Zum Schluss der Ausbildung -

Deutschlandstiftung Integration Stipendium für Migranten: Ein Netzwerk voller Möglichkeiten

Das Stipendienprogramm "Geh deinen Weg" der Deutschlandstiftung Integration fördert seit 2012 engagierte junge Erwachsene mit Migrationshintergrund. Mitte Februar wurde der zweite Jahrgang an Stipendiaten eingeführt. Dabei unterscheidet es sich von anderen Programmen in einem wichtigen Punkt.

Meine Eltern sind Gastarbeiter. In meinem Umfeld habe ich niemanden, der mir den Weg zeigen konnte“, sagt Kadir. Daher bewarb sich der Stuckateur vor rund zwei Jahren für das Stipendienprogramm der Deutschlandstiftung Integration – und wurde angenommen.

Denn der 24-Jährige ist engagiert: Seine Ausbildung beendete er als Kammerbester, gewann 2010 den Landeswettbewerb in Baden-Württemberg und den Bundesleistungswettbewerb des Deutschen Handwerks. Er war im Nationalteam der Stuckateure und wurde 2012 bei den EuroSkills in der belgischen Stadt Spa Vierter. Gerade erhielt der Deutsch-Türke den Meisterbrief und zog für seinen neuen Job nach Stuttgart. Eine Arbeitsstelle, die er irgendwie auch dem Stipendium verdankt.

Mentoren begleiten die Jugendlichen

Seit Januar 2012 läuft das Stipendienprogramm "Geh deinen Weg" der Deutschlandstiftung Integration. Die Stiftung fördert ausschließlich junge Menschen mit Migrationshintergrund. Anders als bei sonstigen Programmen erhalten die Stipendiaten jedoch kein Geld. Im Zentrum steht stattdessen ein Mentorenprogramm. Denn – wie bei Kadir – Eltern mit Zuwanderungsgeschichte haben oft kein berufliches Netzwerk. Mentoren, unter ihnen Regierungssprecher Steffen Seibert und Bahnchef Rüdiger Grube, sollen es ersetzen.

Sie begleiten die Jugendlichen über zwei Jahre, stehen ihnen bei Projekten zur Seite und verschaffen ihnen Praktika oder Arbeitsstellen. Anders als bei anderen Stipendienprogrammen fördert die Stiftung nicht nur Jugendliche mit guten Noten. Wichtig sind vor allem gute Deutschkenntnisse – und sehr viel Motivation.

So sind alle 180 Stipendiaten des ersten Jahrgangs besonders engagiert. Sei es beruflich, in der freiwilligen Feuerwehr oder im Jugendparlament. "Wir alle wollen etwas verändern", sagt Stipendiatin Natalya Nepomnyashcha, die erst kürzlich ihr Master-Studium in England als beste ihres Jahrganges abgeschlossen hat. "Wir Migranten haben auch eine Bringschuld, denn Deutschland bietet uns viele Möglichkeiten", meint die 24-Jährige.

Stipendiaten positive Beispiele für Integration

Wegen ihres gesellschaftlichen oder beruflichen Engagements sollen die Stipendiaten eine Vorbildfunktion für Integration übernehmen. "Normalerweise sieht man immer nur die Negativbeispiele. Das wollen wir ändern", sagt Ferry Pausch, Geschäftsführer der Stiftung. "Wir wollen zeigen, dass Integration auch gut funktionieren kann."

Auch Arif Koray Özbagci ist sehr aktiv. In der Schule setzt sich der 18-Jährige im Sanitätsdienst ein und engagiert sich nebenbei für die Johanniter. Er ist in der Schülervertretung, dem Bezirksschulbeirat und im Kinder- und Jugendparlament. Durch die Kontakte seines Mentors konnte er ein Praktikum beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) machen.

Zweiter Jahrgang Mitte Februar eingeführt

Innerhalb des Netzwerks tauschen Stipendiaten Ideen aus, die Stiftung unterstützt ihre Projekte im Rahmen ihrer Möglichkeiten. So stellt sie die Büroräume für Seminare zur Verfügung oder veranstaltet Workshops. Um genug Mentoren zu finden, haben die Stiftungsgründer für den ersten Jahrgang an Stipendiaten ihre eigenen Netzwerke geplündert.

Mitte Februar wurde nun der zweite Jahrgang eingeführt. "Jetzt sind wir schon breiter aufgestellt", sagt Pausch. "Wir sind jetzt auch verstärkt auf die Handwerkskammern zugegangen, denn wir wollen kein elitäres Stipendienprogramm sein", erläutert der Geschäftsführer. Ziel sei es, dass 25 Prozent der Stipendiaten aus dem Handwerk kommen.

Neujahrsempfang "Geh deinen Weg"

Auch der ZDH will das unterstützen. "Wir appellieren an alle Betriebsinhaber, ihre Auszubildenden und jungen Gesellen auf das Programm aufmerksam zu machen", so der ZDH. "Erfolgreiche Migranten zu fördern, ist der richtige Ansatz, um erfolgreiche Vorbilder publik zu machen und zu zeigen: Bildung und Ausbildung lohnen sich."

Dem Handwerk treu bleiben

Kadir profitiert vor allem beruflich von dem Stipendium. Sein Mentor Roland Falk, Leiter des Kompetenzzentrums Ausbau und Fassade, versorgt ihn mit dem beruflichen Netzwerk – er vermittelte ihm seine Arbeitsstelle und unterstützte ihn während des Meisters.

Nun möchte der Handwerker Projekte mit Andreas Schenk, dem amtierenden Stuckateur-Weltmeister, angehen. Zusammen bauten sie bereits den Berliner Bären, der jetzt im Bundesverkehrsministerium steht. Und auch beruflich will Kadir vorankommen und den Techniker machen. Dem Handwerk wird er aber treu bleiben. "Das ist genau mein Ding."

Deutschlandstiftung Integration

Im Jahr 2008 gründete der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger die Deutschlandstiftung Integration. Die Initiative „Geh deinen Weg“ wurde im Januar 2012 ins Leben gerufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Schirmherrin des Projekts. Derzeit kümmern sich sieben Mitarbeiter um die Organisation und die Stipendiaten. Mehr als 300 Stipendiaten werden aktuell gefördert. Die Stiftung finanziert sich nach eigenen Angaben zu 80 bis 90 Prozent aus privaten Spenden.

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