Hohe Lohnsummen Berufsgenossenschaften: Wo Beiträge stabil bleiben und sinken

Die Wirtschaft entwickelt sich gut und lässt die Lohnsummen steigen. Das ist ein Grund für die Berufsgenossenschaften die Beiträge stabil zu halten. Bei einer BG sinken sie sogar. So setzen sich die Beiträge zusammen.

Die Beiträge an die Berufsgenossenschaften (BG) bezahlen Betriebe immer rückwirkend für das abgelaufene Jahr. Erst wenn ein Jahr vorbei ist, wissen die Berufsgenossenschaften – als Unfallversicherer der Unternehmen – wie hoch die Ausgaben waren und können diese per Umlage auf die Versicherten verteilen. So bezahlen die Unternehmen nun die Umlage für das Jahr 2016. Zudem haben die Berufsgenossenschaften vom Gesetzgeber die Möglichkeit bekommen, Vorschüsse auf die voraussichtlich anfallenden Beiträge zu erheben. Gebrauch davon macht unter anderem die BG Bau.

Festgelegt wird die Umlage meist im April oder Mai des Jahres. Wie sie sich im Detail berechnet, ist ein kompliziertes Verfahren (siehe unten) und richtet sich nach verschiedenen Einflussfaktoren. Für das laufende Jahr kann man jedoch grundsätzlich sagen, dass sich kein Betrieb auf höhere Ausgaben einstellen muss. Die Botschaft lautet auf Anfrage bei den handwerksrelevanten Berufsgenossenschaften, dass die Beiträge nicht steigen.

Berufsgenossenschaften: die Beiträge 2017

So teilt die BG Bau mit, dass der sogenannte Beitragsfuß in diesem Jahr unterhalb der Höhe des Vorschussfußes abgerechnet werden konnte und dass sie damit rechne, dass die Entwicklung stabil bleibt. Die BG Bau ist eine der wenigen Berufsgenossenschaften, die noch keine offizielle Mitteilung zum aktuellen Beitrag veröffentlicht hat.

Bei der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) ist es jedoch schon konkret, dass der Mitgliedsbeitrag nicht erhöht wird. So hat sie am 11. Mai einen Beitragsfuß in Höhe von 2,92 beschlossen. Im Vorjahr hatte dieser Wert bei 2,93 gelegen. Für die Mitgliedsunternehmen der BG ETEM ergibt sich damit ein Durchschnittsbeitrag von 0,79 Euro je 100 Euro ihrer jeweiligen Lohnsumme. Das entspricht der Höhe des Vorjahres. Trotz hoher Einnahmen aufgrund der guten Konjunktur konnte die BG jedoch nicht an eine Beitragssenkung denken, denn auch die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen und Entschädigungen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten waren hoch. "Vor allem im Bereich Reha", erklärt BG-Sprecher Christian Sprotte.

Ähnlich sieht es bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) aus. Die Lohnsummen stiegen bei den hier versicherten Betrieben von 168,18 Mrd. Euro (2015) auf rund 171,83 Mrd. Euro. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Arbeits- und Wegeunfälle. "Die Basis- und Strukturumlage bleibt daher unverändert bei 5,0. Des Weiteren sinkt die Umlage des Überlastausgleichs nach Entgelten leicht von 2,23 (2015) auf 2,17 für das Rechnungsjahr 2016", meldet die BG.

Bei der BG Verkehr bleiben die Beiträge im Bereich Fahrzeughaltungen zum fünften Mal in Folge stabil. So hat sie einen Beitragsfuß für das Umlagejahr 2016 von 3,40 festgelegt. Der ausschlaggebende Grund: Bei den Gesamtentgelten konnte gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 4,3 Prozent verzeichnet werden.

