Ambivalenter Aufschwung E-Auto-Boom im Kfz-Gewerbe: Wachstum mit Schattenseiten

Im August stiegen die BEV-Neuzulassungen um 75,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr – der Marktanteil kletterte auf 32,4 Prozent. Der ZDK hebt seine Jahresprognose auf 817.000 Elektrofahrzeuge an. Doch ZDK-Präsident Peckruhn warnt: Mehr E-Autos lösen die strukturellen Probleme des Fahrzeughandels nicht.

Fast jeder dritte neu zugelassene Pkw in Deutschland fährt inzwischen vollelektrisch – Tendenz steigend. - © Nexa - stock.adobe.com

Der E-Auto-Markt nimmt weiter Fahrt auf. Die Nachfrage nach vollelektrischen Pkw gewinnt deutlich an Dynamik und verschiebt den Antriebsmix im deutschen Neuwagenmarkt spürbar. Die August-Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes bestätigen damit die jüngste Prognose des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK): Der Hochlauf der Elektromobilität fällt 2026 deutlich stärker aus als zunächst erwartet.

Der ZDK rechnet für 2026 inzwischen mit rund 817.000 neuen batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) – 109.000 mehr als noch zum Jahreswechsel prognostiziert. Damit setzt sich die positive Entwicklung des E-Auto-Marktes auch im dritten Quartal des laufenden Jahres fort.

"Die August-Zahlen zeigen: Das Elektroauto gewinnt weiter an Dynamik und wird für immer mehr Kunden zur echten Alternative. Der Markt für vollelektrische Fahrzeuge wächst sichtbar – und zwar mit zunehmender Geschwindigkeit", erklärt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn.

BEV-Marktanteil steigt im August auf 32,4 Prozent

Im abgelaufenen Monat kamen laut Kraftfahrt-Bundesamt 68.930 vollelektrische Pkw neu auf die Straße – 75,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damit stieg der BEV-Anteil an den Neuzulassungen binnen Jahresfrist von 19,0 auf 32,4 Prozent.

Zusammen mit den 12,0 Prozent Plug-in-Hybriden entfielen damit im August 44,4 Prozent der Neuzulassungen auf Fahrzeuge mit Stecker – nahezu die Hälfte des Marktes. Damit gewinnt das Elektroauto spürbar an Marktanteilen und wird für immer mehr Kunden zu einer echten Alternative.

E-Auto-Boom trifft auf schwierigen Gesamtmarkt

Für das Kfz-Gewerbe bleibt die Entwicklung ambivalent. Denn der Hochlauf der Elektromobilität kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Neuwagenmarkt insgesamt weiterhin deutlich unter dem Niveau der Vor-Corona-Zeit liegt.

Gleichzeitig steigen Kosten und Finanzierungslasten für die Betriebe und ihre Kundinnen und Kunden. Die Folge ist zunehmender wirtschaftlicher Druck – bis hin zu Insolvenzen einzelner Unternehmen.

"E-Mobilität ist nur eine Seite der Medaille. Unsere Branche leidet insgesamt unter zu niedrigen Fahrzeugverkäufen, hohen Kosten und gestiegenen Zinsen", erklärt Peckruhn. "Das trifft nicht nur die Kunden, sondern auch die Betriebe. Wenn Unternehmen bereits aufgeben müssen, zeigt dies, wie ernst die Lage ist."

Staatliche Kaufprämie gibt E-Auto-Nachfrage zusätzlichen Schub

Als spürbare Impulse für die E-Auto-Nachfrage sieht der ZDK die seit Mai verfügbare staatliche E-Auto-Kaufprämie, das deutlich breitere Modellangebot der Hersteller und die gestiegenen Kraftstoffpreise.

Bereits in der ZDK-Halbjahresumfrage hatten 58 Prozent der befragten Kfz-Betriebe von positiven Effekten der Kaufprämie auf die private Nachfrage berichtet. Zugleich zeigt eine vom ZDK beauftragte Befragung der puls Marktforschung GmbH, dass vor allem die Kosten für die Kaufentscheidung eine zentrale Rolle spielen.

"Die Förderung gibt dem Markt einen zusätzlichen Schub. Aber sie allein macht noch keinen nachhaltigen E-Auto-Markt. Entscheidend sind attraktive Kaufpreise, niedrige Betriebskosten und eine Ladeinfrastruktur, die im Alltag funktioniert", betont Peckruhn.

Private Nachfrage nach Elektroautos entwickelt sich besonders dynamisch

Besonders dynamisch entwickelt sich der private BEV-Markt. Der ZDK erwartet für 2026 mehr als 370.000 private BEV-Neuzulassungen – etwa doppelt so viele wie im Vorjahr. Der Zuwachs bei den E-Antrieben geht dabei zu einem wesentlichen Teil zulasten der klassischen Verbrenner. "Der Antriebswechsel findet statt. Entscheidend ist jetzt, dass Kunden sich Elektromobilität leisten können und die Betriebe damit wirtschaftlich erfolgreich sind", so Peckruhn.

Fahrzeughandel bleibt unter wirtschaftlichem Druck

Die positive Entwicklung bei den E-Autos darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Fahrzeughandel unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht. Das zeigt auch die ZDK-Halbjahresumfrage: Hohe Kosten, knappe Margen und steigende Investitionsanforderungen belasten insbesondere den Fahrzeughandel. "Mehr Elektroautos sind ein wichtiges positives Signal. Sie lösen aber nicht die strukturellen Probleme des Fahrzeughandels. Dafür brauchen unsere Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen und Luft für Investitionen", sagt Peckruhn.

Elektromobilität nimmt Fahrt auf – strukturelle Probleme bleiben

Die August-Zahlen des KBA geben der Elektromobilität weiter kräftig Rückenwind. Der deutlich gestiegene BEV-Marktanteil und die wachsende private Nachfrage bestätigen die angehobene Prognose des ZDK für 2026.

Gleichzeitig bleibt der Gesamtmarkt schwierig. Der Antriebswechsel nimmt Fahrt auf, doch die strukturellen Probleme des Fahrzeughandels bestehen fort. Für das Kfz-Gewerbe bleiben damit sowohl die weitere Entwicklung der Elektromobilität als auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend. avs