Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk Ein Fachmann fürs Fachwerk

Zimmerermeister Ralf Birk erhält von der Handwerkskammer Wiesbaden als Erster den Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk.

Fachwerkhofreite in Langenselbold
Nominiert für den Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege: die von Ralf Birk sanierte Fachwerkhofreite in Langenselbold. - © Birk

Dem Charme, den Fachwerkhäuser ausstrahlen, erliegt Ralf Birk immer wieder aufs Neue. Beim Instandsetzen dieser oft geschichtsträchtigen Gebäude arbeitet er nicht nur mit viel Liebe zum Detail, sondern auch im stetigen Austausch mit den Bauherren. Für sein Engagement zum Erhalt der historischen Bausubstanz wurde der Zimmerermeister aus Büdingen-Calbach in der Wetterau Ende 2020 mit dem „Klaus-Repp-Preis für Denkmalpflege im Handwerk“ der Handwerkskammer Wiesbaden geehrt. Zudem wurden zwei Anerkennungen an Tischler Johannes Mosler aus Hadamar und Dachdeckermeister Holger Aßmus aus Nidda ausgesprochen.

Die erstmals vergebene Auszeichnung gilt als Hommage an den Ehrenpräsidenten der Kammer, der sich seit Jahrzehnten für den Denkmalschutz stark macht. „Lieber Würzburger als Gelsenkirchener Barock“, scherzt Klaus Repp gern in Anspielung auf den Einrichtungskitsch der allmählich zu Wohlstand kommenden Nachkriegsgeneration ab den 1950er-Jahren.

Schon während seiner Lehre als Kunstschmied hat der inzwischen 71-jährige Metallbaumeister große Achtung vor historischen Handwerkstechniken gewonnen. „Ich war fasziniert davon, Eisen zu erhitzen und auf dem Amboss in Form zu bringen“, blickt Repp auf prägende Erfahrungen zurück.

"Lieber Würzburger als Gelsenkirchener Barock.“

Klaus Repp, Metallbaumeister und Denkmalbeirat

Nicht nur bei seiner ehrenamtlichen Arbeit als Denkmalbeirat im Wetteraukreis oder im Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden liegt ihm das Wissen um alte Materialien und Techniken am Herzen. In Gießen hat er ein im Jahr 1888 erbautes Haus denkmalgerecht saniert. „Heute ist es ein Schmuckstück mit Schall- und Lärmschutz, dessen Optik an das Original im Baustil des Spätklassizismus erinnert“, sagt Repp.

Zimmerermeister statt Ethnologe

Zimmerermeister Ralf Birk wohnt selbst in einem 300 Jahre alten Haus, das er in Eigenleistung saniert hat. Dabei wäre er fast als Ethnologe in Afrika gelandet, doch kurz vor der Magisterarbeit entschied er sich für eine Lehre im Handwerk. Seither begeistert er sich für Fachwerkkonstruktionen, die über 1000 Jahre hinweg die Baukultur in Mitteleuropa geprägt haben. „Früher herrschte eine ganz andere Arbeitsweise als heute, die auch eine andere Kommunikation voraussetzte“, sagt Birk. Damals hätten Familien zusammen mit Nachbarn, Verwandten, Freunden und Handwerkern ihr Haus gebaut. Eine Baustelle als großes Miteinander. Gemeinsame Erfahrungen, gemeinsamer Stolz auf das Geschaffene. Gebäude, erbaut für Generationen.

Zimmerermeister Ralf Birk.
Zimmerermeister Ralf Birk vor seinem Wohnhaus. - © Birk

Ralf Birk schätzt die Atmosphäre, wenn er zusammen mit den Bauherren nach der besten Sanierungslösung für ein historisches Fachwerk sucht. So seien manche errechneten energetischen Vorgaben der Bauphysik des jeweiligen Hauses nicht dienlich. „Energieeinsparung ist mir wichtig, aber sie muss in eine Gesamtbetrachtung einfließen. Historische Bauwerke benötigen individuelle Lösungen“, sagt Birk. Die Kunden danken die umfassende Beratung und die handwerkliche Qualität der Zimmerei Birk mit einer langjährigen Treue. „Wir arbeiten mitunter für jüngere Familien und kennen schon die Vorbesitzer oder die Häuser ihrer Eltern“, freut sich der Fachwerkspezialist, der noch einen Meister, zwei Gesellen und einen Lehrling beschäftigt.

Hoffen auf Bundespreis

Die Auszeichnung der Handwerkskammer Wiesbaden ist freilich nicht seine erste. 2012 erhielt er den Denkmalschutzpreis der Stadt Offenbach. Für ihn als gebürtigen Frankfurter war das natürlich eine besondere Ehre. Mit einem seiner Lieblings­objekte, einer Fachwerkhofreite in Langenselbold, bewirbt sich Birk zudem für den Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege. Dieser angesehene Preis wird alle zwei Jahre in zwei Bundesländern an Denkmaleigentümer und deren Handwerker vergeben. 2021 sind Hessen und Schleswig-Holstein an der Reihe, Preisverleihung ist Ende des Jahres.

Vielleicht kommt auf Ralf Birk dann noch eine Ehre zu, vielmehr ein Ehrenamt. Der Zimmerermeister wurde als Denkmalbeirat im Wetteraukreis vorgeschlagen. Sollte der Kreistag zustimmen, würde sich Klaus Repp besonders freuen. Denn er möchte seinen Platz für Jüngere freimachen und sieht in Ralf Birk einen würdigen Nachfolger.