Anforderungen an Luftreiniger Luftreiniger: Was Betriebe und Schulen beachten sollten

Die kühle Jahreszeit steht bevor und Corona ist immer noch da. Um möglichst normal weiter arbeiten zu können, investieren viele Unternehmer und öffentliche Einrichtungen in Luftreiniger. Was dabei zu beachten ist.

Björn Leutke und sein Onkel Matthias Leutke setzen einen Filter in einen Luftreiniger ein.
Björn Leutke (rechts) und sein Onkel Matthias Leutke setzen am Luftreiniger die Filter ein. Unten ist der Vorfilter, oben der HEPA-Filter zu sehen. - © Ralph Leupolt

Kindergärten, Schulen, Gastronomie: Die Hauptkunden der Gebäudereinigung Leutke sind gleichzeitig diejenigen, die mit Bangen dem Herbst entgegen sehen. Sinkende Temperaturen und steigende Corona-Fallzahlen haben ihnen schon im vergangenen Jahr das Leben schwer gemacht. Jetzt tun die Einrichtungen und Betriebe alles dafür, um in der kalten Jahreszeit möglichst normal arbeiten zu können; auch mit Hilfe der Firma Leutke.

Björn Leutke ist Reinigungs- und Hygienemanager. Mit seinem Vater Claus und seinem Onkel Matthias – beide Gebäudereinigermeister – führt er das Familienunternehmen in Fulda, das 1904 von seinem Ururgroßvater gegründet wurde.

Klassische Gebäudereinigung und mehr

Wie schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts bieten die Leutkes nach wie vor klassische Gebäude­reinigung an, aber auch moderne Dienstleistungen wie die Reinigung von Raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen). "Das hat in der Coronazeit komischerweise aber keine große Rolle gespielt, selbst als Lüftungsanlagen als potenzielle Dreckschleudern in der Diskussion standen", stellt Björn Leutke fest. Seine Kunden wüssten, dass sie ihre Anlagen regelmäßig warten lassen müssen und Infektionen über Lüftungsanlagen dann kein Thema sind, vor allem, wenn sie auch regelmäßig über die Fenster lüften und Kontaktinfektionen vermeiden.

Luftreiniger für Kindergärten, Schulen und Gastronomen

Dennoch hat die Krise Bewegung in Leutkes Geschäft gebracht. Über die Reinigung von RLT-Anlagen ist der Familienbetrieb zum Verkauf von Luftreinigern gekommen. Für seine Kunden stellt das Unternehmen Geräte eines deutschen Herstellers auf, mit dem es seit 15 Jahren einen intensiven Erfahrungsaustausch pflegt. 180 Kilogramm wiegt jeder dieser schrankgroßen Kästen. "Damit zählen sie zu den förderfähigen mobilen Geräten", betont Leutke.

Vor dem Verkauf legt Leutke Wert auf eine gute Beratung. "Es kommt darauf an, wie der Raum genutzt wird. Auch die Raumgeometrie wird vorher analysiert, damit das Gerät ideal aufgestellt wird." Das hohe Gewicht des Luftreinigers sei insofern ein Vorteil, es bestehe kaum die Gefahr, dass jemand das Gerät nachträglich in eine ungünstige Ecke verschiebt. Denn bei der Auswahl und dem Aufstellen von Luftreinigern kann man viel falsch machen.

Das Institut für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung empfiehlt, folgende Punkte zu beachten:

