, mit einer Pauschale, erstattet.
Einstiegsqualifizierung: Aufgaben müssen klar beschrieben sein
Dem Vertrag zur Einstiegsqualifizierung wird eine sachliche Gliederung beigefügt. Das ist ein sogenannter Qualifizierungsbaustein, der das beschreibt, was ein Teilnehmer nach der Einstiegsqualifizierung über einen Beruf und seine Aufgaben gelernt haben sollte. Diese erstellen die Ausbilder passend zum Qualifizierungsprofil und späteren Lehrberuf. Dabei helfen die Fachleute der Ausbildungsberatung örtlich zuständiger Kammern. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hat bereits mehrere derartige Bausteine vorformuliert und stellte sie zur Verfügung.
Ein Beispiel aus den Holzberufen: Die Tätigkeiten beim Bearbeiten von Holz
- Vorbereiten von Arbeitsabläufen, Auswerten von Informationen
- Anfertigen und Anwenden von technischen Unterlagen, Durchführungen von Messungen
- Holz- und Holzwerkstoffe auswählen
- Be- und Verarbeiten von Holz- und Holzwerkstoffen
- Transportieren, Lagern und Pflegen von Holz, Rohmaterialien und Erzeugnissen
- Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, Umweltschutz
Ein Beispiel aus den Kraftfahrzeugberufen: Die Tätigkeiten im Kraftfahrzeugservice
- Prüfen, Einstellen und Warten von Fahrzeugen
- Montieren und Demontieren und von Bauteilen
- Betriebliche und technische Kommunikation
- Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
- Umweltschutz
Einstiegsqualifizierung: Abschluss und Zeugnis
Die möglichen Kandidatinnen und Kandidaten für eine Einstiegsqualifizierung werden den Betrieben meist durch die Jobcenter oder die Agentur für Arbeit vermittelt. Die unterstützen auch beim Erstellen des Vertrags und der passenden Formulierungen für eine Förderung. Bestätigt werden muss diese noch von der zuständigen Handwerkskammer.
Nach dem Ende der Einstiegsqualifizierung erstellen die Ausbilder in den Betrieben dann eine Leistungsbeurteilung für den Absolventen. Diese entscheidet dann auch mit über eine anschließende Ausbildung in diesem Betrieb und dem betreffenden Beruf. Eine Kopie bekommt die zuständige Sachbearbeitung der Kammer. Dort wird ein Zertifikat über die Teilnahmen an der Einstiegsqualifizierung ausgestellt.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
>>> Informationen zur Einstiegsqualifizierung gibt es auch unter arbeitsagentur.de und zdh.de.
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.