Gründungsgeschehen in Deutschland Ein Fünftel der Existenzgründer hat einen Migrationshintergrund

Immer mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln machen sich in Deutschland selbstständig, obwohl die Zahl der Unternehmensgründungen insgesamt sinkt. Einer KfW-Umfrage zufolge, haben Gründer mit Migrationshintergrund besonders viele überzeugende Geschäftsideen.

Friseure, Fotografen und andere persönliche Dienstleistungen sind sowohl bei Deutschen, als auch ausländischen Gründern das häufigste Betätigungsfeld. - © photothek.net/KfW-Bildarchiv

Ein Viertel der Gründer mit ausländischer Abstammung nennt als Grund für die Unternehmensgründung eine innovative Geschäftsidee. Bei den deutschen Existenzgründern gehören nur elf Prozent zu den sogenannten Entrepreneuren, urteilte die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in einer aktuellen Studie. "Entrepreneure sind in der Regel deutlich erfolgreicher als andere Gründungen. Sie geben wichtige Impulse für unsere Volkswirtschaft", kommentiert KfW-Abteilungsdirektorin Margarita Tchouvakhina. Dabei beschäftigen Existenzgründer mit ausländischen Wurzeln auch häufiger von Beginn an Mitarbeiter.

Anerkennung von Berufsabschlüssen bremst Migranten

Gleichzeitig haben sie jedoch Probleme an Kredite zu kommen. Rund ein Viertel beklagt sich laut KfW-Untersuchung über restriktive Vergabe der Banken. Ein Grund ist häufig die fehlende Anerkennung ihrer Bildungs- und Berufsabschlüsse in Deutschland. "Insbesondere bei Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus verstärken sich die strukturellen Nachteile von Gründern beim Zugang zu Finanzmitteln. Hinzu mögen nicht anerkannte Bildungs- und Berufsabschlüsse kommen, was die externen Kapitalgeber verständlicherweise restriktiver agieren lässt", sagt Tchouvakhina.

Rund 184.000 Bürger mit Immigrationshintergrund haben im Jahr 2011 in Deutschland ein Unternehmen gegründet. Das ist eine Steigerung von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. - © Bernhard Schurian/KfW-Bildarchiv
Existenzgründer hat Migrationshintergrund Mann

Doppelt so viele griechische Einwanderer

Aus den Daten von 2008 bis 2011 geht hervor, dass knapp ein Viertel aller Gründungen mit Migrationshintergrund türkischer Abstammung sind. Jeder zehnte der Nicht-Deutschen-Gründer kommt aus Russland. Mit Anteilen von jeweils rund fünf Prozent sind Österreicher, Polen, Italiener und Griechen die nächst größeren Gruppen. Die Zuwanderung aus EU-Ländern, die große Probleme Euro-Krise haben, hat sich schon im Jahr 2011 deutlich erhöht: "Allein aus Griechenland kamen etwa 90 Prozent mehr Einwanderer, 52 Prozent mehr aus Spanien. Wir erwarten in den kommenden Jahren einen Anstieg der Gründungen durch diese Gruppen", sagt Tchouvakhina. cg