Einsparpotenziale nutzen – Finanzierung sichern

Durch geschickte Kostenkontrolle bleibt mehr Kapital im Unternehmen

Hartmut Fischer

Bei der Aufstockung des Fuhrparks lohnt es sich als Alternative zum Kauf über Leasing nachzudenken.Foto: obs/Ford Werke AG

Einsparpotenziale nutzen – Finanzierung sichern

Kleinen und mittleren Unternehmen macht die eigene Liquidität immer mehr zu schaffen. Kredite zu erhalten und zu finanzieren, wird immer schwerer. Da hilft es nur, die Kosten zu senken. Was auf den ersten Blick schwierig aussieht, ist gar nicht so problematisch.

Alle bestehenden Lieferverträge sollten mindestens einmal im Jahr neu angefragt werden. Bei günstigeren Angeboten verhandelt man mit dem derzeitigen Lieferanten neu. Gibt er nicht nach, wechselt man den Anbieter. Bei der Prüfung spielt das Zahlungsziel eine wichtige Rolle. Neben dem Skonto ist die Zeitspanne wichtig, die zwischen der Zahlung und dem Verbrauch der Ware liegt. Je kürzer dieser Zeitraum, umso weniger Kapital wird gebunden. Es lohnt sich, längere Zahlungsziele auszuhandeln, um diesen Bereich zu verkürzen. Auch Mengenrabatte müssen geprüft werden: Sie machen keinen Sinn, wenn Mengen abgenommen werden, deren Lagerkosten den Rabatt auffressen. Hier muss aber auch die Entwicklung der Preise – insbesondere bei Rohstoffen – im Auge behalten werden. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Gründung oder der Anschluss an Einkaufsgenossenschaften sinnvoll ist (günstigere Rahmenverträge).

Leasing schont die Liquidität

Bei größeren Anschaffungen bietet sich Leasing als Alternative zum Kauf an. Es bringt einige Vorteile: Eine bessere Eigenkapitalquote (Leasinginvestitionen tauchen nicht in der Bilanz auf). Die Gesamtkapitalrendite und der Verschuldungsgrad des Unternehmens wirken positiver. Die Gewinn- und Verlustsituation lässt sich besser steuern. Aufwendungen und Erträge werden nach Unternehmensabläufen gestaltet, da sich Leasinglaufzeit und -raten an der Einsatzdauer des Investitionsgutes orientieren. Die Liquidität wird geschont, da man das Eigenkapital nicht angreifen muss, wenn der Kreditrahmen ausgeschöpft bzw. eine Bankfinanzierung ausgeschlossen ist. Die Kreditlinie der Bank wird entlastet, das Basel-II-Rating wird verbessert. Aufgrund der festvereinbarten Ratenhöhe und -Anzahl entfallen Zins- oder Prolongationsrisiken. Über Leasing werden ausschließlich Güter des Anlagevermögens finanziert.

Schicken Sie Rechnungen pünktlich raus

Bei den Forderungen gehen viele Rechnungen zu spät zum Kunden. Jeder Tag, den die Rechnung später versandt wird, stellt aber eine ungewollte Verlängerung des Zahlungsziels für den Kunden dar. Das wirkt sich negativ auf die Liquidität aus. Gleiches gilt für das Mahnverfahren. Wenn die erste Mahnung erst nach acht Wochen beim Kunden ankommt, ist die schlechte Zahlungsmoral kein Wunder.

Oft fehlen die wichtigsten Grundlagen für ein optimiertes Forderungsmanagement:

- Juristisch korrekte Kundenadressen.

- Zusammenarbeit mit dem aktuellen gesetzlichen Vertreter Bonitätsprüfung vor dem ersten Geschäft (danach in Abständen).

- Branchenunübliche Zahlungsziele.

- Sicherheiten bei größeren Beträgen.

- Regelmäßige Prüfung ausstehender Forderungen und der eigenen Kreditlinie bei der Hausbank.

- Gerade Unternehmen, die viele Kleinrechnungen versenden, sollten die Übergabe an ein Inkassobüro prüfen. Die eigenen Kosten halten sich in Grenzen und das Unternehmen wird entlastet. Es empfiehlt sich, nur mit seriösen Inkassounternehmen zusammenzuarbeiten.

Factoring stärkt Ratingwert

Eine weitere Möglichkeit, die Finanzierung zu sichern, ist das so genannte Factoring. Dabei tritt man Forderungen an einen Factor ab, der schon vor Zahlungseingang den Großteil der Forderungen bezahlt. Factoring ist für Unternehmen ab einer Million Euro Umsatz interessant. Der Factor prüft vor Vertragsabschluss und dann permanent die Zahlungsfähigkeit der Kunden.

Beim offenen Factoring zahlt der Kunde direkt an den Factor. Beim stillen Factoring laufen die Zahlungen weiter über das Unternehmen (hier stellt der Factor jedoch höhere Anforderungen). Nach Vertragsabschluss erhält der Factor die Rechnungsdaten und überweist sofort bis zu 90 Prozent der Rechnungssumme an das Unternehmen. Der Rest wird – gekürzt um Skonti, Boni oder andere Abzüge – nach Zahlungseingang oder bei Zahlungsunfähigkeit nach einem vereinbarten Zeitraum gezahlt. Für seine Leistungen verlangt der Factor eine Gebühr, die von verschiedenen Faktoren abhängig ist.

Dieser Gebühr müssen die Liquiditätsvorteile einer schnellen Kapitalverfügbarkeit gegenübergestellt werden. Factoring reduziert die eigene Kredit-
linie und entlastet die Buchhaltung. Gleichzeitig werden die Basel-II-Ratingwerte verbessert, was die Verhand-
lungsposition gegenüber der Hausbank positiv beeinflusst.