Noch gelten Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen als Exoten – der Trend zur E-Mobilität ist aber kaum zu stoppen. Auch auf der diesjährigen Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), die heute in Frankfurt startet, stehen die E-Fahrzeuge im Mittelpunkt.

E-Fahrzeuge zeigen die Mobilität von morgen
Egal ob als Hybrid- oder Elektroauto, die E-Mobilität ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Daran hat auch das Handwerk einen entscheidenden Anteil. Denn die Elektro- und Kfz-Gewerke sind nicht nur bei Wartungs- und Reparaturarbeiten gefragt, sondern sind insbesondere auch Impulsgeber für die Entwicklung und flächendeckende Umsetzung der Technologie.
Zum Jahresbeginn 2011 waren in Deutschland rund 37.000 Hybridfahrzeuge und über 2.300 reine Elektrofahrzeuge zugelassen. Bis 2020 hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straßen zu bringen. Dieses Ziel zu erreichen ist ohne das Handwerk undenkbar – etwa mit Blick auf die flächendeckende Bereitstellung der Ladeinfrastruktur. "Elektronische Aufladestationen und intelligente Stromnetze sind wesentliche Voraussetzungen für die Zukunft der E-Mobilität, an denen auch zahlreiche Handwerker der elektrotechnischen Gewerke beteiligt sind", erklärt Ralf Bretschneider, Dozent für E-Mobilität am Handwerksbildungszentrum Lemgo.
In den Werkstätten wird es elektrisch
Darüber hinaus ist vor allem das Know-how der Kfz-Handwerke gefragt. Bereits heute stellen sie sich mit kontinuierlichen Weiterbildungsmaßnahmen auf die zukünftigen Anforderungen von Fahrzeugen mit neuen Antriebsarten ein. So auch die Handwerker von Hermann Blechtechnik.
Damit sind die Mechaniker und Werkzeugmacher des baden-württembergischen Betriebes regelrechte Pioniere auf diesem Gebiet. "Wir fertigen hauptsächlich Einzelteile und Prototypen, die für Motoren von Elektro- und Hybridantrieben unerlässlich sind", erklärt Bernd Hermann, Geschäftsführer des Handwerksbetriebes. Die Handwerker aus dem schwäbischen Betrieb produzieren unter anderem hochsensible Stromschienen, die Spannungen von bis zu 400 Ampere aushalten müssen, um die Stromzufuhr zwischen Elektromotor und Batterie zu gewährleisten. Außerdem stellen sie individuelle Batteriegehäuse her, die auf kleinstem Raum ein Höchstmaß an Sicherheit und Stabilität leisten müssen.
Damit aus einzelnen Komponenten auch ein alltagstaugliches Elektrofahrzeug entstehen kann, sind unter anderem die Kfz-Mechatroniker und -Mechaniker von car systems Scheil in Leipzig gefragt. Mit dem Umbau eines konventionellen Audi A2 von Benzinbetrieb auf reinen Elektroantrieb gelang Geschäftsführer Jens Scheil und seinem Kfz-Team ein echtes Meisterstück. "Nach einem Jahr Entwicklungszeit konnten wir in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen L.E. mobile den ersten Prototypen fertigstellen", berichtet Scheil. Das umgebaute Fahrzeug erreicht eine beeindruckende Reichweite von bis zu 120 Kilometern, ohne Stopps für Ladezeiten zu benötigen. Dabei kann das Fahrzeug eine Spitzengeschwindigkeit von 130 km/h erreichen.
Erstmals eine eigene Halle auf der IAA
Auf der IAA bekommt das Thema "Elektromobilität" zum ersten Mal eine eigene Halle. Dabei präsentieren sich sowohl die großen Autofirmen als auch viele Zulieferer. Gezeigt werden unter anderem Neuheiten aus den Bereichen Netzmanagement, regenerative Stromerzeugung und neue Komponenten und Werkstoffe sowie Konzepte für Car-Sharing und Telematik-Dienste. Aber auch Themen, die die gesamte Energiespeicherfrage und die Entwicklung der Batteriezelle beleuchten sind vertreten. "Dieser branchenübergreifende Auftritt soll die sich verändernde Wertschöpfungskette aufzeigen und deutlich machen, dass die Mobilität von morgen einer gemeinsamen Kraftanstrengung bedarf, die weit über die bisherigen Grenzen von einzelnen Industriezweigen hinausführt", kündigte Matthias Wissmann, der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), an.
dhz/ZDH