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Werbungskosten Doppelte Haushaltsführung: Höhere Werbungskosten abziehbar

Die Kosten für eine angemietete Zweitwohnung können im Rahmen der doppelten Haushaltsführung als Werbungskosten geltend gemacht werden. Der Haken dabei: Der Werbungskostenabzug ist auf 1.000 Euro im Monat begrenzt. Ein Urteil des Bundesfinanzhofs erlaubt es nun jedoch, diese Grenze zu überschreiten.

Grundsätze zum Werbungskostenabzug bei einer doppelten Haushaltsführung

Mit dem Werbungskostenabzug im Rahmen der doppelten Haushaltsführung klappt es nur, wenn der Arbeitnehmer dem Finanzamt nachweisen kann, dass er an seinem bisherigen Wohnort weiterhin seinen Lebensmittelpunkt im Form eines Haushalts hat. Kann dieser Nachweis erbracht werden, winkt für die Unterkunftskosten der Zweitwohnung ein monatlicher Werbungskostenabzug in Höhe von maximal 1.000 Euro.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer musste in einer teuren Großstadt aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung mieten. Die monatliche Miete beträgt 1.200 Euro. Die doppelte Haushaltsführung startete im Januar und dauerte das ganze Jahr an. Folge: Zwar musste der Arbeitnehmer für die Zweitwohnung 14.400 Euro aufbringen. Doch als steuersparende Werbungskosten abziehbar sind nur 12.000 Euro (12 Monate x 1.000 Euro).

Werbungskostenabzug auch für Einrichtungsgegenstände

Was viele Arbeitnehmer bei beruflicher Anmietung einer Zweitwohnung nicht wissen. Sie können auch für den Kauf der Einrichtungsgegenstände steuerlich absetzen. Dazu gehören die angemessenen Kosten der Möbel für die Zweitwohnung sowie Haushaltszubehör wie Bettwäsche, Bügeleisen, und Geschirr.

Das Problem dabei: Das Finanzamt rechnete Unterkunftskosten und Kosten für Einrichtungsgegenstände zusammen und ließ vom Gesamtbetrag maximal 1.000 Euro pro Monat zum Werbungskostenabzug zu.

Praxis-Tipp: Doch dagegen wehrte sich ein Arbeitnehmer vor Gericht. Mit Erfolg. Die Richter des Bundesfinanzhofs stellten klar, dass die Abzugsbeschränkungen nur die reinen Unterkunftskosten betreffen (Miete, Abschreibung bei Eigentumswohnung, Kosten für Gas, Wasser, Strom), nicht dagegen die Kosten für Einrichtungsgegenstände und für Haushaltszubehör (BFH, Urteil v. 4.4.2019, Az. VI R 18/17). Das führt dazu, dass das Finanzamt unter dem Strich mehr als 1.000 Euro Werbungskosten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung anerkennen muss.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer war 2018 das ganze Jahr über an einem auswärtigen Beschäftigungsort tätig und mietet sich dort eine Zweitwohnung an (Unterkunftskosten 14.000 Euro). Daneben ermittelte er noch Werbungskosten für Möbel und Haushaltszubehör in Höhe von 6.000 Euro.

Folge: Aufgrund des BFH-Urteils vom 4.4.2019 darf der Arbeitnehmer Werbungskosten in Höhe von 18.000 Euro in seiner Steuererklärung geltend machen (Unterkunftskosten maximal 12.000 Euro + 6.000 Euro für Einrichtungsgegenstände und Haushaltszubehör. Das Finanzamt hat bis dato insgesamt nur 12.000 Euro als Werbungskosten zum Abzug zugelassen.

Verhaltensknigge für betroffene Arbeitnehmer

Da viele Sachbearbeiter dieses Urteil des Bundesfinanzhofs noch nicht kennen, werden Sie nach dem Motto "hoch lebe der Vorgang" die Kosten für Einrichtungsgegenstände und Haushaltszubehör nach wie vor nicht zusätzlich zu den 1.000 Euro monatlich zum Abzug als Werbungskosten zulassen. Hier helfen derzeit nur ein Einspruch und der dezente Hinweis auf das BFH-Urteil v. 4.4.2019.

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