Mit der Übernahme durch die eigenen Mitarbeiter die Unternehmensnachfolge sichern Doppelter Einsatz führt zum Erfolg

Eine Übernahme durch die eigenen Mitarbeiter ist ein Weg, die Unternehmensnachfolge zu sichern. Zwei Mitarbeiter eines Berliner Handwerksbetriebs haben diesen Schritt gewagt und berichten über ihre Erfahrungen.

Timo Böttcher (li.) und Pawel Peters haben sich für eine firmeninterne Nachfolge entschieden und diesen Schritt nicht bereut. Foto: privat

Doppelter Einsatz führt zum Erfolg

Lange überlegt haben sie nicht. Ein paar Tage Bedenkzeit und mit der Familie die Vor- und Nachteile diskutiert. Danach war für Timo Böttcher (32) und Pawel Peters (30) klar, dass sie ihren Chef beerben und eine firmeninterne Nachfolge anstreben. Seit knapp einem halben Jahr sind die beiden nun Geschäftsführer der Kempinger GmbH, Wärme·Wasser·Wartung, in Berlin. „Ich kümmere mich um den kaufmännischen Bereich und Timo Böttcher um den technischen“, erklärt Peters. Im Februar 2006 kam der ehemalige Firmenchef Horst Kempinger auf die beiden Mitarbeiter zu und schlug ihnen die interne Unternehmensübernahme vor. Ein zeitlich straffer Übernahmeplan folgte. Aus Altersgründen wollte sich der Seniorchef schon in den nächsten zwei Jahren zurückziehen. „Ich würde eigentlich für eine Nachfolgeplanung rund fünf Jahre ansetzen“, sagt Peters, der schon seit seiner kaufmännischen Ausbildung im Betrieb ist, im Nachhinein. Zeit, die er nicht hatte. Nachdem klar war, dass Böttcher und Peters die Übernahme schultern, starteten sie ein Mammutprogramm: Zuallererst gab es ein Treffen mit dem Steuerberater, der wiederum die nächsten Schritte einleitete.

Die beiden Geschäftsführer brauchten jeder einen Anwalt und für die benötigte Firmenbewertung einen Wirtschaftsprüfer. „Beschwerlich war es, die richtigen Ansprechpartner im Finanzamt zu finden und dann auch noch die ganzen Unterlagen pünktlich zu bekommen“, berichtet Peters.

Während dieser Zeit, in der sich alle Beteiligten an einem runden Tisch versammelten um über Eventualitäten der Entschlüsse zu debattieren, wünschten sich die beiden das eine oder andere Mal, sie hätten einen Unternehmensberater mit ins Boot geholt. „Jemand der für eine gut funktionierende Kommunikation und Koordination sorgt und auch mal einem den Rücken freihält und über bestimmte Dinge Bescheid weiß“, sagt Böttcher, gelernter Installateur- und Heizungsbaumeister. Im Vorfeld verzichtete man auf einen Berater und fragte bei den zahlreichen Anlaufstellen wie z.B. bei den Innungen und der Handwerkskammer nach. Mittlerweile existiert ein gut funktionierendes Netzwerk, auf das im Fall der Fälle zurückgegriffen werden kann. In den nächsten Jahren stehen im Handwerk rund 200.000 Übernahmen an. Die beliebteste ist nach wie vor die Übergabe in der Familie. Erst ziemlich weit hinten rangiert die firmeninterne Übernahme. Warum, kann auch Peters nicht erklären: „Man weiß auf was man sich einlässt, man kennt das Unternehmen, die Mitarbeiter sowie die Kunden kennen einen. Es gibt einen großen Vertrauensvorsprung. Ich finde diesen Weg ideal.“ Peters und Böttcher entschlossen sich, den Kauf in einer Summe abzuwickeln. Ihr Partner war die Berliner Bank. „Uns war sehr wichtig, dass wir mit regionalen Banken zusammenarbeiten, da diesen auch die regionalen Probleme bekannt sind. Außerdem haben wir immer auf eine offene Kommunikation mit unserer Bank Wert gelegt. Dies hat sich bewährt“, erklärt Peters. Auch jetzt geben die beiden Chefs von 40 Mitarbeitern regelmäßig Auswertungen und Kennzahlen an die Bank, um diese auf dem Laufenden zu halten und bei eventuell auftretenden Schwierigkeiten früh eingreifen zu können.

Von den Mitarbeitern wurde die Übernahme positiv aufgenommen. „Wichtig ist, frühzeitig die Informationen weiterzugeben und die Ziele klar abzustecken“, sagt Peters.

„Reden, reden, reden“ ist deshalb das Motto der beiden Geschäftsführer. Sie pflegen einen regen Informationsaustausch und bringen sich gegenseitig auf den neuesten Stand. Ihre offenen Büros liegen nebeneinander und so bekommt sowieso jeder mit, was der andere gerade macht.

In der Zukunft wollen die beiden den Betrieb so fortführen wie bisher und nicht alles sofort verändern. Denn: „Neue Besen kehren
gut – aber die alten wissen, wo der Dreck ist.“

Informationen: Kempinger GmbH, www.kempinger.de