E-Mobilität Ehemaliger Oberfeldwebel montiert erfolgreich Wallboxen

Der Betrieb von Andreas Etterer steht für ein neues Handwerkerbild. Der gelernte Elektroinstallateur und ehemalige Zeitsoldat setzt auf E-Mobilität und soziale Medien. Gegründet in der Pandemie wächst die junge Firma dank ihres Spezialgebiets: Sie montiert Aufladestationen für E-Autos in Tiefgaragen.

Andreas Etterer in Tiefgarage.
Andreas Etterer, ehemaliger Zeitsoldat, hat sich im Handwerk erfolgreich selbstständig gemacht. Sein Elektrofachbetrieb setzt auf E-Mobilität und Social Media. - © SocialMe

Elektroautos werden immer beliebter. Laut ADAC wurden im vorigen September bundesweit zum ersten Mal mehr Autos mit Elektroantrieb zugelassen (17,1 Prozent) als mit Dieselmotor (15,9 Prozent). Einer, der von diesem Trend profitiert ist Andreas Etterer. Der Filderstädter macht sich vorigen Sommer – mitten in der Coronakrise – mit viel Herzblut selbständig. Als Oberfeldwebel quittiert er nach acht Jahren den Dienst und sucht sich ein neues Aufgabenspektrum. Er findet es in der E-Mobilität. Von den steigenden Zuwachszahlen im Automobilgeschäft verspricht sich der 35-jährige staatlich geprüfte Elektronik-Techniker am meisten. Und er soll Recht behalten. Als Einzelfirma gestartet, beschäftigt Etterer binnen eines Jahres heute zwölf Mitarbeiter. Die Handwerker montieren in Tiefgaragen Wallboxen, Aufladestationen für E-Autos.

Erfolgreich mit der Installation von Wallboxen

"Das Geschäft läuft sehr gut", sagt Etterer. Aktuell montiert seine Firma Premium-Elektrik wöchentlich in zwei bis drei Tiefgaragen Stromspender für die darüber wohnenden Eigentümer oder deren Mieter. 15 bis 200 Stellplätze sind die Größenordnung, die der Handwerksbetrieb mit Anschlüssen versorgt. Fast alle Kunden kommen über Empfehlungen. "Nachdem wir für die erste Hausverwaltung gearbeitet hatten, kamen die Anfragen von alleine", so der Chef, der ebenso über einen Abschluss als "technischer Betriebswirt (IHK)" verfügt. Zuerst steigen die Elektriker vor allem in Filderstadt und Umgebung in die tiefen Garagen. Doch seit ein paar Monaten montieren sie auch außerhalb der Kreis- und sogar der Landesgrenze.

Zurück zum Handwerk

"Ich möchte bis Jahresende 16 Mitarbeiter beschäftigen und in ganz Süddeutschland aktiv sein", sagt Etterer selbstbewusst. Der ehemalige Zeitsoldat investiert insgesamt mehr als eine viertel Million Euro in seinen Betrieb. Zu 100.000 Euro Eigenkapital gesellen sich 160.000 Euro Landesförderung. Wobei alle Fahrzeuge geleast sind, lediglich Betriebsausstattung, Warenbestand und Werkzeuge sind Firmeneigentum.

Etterer will mehr. Die Wallboxen sind nur der Anfang. Denn eigentlich wollte er Chef seiner eigenen Digitalisierungsberatung werden. Doch wegen Corona wird daraus nichts. "Als ich im März 2020, nach einem Jahr des nebenberuflichen Aufbaus, in Vollzeit durchstarten wollte, kam der erste Lockdown", erinnert sich Etterer. "Corona hinderte mich, meine Kunden zu besuchen, die fast alle in der Schweiz sitzen", sagt er. Daher die Idee, wieder ins Handwerk einzusteigen. Sein Wissen aus der Digitalberatung allerdings bringt er auch hier ein. Etterer sucht und findet mit einer bayerischen Agentur einen Partner, der sein Geschäft in den sozialen Medien vorantreibt.

Das erste Projekt heißt Fachkräfte finden. Via Facebook- und Instagram-Posts präsentiert sich der junge Betrieb im Internet. Nicht ganz so sexy wie Influencerin Sophia Tomalla, der alleine auf Instagram 1,3 Millionen Abonnenten folgen. "Aber eben für die Zielgruppe ansprechend genug", wie SocialMe-Geschäftsführer Matthias Klügl findet. Er sorgt mit seiner Agentur für Etterers passenden Auftritt. Foto- und Videoproduktionen inklusive.

Digitalisierung weiter im Fokus

Als nächstes soll ein Onlineshop folgen. Via Internet sollen Wohnungseigentümer virtuell ihre Stromtankstelle bestellen können. Außerdem sollen eine E-Book-Serie und virtuelle Seminare, sogenannte Webinare, für Hausverwaltungen dort ebenfalls digital zu finden sein. Hier liefert der Techniker Tipps und Wissen rund um das Konstrukt aus Infrastruktur für den Strom und den Ladestationen. Ersteres bestellt und bezahlt die jeweilige Hausverwaltung. Die Wallbox am Stellplatz wiederum ist Sache jedes Wohnungseigentümers.

Und sind die Elektriker erstmal im Geschäft, sollen Kunden weitere Produkte kaufen. Eine stromproduzierende Photovoltaik-Anlage auf dem Dach gehört genauso dazu wie die Infrastruktur für Smart Home. Also die elektronische Voraussetzung dafür, dass Waschmaschinen, Kühlschränke, Jalousien und Alexa miteinander kommunizieren können.