Ausbildung Digitalpakt für Berufsschulen gefordert

Für die digitale Transformation müssen Lehrer, Schüler und Schulen fit gemacht werden, rät die Bundestagskommission. Deshalb fordert sie unter anderem einen Laptop für alle Auszubildenen sowie Azubi-Tickets.

Die technische Ausstattung in berufsbildenden Schulen soll modernisiert werden. Das fordert die Enquete-Kommission des Bundestages in ihrem Abschlussbericht. - © Monkey Business - stock.adobe.com

Die berufliche Bildung muss sich schneller als bisher der Digitalisierung der Arbeitswelt anpassen. Nötig dafür ist ein Digitalpakt für berufliche Bildung, so eine wichtige Forderung der Enquete-Kommission des Bundestages in ihrem Abschlussbericht. Darüber hinaus sind weitere Anstrengungen notwendig, um die Wirtschaft mit ausreichend Fachkräften zu versorgen. Über die Wege dahin waren sich die 40 Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft allerdings nicht immer einig.

Wollseifer: Geld muss schneller in der Fläche ankommen

Für Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer enthalten die Ergebnisse der Enquete-Kommission "Berufliche Bildung in einer digitalisierten Arbeitswelt" wichtige Impulse, wie Handwerksbetriebe zu unterstützen sind, damit sie an ihrem äußerst hohen Ausbildungsengagement festhalten und so Digitalisierung und Fachkräftesicherung bewältigen könnten.

"Schon jetzt sollte entschlossen bei der Digitalisierung der beruflichen Bildung gehandelt werden", betonte er. So sollten die vorhandenen finanziellen Mittel rasch und umfassend in die Fläche gebracht werden, um Bildungszentren des Handwerks und Berufsschulen zu erreichen. Daneben sollte eine künftige Bundesregierung die Empfehlungen der Enquete-Kommission aufgreifen. Auch das Handwerk habe hier konkrete Gestaltungsvorschläge wie etwa den Pakt für berufliche Bildung eingebracht.

Kommission fordert Laptop für alle Auszubildenden

Nach den von der Kommission ausgearbeiteten Handlungsempfehlungen sollten die Verantwortlichen in Bund und Ländern dafür sorgen, dass die technische Ausstattung der berufsbildenden Schulen modernisiert und finanziell gesichert wird. Auch sollten alle, die eine Aus- oder Weiterbildung absolvieren, über Lernmittelfreiheit oder Regelzuschüsse ein mobiles digitales Endgerät erhalten. Einig waren sich die Experten, dass Kompetenzen von Lehrern und Ausbildern in der Digitalisierung ebenfalls ausgebaut werden sollten.

Darüber hinaus sollten die Zuschüsse des Bundes und der Länder zur Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) schrittweise an eine bedarfsgerechte Drittelfinanzierung unter Berücksichtigung der Ist-Kosten herangeführt werden.

Mit Blick auf die Betriebe heißt es: Angesichts gestiegener Nettokosten der Ausbildung insbesondere für Klein- und Kleinstbetriebe sei an allen geeigneten Stellen zu prüfen, wie Kostenentlastungen herbeigeführt werden könnten.

Azubi-Ticket für alle

Damit Nachwuchskräfte und Betriebe auch räumlich besser zueinander finden, sollte außerdem länderübergreifend die einheitliche Einführung von Azubi-Tickets nach dem Modell des 365-Euro-Tickets geprüft werden, empfiehlt die Kommission. Wo dies nicht reiche, sollten Azubi-Wohnheime zur Verfügung gestellt und zeitgemäß digital ausgestattet werden. Darüber hinaus sollten alle in Aus-und Weiterbildung bei der Lebenshaltung stärker finanziell unterstützt werden.

Nicht einig waren sich die Kommissionsmitglieder bei der Frage, wie die Zahl der Auszubildenden erhöht werden könne. Dies zeigte auch die Diskussion im Rahmen der Vorstellung des Berichtes. Während etwa Politiker von SPD und Grünen oder Vertreter der Gewerkschaften sich weiter für eine Ausbildungsgarantie aussprachen, lehnen Arbeitgeber dies weiterhin ab. Uneinig sind sie sich auch bei der Frage nach dem Recht auf Weiterbildung, wie es in einem Weiterbildungsgesetz festgeschrieben werden könnte.

Die FDP hätte sich dagegen weniger alte Debatten gewünscht. In einem Sondergutachten zur Arbeit der Kommission heißt es: "Sowohl der Umfang als auch die fundamentalen Auswirkungen der Digitalisierung auf die berufliche Aus- und Weiterbildung wurden in der Enquete-Kommission unterschätzt". Sie seien zu oft aus dem Fokus geraten und hinter bereits seit langem geführten Strukturdebatten der beruflichen Bildung zurückgetreten.