Goldschmiedin Julia Förster-Oetter stellt in ihrem Atelier in Bayreuth Glasperlen her, in denen sie Silber und Gold verschmilzt. Ihr Handwerk reicht von klassischer Goldschmiedekunst bis zum 3D-Druck. Damit bedient sie auch die Wagner-Festspiele.

Blau zischt die Flamme aus dem Brenner. Doch dort, wo Julia Förster-Oetter den durchsichtigen Glasstab hineinhält, färbt sie sich gelb. Vor der gleißenden Helligkeit des über 1.000 Grad heißen Feuers schützt die Goldschmiedin ihre Augen mit einer Schutzbrille. Ruhig dreht sie mit der linken Hand einen dünnen Metallstab, um den sie Schicht für Schicht das in der heißen Flamme zähflüssig gewordene Glas wickelt. "Ich nutze die Schwerkraft aus, so wird das Glas durch das Drehen automatisch rund", erklärt die 45-Jährige, während schon eine Perle zu erkennen ist.
Tausende solcher Glasperlen hat Julia Förster-Oetter gefertigt. Denn neben Gold, Silber, Platin und Stahl ist Glas das Material, auf das sich die Goldschmiedin aus Bayreuth spezialisiert hat. Zwei Designpreise und im vergangenen Jahr den Zukunftspreis der Handwerkskammer für Oberfranken hat sie gewonnen. Letzteren, weil sie ihren Schmuck auch mit Gussmodellen aus dem 3D-Drucker fertigt. Mit dieser Technik erfüllte die gebürtige Bayreutherin auch ihren bisher emotionalsten Auftrag: Eine Kette für die Bayreuther Festspiele.
Durch Zufall darüber gestolpert
Über Glas sei sie vor zwölf Jahren "durch Zufall gestolpert. Eigentlich wollte ich nur eine Glaskette kaufen", sagt Julia Förster-Oetter. Als sie recherchierte, wo sie eine solche Kette kaufen könnte, las sie viel über die Herstellung von Glasketten. Wie man Glasschmuck herstellt, lernen manche Goldschmiede sogar in ihrer Ausbildung. Für Julia Förster-Oetter war es Neuland, doch sie war sofort fasziniert. Nach einem Drei-Tage-Workshop, in dem sie die Grundlagen lernte, "ging es ans Ausprobieren und Üben", erzählt sie. "Es ist eine Fingerfertigkeit und die muss man sich erarbeiten."
In ihren Kreationen kombiniert sie die Metalle, schmilzt Gold und Silber ins Glas hinein. "Mein Ziel ist es, Glas mit Goldschmieden zu verbinden." Form, Farbe und Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt, solange das Glas warm ist.
Handgeschlagenes Blattgold
An ihrem Arbeitstisch rollt sie nun die Glaskugel über ein Stückchen handgeschlagenes Blattgold, vorsichtig, damit die heiße Kugel das hauchdünne Edelmetall nicht verbrennt. Anschließend versiegelt Julia Förster-Oetter die runde Perle erneut mit einer Schicht Klarglas. Die Glasperle wird nun über Nacht im Ofen stufenweise heruntergekühlt. Das härtet die Oberfläche aus, so dass die Glasperle nicht zerspringt. Wie zum Beweis wirft die Goldschmiedin eine Perle auf den Boden und fängt sie auf, als die Kugel wie ein Tischtennisball wieder in die Höhe springt. "Bitte nicht nachmachen", sagt Julia Förster-Oetter lächelnd nach ihrer Beweisführung.

Neues Leben für alten Schmuck
Es wäre zu schade um die filigranen Kugeln, die sie zu Halsketten, Armbändern, Ringen und Ohrringen verarbeitet. Gleich neben der Werkstatt in ihrem Showroom präsentiert sie ihren Schmuck. Jetzt in der Adventszeit ist er weihnachtlich geschmückt.
Auf Wunsch ihrer Kunden gestaltet sie auch alte Schmuckstücke mit Glaselementen um und haucht Korallen-, Lava- oder Perlenketten ein modernes, neues Leben ein. Im Showroom zeigen unzählige bunte Glasperlen in einem Setzkasten den Kunden das Spektrum an Farben und Formen auf.
