Meisterstücke -

Kfz-Werkstatt tunt exklusiv für VW Ein Werkstatt-Tuning in G-Form

Die Kfz-Werkstatt Röttele Racing aus dem Schwarzwald tunt exklusiv für VW Rallye-Fahrzeuge mit dem G-Lader. Das Produkt von Tim Röttele ist inzwischen weltweit gefragt.

Die Erfolgsgeschichte von Tim Röttele und seinem Team begann mit einem schwarzen VW Polo G40, der 1999 auf den Hof der kleinen Kfz-Werkstatt aus dem Schwarzwald fuhr. Das Auto sollte im Berg-Rennsport eingesetzt werden, doch niemand kannte sich mit dem Umbau aus. Da begann Kfz-Technikermeister Röttele zu tüfteln.

Bereits seit seiner Jugend interessierte er sich für Fahrzeuge aller Art. Der heute 37-Jährige kaufte kurzerhand eine Karosse, schweißte Fahrwerkteile zusammen und verbaute einen neuen Motor. Über viele Jahre entwickelte er danach mit seinem Angestellten Michael Rembrinck den inzwischen weltweit einzigen G-Lader – ein Bauteil zur Steigerung der Leistung eines VW-Motors. Damit hatte Röttele eine Ge­schäfts­idee im Bereich des Motorentunings, die die Autowelt durcheinanderwirbelte. "Ich habe mit dem Erfolg nicht gerechnet", sagt Röttele heute. "Vielleicht ist das das Geheimnis."

Spezialgebiet Motorentuning

Von 2008 an spezialisierte sich der Betrieb immer mehr auf das Motorentuning. Als sein Hof irgendwann voller Autos stand, wusste der Kfz-Meister, dass sein G-Lader eine Marktlücke ist. 2010 zog der Betrieb dann aus dem beschaulichen Reichenbach in das etwas größere Seelbach im Schwarzwald, weil die Werkstatt zu klein wurde.

Da das Tuning so erfolgreich war, baute Röttele auch einen Online-Shop für Ersatz- und Tuningteile auf. Inzwischen könnte der Betrieb allein vom Verkauf im Internet leben, denn der G-Lader macht die Hälfte des Firmenumsatzes aus. Seine Produkte verbreiten sich vor allem durch Weiterempfehlungen. „Dadurch werden Firmen hellhörig und umgekehrt auch Kunden“, erklärt Röttele den Erfolg seines Betriebs.

2012 kam ein Anruf, der den Betrieb noch einmal völlig veränderte. Ein zunächst unbekannter Interessent ließ sich die Geschäftsidee des Drei-Mann-Betriebes genau erklären. 14 Tage später hatte Volkswagen zwei G-Lader-Motoren für seine Rallye-Golf-Fahrzeuge bestellt: Der Anrufer entpuppte sich als Ingenieur des Wolfsburger Autoherstellers. Damit war eine exklusive Vertragspartnerschaft geboren, über die Röttele Racing jedoch ein Jahr lang nicht reden durfte. Nach der Rallye 2013 in San Marino stellte sich das Unternehmen dann als offizieller Volkswagenpartner vor. Neben der Lieferung der G-Lader-Motoren kümmerte sich der kleine badische Betrieb von da an auch um die Motorenabstimmung dieser Fahrzeuge.

An der Produktion der G-Lader sind mehrere Firmen beteiligt. Eine Metallbearbeitungsfirma fertigt die Prototypen nach Vorlage des Betriebes, das Muster wird von Röttele Racing verbaut und getestet. Anschließend kümmern sich zwei weitere Unternehmen um die Großproduktion. Die letzte Feinarbeit macht jedoch der Kfz-Meister selbst.

Viele bügeln ein Trauma aus

Es gibt viele Auto-Begeisterte, die die G-Lader-Technik noch immer zu schätzen wissen. Röttele: "Unsere Kundschaft reicht vom Arzt bis zum Bauern." Einige Kunden, die bei ihm bestellen, bügeln ein Trauma aus, wie er sagt. "Da hängt das Herzblut drin. Die meisten sind um die 40, hatten früher ein Auto mit Kompressor und konnten es sich nicht mehr leisten. Viele bekommen glasige Augen, wenn sie das Resultat sehen. Ich hatte schon einen, der in Tränen ausgebrochen ist."

Doch Röttele macht sich auch Gedanken über die Konsequenzen seiner getunten Gefährte. Vor allem dann, wenn junge Fahrer zu ihm kommen. "Da habe ich ab und zu ein schlechtes Bauchgefühl", sagt er. VW Polos kann er bis auf 250 PS tunen, den VW Golf sogar bis 420 PS. "Man kann es manchmal nicht abschätzen, ob jemand das Auto fahren kann oder nicht. Eine Lösung sind Fahrlizenzen. Die besitzen leider aber nur ein Prozent der Leute", gibt der Geschäftsinhaber zu bedenken. Auf dem Hockenheimring kann man eine solche Lizenz erwerben. Zur Sicherheit macht er nach jeder Übergabe eine Probefahrt zusammen mit dem Kunden und überprüft, ob dieser mit dem getunten Auto zurechtkommt.

Mehr als zehn Partner

Die Produkte von Tim Röttele und seinem Team sind weltweit gefragt. Bei einer Privatbestellung gibt es bis zu vier Wochen Wartezeit. 2013 wurden 140 G-Lader verkauft und schon jetzt deutet sich an, dass es immer mehr werden. Der Betrieb arbeitet mittlerweile mit mehr als zehn Partnerwerkstätten zusammen, unter anderem in Kanada, Frankreich, Japan und den USA.

Noch immer ist die Firma kaum angewachsen, sie besteht aus nur drei Personen und einer Bürokraft. Der dritte Mann, Dietmar Dick, kümmert sich um das Tagesgeschäft und die Mechanik in der Werkstatt. Tim Röttele und Michael Rembrinck sind für die G-Lader und die Rennsport-Betreuung zuständig. Das Unternehmen betreut insgesamt 15 Rennsportteams und gibt ihnen Hilfestellungen am Telefon. Der Schweizer Rennsportprofi Bruno Ianniello wird sogar mit vier Fahrzeugen unterstützt. Für den Rennsportbereich sucht der Betrieb immer Testfahrer, die schrauben, zerlegen und Rückmeldung geben können.

Aufgrund der guten Auftragslage hat Röttele Racing schon viele Nachtschichten eingelegt. Dann arbeiten alle zusammen und helfen einander. "Wenn es brennt, stehen wir alle zusammen", sagt Röttele. Der Arbeitstag beginnt jeden Morgen mit einem gemeinsamen Frühstück. Erst dann werden die Aufgaben für den Tag besprochen. Die Kollegen verstehen sich gut untereinander. "Ich kann mich auf meine Mitarbeiter hundertprozentig verlassen", fügt er hinzu.

Um das Aufgabenpensum zu bewältigen, würde der kleine Betrieb gerne einen Lehrling einstellen. Doch dafür muss das Unternehmen erst flächenmäßig größer werden, denn noch ist zu wenig Platz für einen Auszubildenden in der Werkstatt. Sicher ist, dass sich Röttele weiterentwickeln will: "Ich habe noch viele Spinnereien im Kopf.
Das wichtigste ist aber: Es muss Spaß machen."

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