  • Aufstellungsort: Er richtet sich nach Raumnutzung und -geometrie, Personenbelegung und vor allem nach den strömungstechnischen Anforderungen im Raum. Diese sollte eine in Lüftungs- und Klimatechnik fachkundige Person einschätzen. Flucht- und Rettungswege müssen offen bleiben.
  • Luftdurchsatz des Geräts: Das Gerät sollte pro Stunde einen mindestens dreimal, besser fünfmal so hohen Luftvolumenstrom fördern wie das Raumvolumen beträgt. Der Wert wird in m3/h CADR (Clean Air Delivery Rate) angegeben und gilt für die maximale Leistung des Geräts. Kann es wegen der Geräuschbelastung nur mit verminderter Leistung laufen, muss das einberechnet werden. Große Luftreiniger mit hohem Volumenstrom gelten als effizienter als mehrere Kleingeräte.
  • Filterklasse/Abscheidegrad: möglichst HEPA-Filter der Kategorie H13 oder H14 nach DIN EN 1822-1 oder True-HEPA nach amerikanischem Standard (DOE-STD-3020-97) verwenden. Die Filter müssen im Gerät so dicht verbaut sein, dass keine Luft an ihnen vorbei­strömen kann. Ausschlaggebend für die Wirksamkeit ist das Produkt aus Abscheidegrad und Volumenstrom.
  • Lärmschutzanforderungen: Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.7 "Lärm" gibt vor, welche Grenzen einzuhalten sind. Die realen Messwerte vor Ort können höher oder niedriger ausfallen als die vom Hersteller angegebenen Werte.
  • Sachgerechter Betrieb: Luftfilter müssen regelmäßig und fachgerecht kontrolliert, gewartet, instandgehalten, gereinigt und ausgetauscht werden.

Bei vielen Verbrauchern hakt es an der Wartung und dem regelmäßigen Wechsel von Filtern. Die Leutkes zeigen ihren Kunden deswegen schon beim Aufstellen des Gerätes, wie sie den Vor-und den HEPA-Filter selber wechseln können; einmal im Jahr ist das beim Vorfilter nötig, alle zwei Jahre beim HEPA-Filter. Und wer das vergisst: Eine Diode am Gerät leuchtet rot auf, wenn es so weit ist.

Bessere Luft im Klassenzimmer

Die Stadt Oldenburg hat das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) untersuchen lassen, welche Geräte einen Mehrwert für die Luftqualität in Klassenzimmern bringen und worauf bei der Anschaffung zu achten ist.

Die Ergebnisse und Tipps zu Eignung und Gefährdungsbeurteilung lassen sich auch auf andere Bereiche übertragen. Hier geht es zur Datei "Luftfilteranlagen in öffentlichen Gebäuden".

Die Stadt Stuttgart hat das Institut für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung in einer ähnlichen Konstellation beauftragt, Wirksamkeit, Lärm und Betriebssicherheit von Luftreinigern in Klassenzimmern zu untersuchen. Hier geht es zum Abschlussbericht "Pilotprojekt Luftreiniger an Stuttgarter Schulen".
Zentrale Ergebnisse sind:

  • Der Einsatz von Masken im Unterricht reduziert deutlich das Infektionsrisiko und ist eine sehr wirksame Maßnahme zum präventiven Schutz.
  • Das Lüften in den Pausen ist zwingend erforderlich. Grundsätzlich ist der Luftaustausch über Fensterlüftung eine sehr gute, einfach umzusetzende und kostengünstige Maßnahme, um Aerosolkonzentrationen im Raum zu verringern. Eine Dauerkipplüftung trägt in geringerem Maße als die Stoßlüftungsvariante zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit einer Infektion bei.
  • Luftreinigungsgeräte sind keine Alternative zu einem Außenluftwechsel, sie dienen lediglich als Unterstützung zur Partikel‐ und potentiellen Virenreduktion im Raum.
  • die gemessenen Luftreiniger sind bei der notwendigen Abscheidungsleistung und den damit verbundenen hohen Luftströmen zu laut und führen zu hohen Luftgeschwindigkeiten und Zugerscheinungen im Aufenthaltsbereich der Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte.
  • Als langfristige und dauerhafte Lösung wird der Einbau von Raumlufttechnischen Anlagen in Schulen empfohlen. Bei der Dimensionierung von RLT‐Anlagen für Schulgebäude sollte auf möglichst hohe Luftströme geachtet werden, um die beste Raumluftqualität erreichen zu können.