Umstellung ab März 2021 Einige Handwerker-Seiten bald nicht mehr bei Google zu finden

Fast jede zweite Handwerker-Webseite könnte ab März 2021 aus den Google-Suchergebnissen fliegen. Grund ist die „Mobile only“-Strategie des Suchmaschinen-Riesen. Wie Betriebe prüfen können, ob sie betroffen sind – und wie groß der Aufwand ist, eine veraltete Seite mobilfreundlich zu gestalten.

Max Frehner

Google stellt auf Mobile-only-Indexierung um: Ab März 2021 sollen nur noch Inhalte in den Suchergebnissen angezeigt werden, die für eine Darstellung auf Smartphone und Tablet optimiert sind. – © Sundry Photography – stock.adobe.com

Schon seit Jahren verlieren Webseiten, die nur auf Desktop-Inhalte setzen, im Google-Ranking an Bedeutung. Der Grund: Google berücksichtigt, dass Nutzer inzwischen überwiegend mit dem Smartphone im Netz surfen. Jetzt will das US-Unternehmen endgültig einen Schlussstrich ziehen und Webseiten mit ausschließlich Desktop-Inhalten ab März 2021 aus den Suchergebnissen werfen. Konkret: Ist eine Webseite nicht für mobile Endgeräte optimiert, wird sie ab diesem Zeitpunkt nicht mehr oder nur noch schlecht in den Google-Sucherergebnissen zu finden sein. Das gilt auch für enthaltene Bilder, Videos und andere Inhalte.

Wer von der Google-Umstellung im März 2021 betroffen ist

Ob eine Seite von der Google-Änderung betroffen ist, lässt sich recht einfach prüfen, indem sie über das Smartphone oder Tablet aufgerufen wird. Muss in die Seite hineingezoomt werden, damit die Texte gut gelesen werden können, ist die Seite nicht responsive – das heißt, das Design passt sich der Bildschirmgröße des Nutzers nicht automatisch an. Google bietet darüber hinaus einen kostenlosen Online-Test an, über den Seitenbetreiber ihren Web-Auftritt auf Mobilfreundlichkeit checken können.

Im Handwerk dürfte vielerorts Handlungsbedarf bestehen

Im Handwerk haben inzwischen 97 Prozent aller Betriebe eine eigene Webseite, so das Ergebnis einer Studie, die der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gemeinsam mit dem Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat. Davon dürften rund 45 Prozent nicht mobil optimiert sein, schätzt Christoph Krause, Leiter des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk (KDH) in Koblenz.

Auch Matthias Ott von Bergauf Media in Krumbach (Schwaben) glaubt, dass im Handwerk einige Seiten von der Umstellung auf „Mobile only“ betroffen sein werden.Seine Werbeagentur ist spezialisiert auf die Webseiten-Erstellung für kleine und mittelständische Betriebe.„90 Prozent der Kunden, die uns kontaktieren, haben eine technisch und gestalterisch veraltete Webseite, die nebenbei auch nicht datenschutzkonform ist“, sagt Ott. Diese seien in der Regel manuell programmiert und könnten ohne Experten-Hilfe kaum mal eben responsive gestaltet werden. Allerdings würden diese Seiten aufgrund des meist fehlenden SSL-Zertifikats ohnehin keine bedeutsamen Rankings besitzen, ergänzt Kollege Patrick Hertnagel.

„Ich würde hier immer Profis den Vorzug bei der Umsetzung geben“

Betriebe, deren Webseite auf einem CMS basiert, hätten da schon mehr Spielraum. „Im Prinzip könnten die Inhalte auf ein mobil optimiertes Template umgezogen werden“, meint Hertnagel. Der Arbeitsaufwand für Laien sei jedoch groß. „Wir sprechen da von mehreren Wochen, die eine ungelernte Kraft für eine vernünftige Seite aufwänden müsste“, ergänzt Ott. Wer eine Google optimierte Webseite anstrebt, sollte dies seiner Ansicht lieber einem geübten Entwickler überlassen. „Ohne entsprechendes Know-how stößt man hier schnell an seine Grenzen – und es gibt eben doch ein paar Kniffe, die zu beachten sind“, so Ott.