Diese konnte allerdings die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten (BGN) erreichen. Die Lohnsummen stiegen hier um 4,6 Prozent und der Vorstand konnte zum siebten Mal in Folge die Weichen in Richtung Beitragssenkung stellen. Im Durchschnitt zahlen die Unternehmen so – je nach Branche, Gefahrklasse und Betriebsgröße – 2,4 Prozent weniger.

Berufsgenossenschaft: So setzen sich die Beiträge zusammen

Beiträge zur Berufsgenossenschaft sind für Handwerker regelmäßig ein rotes Tuch. Auch wenn die meisten stabil bleiben, bleibt die schwierige Beitragsberechnung ein Ärgernis. So setzen sich die Beiträge zusammen.

Der Beitragsbescheid der Berufsgenossenschaften ist nicht leicht zu durchschauen. Bei der Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) beispielsweise ermittelt sich der Beitragssatz aus dem Ergebnis aus Gefahrenklasse multipliziert mit dem Beitragsfuß.

Die Gefahrenklasse hängt mit dem unterschiedlichen Unfallgefährdungspotenzial der verschiedenen Gewerke zusammen. Beim Beitragsfuß handelt es sich nach Auskunft der BG Bau um eine Art Grundbeitrag, der auf 100 Euro Arbeitsentgelt in Gefahrenklasse 1,0 zu entrichten wäre.

Beitragsfuß ist eine Art Grundbetrag

Ausgehend vom Finanzbedarf der BG, dem Umlagesoll, wird der Beitragsfuß in den Monaten März/April nachträglich für das abgelaufene Geschäftsjahr bestimmt. Die können je nach Region unterschiedlich hoch ausfallen, denn nach einer Fusion der früher sieben Bau-Berufsgenossenschaften und der Tiefbau-BG zur einheitlichen BG Bau im Mai 2005 gilt noch bis in diesem Jahr eine Übergangsregelung. Je nachdem, wie die einzelne Bezirksverwaltung die Umlagen festlegt, müssen Unternehmer in München einen anderen Beitrag zahlen als solche in Frankfurt am Main, obwohl die Mitarbeiter beider Betriebe in der gleichen Gefahrenklasse eingestuft sind.

Während die Versicherung der Mitarbeiter über die Berufsgenossenschaft für den Unternehmer verpflichtend ist, kann er für sich selbst frei entscheiden: Chefs können, müssen sich aber nicht über die BG versichern. Bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft zählen Unternehmer als eigene Risikogruppe. Egal in welcher Branche sie tätig sind, gilt für sie einheitlich die Gefahrenklasse 5,0.

In jedem Fall lohnt es sich, die Leistungen der jeweiligen Versicherer zu vergleichen.

Was deckt die Versicherung für den Unternehmer ab?

  • gilt die Versicherung für die Folgen von Arbeitsunfällen, Wegeunfällen und Berufskrankheiten?
  • ist darüber auch die Familie abgesichert?
  • wie hoch sind die Leistungen im Schadensfall?
  • wie schwierig ist es, einen Schadensfall anerkennen zu lassen?

Zusätzlich zum Umlagebeitrag werden noch einige kleinere Beträge fällig. Der Beitrag für die arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Betreuung geht auf die Verpflichtung des Unternehmers zurück, Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit zu bestellen. Wer diesen Dienst über die BG Bau in Anspruch nimmt, muss dafür Beiträge entrichten, erfüllt aber seine rechtlichen Verpflichtungen aus dem Arbeitssicherheitsgesetz.

Erläuterungen zum Beitragsbescheid bietet die BG Bau auf ihren Internetseiten.

Wer einen neutralen Dritten zu seinem Beitragsbescheid befragen will, kann sich an den Bund der Beitragszahler der Berufsgenossenschaften (BBzB) wenden. Ziel dieses Vereins ist es, Transparenz zu schaffen und die Öffentlichkeit über die Belange der gesetzlichen Unfallversicherung zu informieren. dhz/jtw

Dieser Artikel wurde am 12. Juni 2017 aktualisiert.

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