Lüften, Luftreiniger, RLT-Anlagen Mit guter Raumluft gegen Corona: Welche Methode bringt was?

Fensterlüftung, Luftreiniger oder Raumluftechnische Anlagen? Verschiedene Studien haben untersucht, welche Vor- und Nachteile die Methoden haben. Ein Überblick.

Weit geöffnetes Fenster mit Vorhang im Wind
Fensterlüftung ist und bleibt der günstigste und unkomplizierteste Weg für gute Raumluft. - © Bonsales-stock.adobe.com

Wenn die Corona-Pandemie eines gezeigt hat, dann das: Gute Raumluft ist Gold wert. Die drei Standardmethoden dafür sind Fensterlüftung, der Einsatz von Luftreinigern und raumluftrechnische (RLT) Anlagen.

Welche Vor- und Nachteile dies jeweils hat, haben zwei voneinander unabhängige Studien zur Raumluft in Klassenzimmern untersucht. Dabei sind das Institut für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und das Institut für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung an der Universität Stuttgart auf sehr ähnliche Ergebnisse gekommen, die auch jenseits von Schulräumen von Interesse sind.

Fensterlüftung nach der Uhr

Die günstigste und unkomplizierteste Methode bleibt die Fensterlüftung. Dabei hat sich laut den Stuttgarter Wissenschaftlern sowohl die Lüftungsstrategie 20/5/20 als auch 10/2,5/10 bewährt, also alle 20 Minuten für fünf Minuten lüften oder alle zehn Minuten für zweieinhalb Minuten.

Da die Infektionsgefahr im gleichen Maß sinkt wie die Kohlendioxid-Konzentration im Raum, helfen CO2-Messer, diesen Wert im Blick zu behalten. 1.000 ppm (parts per million) gelten als Obergrenze.

Grundsätzlich gilt: Stoßlüften ist effektiver und energetisch sinnvoller als Dauerlüften per Kippfenster.
Doch auch bei Stoßlüftung kühlen über das häufige Lüften in der kälteren Jahreszeit die Räume aus, die Heizkosten steigen und die Raumluft wird schnell zu trocken.

Mobile Luftreiniger ergänzen Fensterlüftung

Mobile Luftreiniger können die Fensterlüftung also sinnvoll ergänzen, vor allem in schlecht belüftbaren Räumen. Diese Geräte filtern oder desinfizieren die Luft wirksam, doch nicht alle Desinfektionstechniken sind empfehlenswert. Von Geräten, die Ozon, Wasserstoffperoxid oder Hochspannung verwenden, rät das IFA wegen möglicher Gesundheitsgefahren ausdrücklich ab. Bei Geräten, die mit UV-C-Strahlen arbeiten, sollte laut IFA vorab ein unabhängiger Gutachter vor Ort prüfen, ob das Gerät den konkreten Anforderungen genügt. Standard sind Geräte mit HEPA-Filtern.

Neben den technischen Anforderungen an die Luftreinigung spielt bei der Auswahl des Geräts auch dessen Geräusch- und Zugluftentwicklung eine Rolle; ein Punkt, der in der Stuttgarter Untersuchung von den Nutzern immer wieder kritisiert wurde.

Selbst wenn die Geräte allen Ansprüchen entsprechen, können sie trotzdem nicht ausschließlich eingesetzt werden, betont Simone Peters, Mitautorin der IFA-Studie: "Mobile Raumluftreiniger können die Frischluftzufuhr durch Lüftung über Fenster oder eine Raumlufttechnische Anlage nicht ersetzen. Da sie weder CO2 noch Feuchtigkeit oder sonstige chemische oder biologische Substanzen aus der Luft abtransportieren, braucht es immer auch zusätzlich eine Frischluftzufuhr von außen", sagt Peters.

Filter und Luftaustausch

Noch besser als der Einsatz von mobilen Raumluftreinigern ist laut IFA-Studie auch bei bestehenden Gebäuden der Einbau von Lüftungsanlagen. Sie haben den Vorteil, dass sie jenseits von Aerosolen auch andere in der Luft enthaltene Stoffe nach außen abtransportieren und die Luft austauschen.

Wie bei den Luftreinigern gilt hier: Je höher der geförderte Luftvolumenstrom ist, desto geringer die Ansteckungsgefahr bei virenbelasteter Luft. In der Stuttgarter Untersuchung zeigte sich, dass beim Betrieb der RLT-Anlagen ein geringeres Infektionsrisiko bestand als bei Fensterlüftung. Allerdings stellten die Wissenschaftler auch hier Zuglufterscheinungen fest.

Eine nachträgliche Vergrößerung des Zugluftquerschnitts könnte aber Abhilfe schaffen, so die Studie. Die höheren Einbaukosten für dezentrale Lüftungsgeräte könnten sich durch Wärmerückgewinnung und geringere Heizkosten amortisieren, kalkuliert das IFA.

Studien zu Luftreinigern in Schulen

Expertenempfehlung zu Anforderungen an Luftreiniger

Durch die Corona-Pandemie ist ein hoher Bedarf an mobilen Luftreinigern entstanden. Die Expertenempfehlung "VDI EE 4300 Blatt 14: Messen von Innenraumluftverunreinigungen − Anforderungen an mobile Luftreiniger zur Reduktion der aerosolgebundenen Übertragung von Infektionskrankheiten" wurde entwickelt, um unterschiedliche Techniken und Geräte vergleichen zu können. Die Empfehlunge legt Prüfbedingungen für mobile Luftreiniger fest. Dabei geht es um die Wirksamkeit des gesamten Systems zur Verringerung einer Virenbelastung in einem realen Raum, nicht nur um die Wirkung einzelner Komponenten wie Filter oder UV-C-Strahler.