"Mir war immer klar, dass ich etwas mit den Händen machen wollte", erinnert sie sich an ihre beruflichen Anfänge. Goldschmiedin war ein Traum, Ausbildungsstellen waren damals aber rar. Immerhin ergatterte sie ein Praktikum im 50 Kilometer entfernten Hof. Der dortige Goldschmied erkannte ihre Liebe für diesen Beruf und bot ihr eine Lehrstelle an. "Diese Chance habe ich natürlich genutzt."
Dreieinhalb Jahre pendelte sie zwischen Bayreuth, Hof und der Berufsschule in Würzburg. Kurz nach ihrer Gesellenprüfung fand Julia Förster-Oetter eine Stelle in Bayreuth, wo sie sechs Jahre nicht nur mit Goldschmieden, sondern auch mit Uhrmachern zusammenarbeiten konnte. "Das waren spannende Einblicke für mich."
Neue Chancen durch 3D-Druck
Als sie auf das Material Glas stieß, war ihr klar, dass Glas in Kombination mit Gold und Silber ideal ist, um individuellen Schmuck zu fertigen. Die junge Mutter – ihre beiden Söhne waren noch klein – beschloss, "damit möchte ich mich selbstständig machen". Nun ging alles sehr schnell. Sie lernte das Glasdrehen und "da war sofort eine Leidenschaft, so eine Begeisterung da". Im Juli 2011 eröffnete sie ihr eigenes Atelier im Bayreuther Stadtteil St. Georgen, wo sie alleine arbeitet. Bis heute entwickelt sich die Handwerkerin mit vielen Fortbildungen weiter. "Ich habe mich breit aufgestellt. Das kommt mir in diesen Zeiten mit den teuren Rohstoffpreisen entgegen", sagt sie.
Vor fünf Jahren begann Julia Förster-Oetter, sich für 3D-Druck zu interessieren, setzte sich mit Technik und Zeichenprogrammen auseinander, denn sie erkannte die Möglichkeiten für das Goldschmiedehandwerk. Heute fertigt der 3D-Drucker für sie Gussmodelle. "Das ist praktischer und effektiver, spart Zeit und Material."
So nutzt sie Gussmodelle aus Silikon, die sie mehrmals verwenden kann. Für den "Bayreuth"-Ring ihrer eigenen Wagner-Kollektion hat sie für jede Ringgröße eine Silikonform. "Das schlägt sich ja auch auf den Preis nieder, wenn ich nicht jeden Ring individuell herstellen muss", erklärt die Goldschmiedin.
Auf der Bühne der Festspiele
Diese Technik kam auch bei einem Auftrag für die Bayreuther Festspielen zum Einsatz. Julia Förster-Oetter fertigte für die diesjährige Inszenierung die "Wotan-Kette". "Darüber habe ich mich sehr gefreut. Denn die Ansprüche der Festspiele sind hoch", sagt die gebürtige Bayreutherin. "Wahnsinnig viele Arbeitsstunden" steckten in diesem Anhänger. Er sei so aufwendig gewesen, weil sowohl Vorder- als auch Rückseite ausgearbeitet sein mussten. Unzählige Gussmodelle habe sie mit dem 3D-Drucker hergestellt.
Weil der Anhänger aber zu groß für die Sandgusstechnik ihrer eigenen Werkstatt war, gab sie die Gussform aus Kunststoff in eine Gießerei. An den Abguss in Silber legte die Goldschmiedin danach selbst wieder Hand an, fräste nach, um die Gussspuren zu beseitigen und versäuberte. Zum Abschluss überzog ein Vergolder aus Pforzheim das Stück galvanisch mit Feingold. Alltag für Julia Förster-Oetter, die immer mal wieder mit anderen Handwerkern zusammenarbeitet, von denen viele in der "Goldstadt" Pforzheim ansässig sind.
Als "ihre" Wotan-Kette bei den Bayreuther Festspielen Premiere hatte, saß Julia Förster-Oetter im Publikum. "Da war ich schon stolz, natürlich auch, weil ich Wagner-Fan bin." Und so schließt sich der Kreis und für Julia Förster-Oetter auch der Nibelungen-Ring: Als neunjährige Statistin stand sie einst selbst als Nibelung auf der Bühne und schmiedete Rheingold.