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Elektrische Tretroller E-Scooter: Diese 9 Fehler sollten Sie vermeiden

Gehirnblutungen, Knochenbrüche und mehrere Männer, die jetzt um ihren Führerschein bangen müssen. E-Scooter sind zwar erst seit dem 15. Juni für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen, doch die ersten Vorfälle ließen nicht lange auf sich warten. Um sich selbst vor Ärger und gefährlichen Situationen zu schützen, sollten Sie diese Fehler vermeiden.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Elektromobilität

In Berlin stieß eine 33-Jährige gegen ein geparktes Auto und wurde anschließend von einem Kleintransporter überrollt. Die Frau erlitt mehrere Knochenbrüche. In München fand eine Passantin einen alkoholisierten 40-Jährigen bewusstlos neben seinem E-Scooter liegend. Auch er wurde mit mehreren Brüchen sowie mit einer Gehirnblutung ins Krankenhaus gebracht. Zwar ohne Unfall, aber dennoch unangenehm endete die Spritztour zweier Männer, die ebenfalls in der bayerischen Landeshauptstadt unterwegs waren. Sie wurden von der Polizei angehalten und müssen jetzt um ihren Führerschein fürchten. Sie begingen mindestens zwei der nachfolgend genannten Fehler.

Fehler #1: Sie sind nicht alleine auf dem E-Scooter unterwegs

Ein Vergehen der Männer war: Beide waren zur selben Zeit auf einem E-Scooter unterwegs. Eine Personenbeförderung auf Elektrokleinstfahrzeugen ist jedoch nicht gestattet. Anders als mit dem Fahrrad ist es übrigens auch verboten, einen Anhänger mit dem E-Scooter zu ziehen.

Fehler #2: Sie fahren betrunken

Ein weiterer Verstoß: Als die beiden jungen Männer um vier Uhr nachts angehalten wurden, nahmen die Beamten starken Alkoholgeruch wahr. Eine Blutentnahme bestätigte den Verdacht. Für E-Scooter-Fahrer gelten dieselben Promillegrenzen wie für Autofahrer. Heißt konkret: Wer durch alkoholbedingte Ausfallerscheinungen auffällt, kann bereits ab 0,3 Promille angezeigt werden. Wer mit mehr als 0,5 Promille unterwegs ist, begeht eine Ordnungswidrigkeit, ab 1,1 Promille handelt es sich um eine Straftat. Noch strenger sind die Regeln übrigens für Fahranfänger. Ab Erwerb der Fahrerlaubnis gilt für sie zwei Jahre lang die 0,0-Promille-Grenze auf dem elektrischen Tretroller.

Da im Fall der beiden Männer laut Polizei beide "aktiv in das Lenk- und Fahrgeschehen eingriffen", werteten die Beamten auch beide als Fahrer. Ob sie nun ihren Führerschein verlieren, muss ein Gericht entscheiden.  

Fehler #3: Sie sind ohne Helm unterwegs

Eine Helmpflicht für E-Scooter-Fahrer besteht zwar nicht, es wird aber dennoch geraten, einen Fahrradhelm zu tragen. Bei schlechter Sicht und Dunkelheit wird außerdem reflektierende Kleidung empfohlen.

Wie wichtig entsprechende Schutzkleidung ist, hat eine Auswertung der Unfalldaten in Austin (Texas) gezeigt. Im knapp dreimonatigen Untersuchungszeitraum wurden 190 Personen registriert, die wegen Unfällen mit E-Scootern in den hiesigen Krankenhäusern behandelt wurden. Bei 48 Prozent handelte es sich um Kopfverletzungen, nur eine Person trug einen Helm.

Fehler #4: Sie geben keine Handzeichen  

Ohne Blinker müssen Handzeichen gegeben werden. Dies ist keine Empfehlung, sondern Vorschrift. Wer sich nicht daran hält und einen Unfall verursacht, muss mindestens mit einer Teilschuld rechnen, unter Umständen sogar mit einem Alleinverschulden. Einen Fahrbahnwechsel oder eine Richtungsänderung sollten Fahrer von E-Scootern daher rechtzeitig ankündigen.

Fehler #5: Sie sind ohne Versicherungsplakette unterwegs

Für elektrische Tretroller besteht eine Versicherungspflicht. Für jeden E-Scooter muss eine eigene Kfz-Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Wer ohne Versicherungsplakette auf öffentlichen Straßen oder Plätzen unterwegs ist, macht sich strafbar und riskiert empfindliche Strafen. Neben einem Bußgeld von 70 Euro fallen aufgrund des Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz weitere Kosten zwischen 150 und 550 Euro an. Kommt es zu einem Unfall, muss der Fahrer zudem sämtliche Schadensersatzansprüche aus eigener Tasche bezahlen.  

Fehler #6: Sie sind mit einem E-Scooter unterwegs, der zu schnell ist

E-Scooter dürfen grundsätzlich nicht schneller als 20 km/h fahren. Eine Besonderheit gilt für Fahrer, die zwischen zwölf und 14 Jahre alt sind (siehe Fehler #9).

Fehler #7: Sie sind mit einem E-Scooter unterwegs, der nicht über die nötige Ausstattung verfügt

E-Scooter müssen bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen. So sind zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen an der Lenkstange, Lichter an der Vorder- und Rückseite, eine Warnklingel und seitliche Reflektoren vorgeschrieben. Außerdem dürfen die Akkuleistung und die Länge des Fahrzeugs eine vorgeschriebene Obergrenze nicht überschreiten. Ob ein E-Scooter diese Anforderungen erfüllt, erkennen Käufer an der allgemeinen Betriebserlaubnis, kurz ABE. Diese müssen die Hersteller beim Kraftfahrtbundesamt einholen.

Fehler #8: Sie fahren auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen

Grundsätzlich dürfen mit E-Scootern alle Radwege befahren werden. Sollte kein Radweg vorhanden sein, muss auf die Fahrbahn ausgewichen werden. Gehwege und Fußgängerzonen sind für E-Scooter-Fahrer tabu. Sollten entsprechende Verkehrsflächen dennoch befahren werden, sind Strafen zwischen 15 und 30 Euro möglich. Bußgelder in derselben Höhe können zudem verhängt werden, wenn mit elektronischen Tretrollern nebeneinander gefahren wird. Das Überholen ohne Behinderung muss stets ermöglicht werden. Für das Abstellen gelten dieselben Parkvorschriften wie für Fahrräder.

Fehler #9: Sie sind zu jung

Kindern unter zwölf Jahren ist das Fahren mit elektronischen Tretrollern verboten. Ab vollendetem zwölftem Lebensjahr gilt eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit bis zwölf km/h. Wer älter als 14 Jahre ist, darf mit E-Scootern fahren, die bis zu 20 km/h fahren.

E-Scooter im Unternehmen: Das ist zu beachten

Die gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) weist darauf hin, dass für die betriebliche Verwendung folgende grundlegenden Randbedingungen zu beachten sind:

  • Die Elektrokleinstfahrzeuge fallen unter den Anwendungsbereich der Betriebssicherheitsverordnung und der Unfallverhütungsvorschrift Fahrzeuge (DGUV Vorschrift 70) und sind somit auch regelmäßig zu prüfen.
  • Unternehmerinnen und Unternehmer haben die Elektrokleinstfahrzeuge in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. Hierzu gehört auch die Überlegung, ob bei betrieblicher Nutzung z. B. Helm, reflektierende Kleidung und geeignete Schuhe getragen werden müssen.
  • Die Nutzerinnen und Nutzer sind in der Bedienung zu unterweisen.
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