Porträt Kfz-Restaurator erweckt DKW-Rennmaschine zum Leben

Frieder Bach gilt als profunder Kenner der Geschichte der Auto Union mit ihren Marken Horch, Audi, Wanderer und DKW. Sein Wissen fließt in Restaurierungen wie in Bücher.

Frieder Bach
Frieder Bach mit der von ihm nachgebauten DKW-Rennmaschine, deren obere Rahmenstrebe aus Hartholz war, um Gewicht zu sparen. - © Detlev Müller

Immer wenn sich Frieder Bach in seine "Rentnerwerkstatt" zurückzieht, entsteht etwas Besonderes. Wie der DKW F9 Sportwagen, von dem lediglich eine Zeichnung aus dem Jahr 1940 existierte. Der Kfz-Restaurator und Hobbyhistoriker war bei seinen Recherchen über die Auto Union auf die Vorlage gestoßen. Acht Jahrzehnte später erweckte der selbst bald 80-jährige Tüftler den Fronttriebler mit der stromlinienförmigen Karosse zum Leben.

In seinem Buch "Der letzte Auto Union Sportwagen aus Chemnitz" beschreibt Frieder Bach den Prozess der Auferstehung des Fahrzeuges. Jetzt steht der Rennwagen fahrtüchtig im Museum, der aufgrund der Kriegswirren nie gebaut worden war. "Ich kann schon von Glück reden, dass sich bei mir das Talent zum Schrauben und Schreiben vereint. Diese Kombination ist sonst ja eher selten", sagt der Oldtimer-Enthusiast. Besonders vertieft hat er sich in die Ge­schichte des Fahrzeugbaus rund um seine Heimatstadt Chemnitz.

Horch, Audi, Wanderer und DKW bilden Auto Union

In Südwestsachsen liegt die Wiege der Auto Union. Den Oldtimern der Traditionsmarken Horch, Audi (beide aus Zwickau), Wanderer (Chemnitz) und DKW (Zschopau) gilt Frieder Bachs besonderes Interesse. Von jedem der DKW-Serienmotorräder, die zwischen 1922 und 1945 in Zschopau gebaut wurden, gehörte schon einmal ein Exemplar zu seiner Sammlung.

Aber der Kfz-Schlosser und Maschinenbau-Ingenieur be­­gnügt sich nicht mit Fahrzeugen. In seinem Archiv befinden sich unzählige historische Fotos und Dokumente, die er im Laufe von Jahrzehnten bei Zeitzeugen und deren Nachkommen zusammengetragen hat.

Aus Rennfahrer wird Oldtimer-Sammler

Die Oldtimer-Leidenschaft er­­wachte bei Frieder Bach ausgerechnet nach einem Unfall. Eigentlich wollte er wie sein Großvater Ernst Greulich Rennfahrer werden. Dieser hatte 1924 die Reichsfahrt für Motorräder gewonnen. Doch nach einem Sturz Anfang der 1970-er Jahre war das Bein des Enkels so lädiert, dass Frieder Bach auf eine NSU mit Trittbrettern und Handschaltung, Baujahr 1927, umsteigen musste. Der Zündfunke für seine Sammelleidenschaft war gelegt.

In einer Zeit, in der viele Motorradfahrer der Region ihre alten Maschinen ge­­gen neuere Modelle umtauschten, wuchs die Bachsche Sammlung so schnell wie seine Kenntnisse um die historische Technik. Bald war er als Ratgeber in der Szene so gefragt, dass er sein Wissen am liebsten in einem Buch gebündelt hätte. Aber zu DDR-Zeiten durfte er ebenso wenig ein Buch veröffentlichen wie eine Restaurierungswerkstatt eröffnen.

Oldtimerdienst Chemnitz gefragte Adresse für Restaurierungen

Erst nach der Wende konnte Frieder Bach, der bis dahin als Ingenieur bei Barkas und Elite Diamant gearbeitet hat, seine Träume verwirklichen. Der Oldtimerdienst Chemnitz, den heute sein Sohn Thorsten mit zwei Geschäftspartnern leitet, entwickelte sich zu einer ge­­fragten Adresse für Kfz-Restaurierungen. 1992 erschien das lang er­sehnte Buch über die DKW-Motorräder, das in diesen Tagen eine komplett überarbeitete Neuauflage erlebt. "Der Umgang mit den Oldtimern hat sich sehr stark verändert. Damals wurde noch ein möglichst schönes Fahrzeug angestrebt. Heute versuchen wir nach der Charta von Turin so viel wie möglich von der Originalsubstanz zu erhalten", erklärt Bach, der schon eine ganze Reihe von Büchern veröffentlicht hat.

Beim jüngsten Projekt in seiner "Rentnerwerkstatt" konnte sich Frieder Bach auf eine Skizze des ehemaligen DKW-Chefkonstrukteurs Hermann Weber stützen. Bei dem Motorrad handelt es sich vermutlich um die erste DKW-Rennmaschine, von der kein Exemplar mehr existiert. Da viele Teile später in Serienmodellen verbaut wurden, fand Bach sie in seiner Sammlung. Nur der Fahrgestellrahmen fehlte. Damit war sein Ehrgeiz geweckt: Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum des Motorradbaus bei DKW in Zschopau war die historische Rennmaschine fertig.