Das sieht auch Krause vom KDH so. „Ich würde hier immer Profis den Vorzug bei der Umsetzung geben“, sagt er. „In zwei Monaten sollte man eine gute Seite mit einer sauberen Kommunikationsstrategie und der Anbindung relevanter Kanäle durchaus auf die Beine stellen können.“ Der Kostenaufwand für eine Seite aus Agentur-Hand liegt laut Bergauf Media bei 2.500 Euro aufwärts. Für ein komplexes Shopsystem müssten Betriebe hingegen schnell 15.000 Euro und mehr einplanen, so Digital-Stratege Krause.

Nicht jeder Betrieb benötigt eine suchmaschinenoptimierte Seite

Aus den Kundengesprächen weiß das Team von Bergauf Media, dass eine suchmaschinenoptimierte Seite nicht für jeden Handwerksbetrieb oberste Priorität besitzt. Entscheidend sei die Frage, auf welchem Weg der Betrieb seine Kunden generiert. In der Baubranche geschehe dies – speziell in der ländlichen Region – sehr häufig über Mund-zu-Mund-Propaganda. Ein Raumausstatter sei jedoch eher auf die Anfragen über die Webseite angewiesen. Relevant würden die Qualität der Seite und ein Ranking bei Google über alle Gewerke hinweg jedoch bei der Personalsuche. „Vor allem die jüngere Zielgruppe legt großen Wert auf eine zeitgemäße Unternehmenspräsentation“, weiß Hertnagel.

Wer sich ohnehin für einen modernisierten Web-Auftritt entscheidet, dem rät KDH-Experte Krause jedoch direkt alle Bereiche mitzudenken. „Das Handwerk muss sich auf den Weg machen echte digitale Mehrwerte auf ihren Seiten anzubieten.“ Dies könnten Angebotskonfiguratoren, Chats, Produktkonfiguratoren, Termintools oder direkt Shopsysteme sein. Die Kunden von heute seien Interaktion und schnelle Lösungen gewöhnt. „Die Webseite fungiert als Knotenpunkt für digitale Kommunikation – von hier aus muss man schnell in die Social Media Kanäle oder Partnerangebote kommen können“, so Krause. Wichtig dabei: die Authentizität des Handwerkers und der Markenkern sollten im Fokus stehen – zudem müsste auch die Vernetzung zu Plattformen berücksichtigt werden.

Lokale Suchtreffer dürften weiterhin bestehen bleiben

Unabhängig von Gestaltung und Umfang der Seite sind sich die Experten einig: Es ist wenig ratsam, bei Google kaum noch existent zu sein –zumal bei weitem nicht jeder Besucher die URL direkt eingibt. Wer seine Webseite jetzt also nicht anpasst, riskiert im Netz nur noch stark eingeschränkt gefunden zu werden. Immerhin: die lokalen Google-Suchtreffer dürften unberührt von der Google-Anpassung bestehen bleiben, so Hertnagel von Bergauf Media. „Zumindest dann, wenn der Betrieb einen Eintrag bei Google My Business hat und in Online-Verzeichnissen wie den Gelben Seiten gelistet ist.“  

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    Für uns ist die Digitalisierung eine der Hauptsäulen unseres Geschäftsmodells. Multiple Aufträge in hoher Anzahl sind nur mit der Digitalisierung wirtschaftlich auszuführen. Da wir auf der Suche nach Systemen so oft an Grenzen kamen, haben wir selbst das Unternehmen Flixworker gegründet um kostengünstig eine flexible, cloudbasierte Plattform bereitzustellen, die zwischen einem und 100 Mitarbeitern extreme Zeitersparnis im Ablauf aller Aufträge schafft.

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    Michael Müller, Geschäftsführer Erich Müller GmbH in Freudenstadt

    Das Thema Digitalisierung im Handwerksbetrieb wird immer wichtiger und lässt sich aus meiner Sicht nicht mehr ausblenden. Wer jetzt nicht auf den Zug Digitalisierung aufspringt, hat in fünf bis zehn Jahren verloren. Dabei geht es nicht darum alles auf einmal umzusetzen, sondern dies Schritt für Schritt zu tun. Man muss seine Mitarbeiter abholen und in den Prozess einbinden.