Marpe Bau Digital auf dem Bau: Was man von Kollegen lernen kann

Jörg Marpe ist davon überzeugt: „Die Digitalisierung meines Betriebs verschafft mir als Chef mehr Zeit und Freiheit.“ Wie er die Prozesse bei sich umgesetzt hat und was sich andere Handwerksbetriebe abschauen können.

Jessica Schömburg

Bei Marpe Bau haben die Mitarbeiter nicht nur Smartphones oder Tablets, sondern auch viele Arbeitsabläufe werden digital gesteuert. – © Marpe Bau

„Das haben wir immer schon so gemacht.“ Diesen Satz gibt es bei Jörg Marpe nicht. Der Geschäftsführer des hessischen Handwerksbetriebs Marpe Bau und sein Team setzen auf digitale Betriebsstrukturen – und das nicht erst seit der Corona-Krise.

Wenn man von Digitalisierung spricht, sind damit oft nur vereinzelte Maßnahmen gemeint – eine Website, eine digitale Angebotserstellung oder Investitionen in die IT-Sicherheit. Für Marpe gehört das alles zusammen. „Wir haben unseren gesamten Betrieb digitalisiert“, sagt der Handwerkschef, der sich schon seit Jahren für das Thema interessiert und vieles ausprobiert hat, um seine Firma für Tief- und Straßenbau zukunftsfähig aufzustellen.

Damit gehört Marpe zu einer sehr kleinen Gruppe im Handwerk. Laut „Digitalisierungsbarometer für das Bau- und Ausbauhandwerk in Baden-Württemberg“, einer aktuellen Studie des Baden-Württembergischen Handwerkskammertags und dem Portal „wirsindhandwerk“, zeigt sich, dass viele Betriebe nur punktuelle Maßnahmen im Bereich der Digitalisierung umsetzen. Nur zwölf Prozent der Befragten verfügen über eine langfristige Vision mit konkreten Digitalisierungszielen für ihr Unternehmen.

Betriebsstrukturen, Zeit und Geld sind entscheidende Faktoren

Die Studie zeigt auch, dass das Alter eine wichtige Rolle spielt. Jüngere Handwerker bis 50 gehen eher davon aus, dass die Digitalisierung ihren Beruf in Zukunft weiterbringen wird und sind aufgeschlossener als die Altersgruppe ab 50 Jahren. Der 41-jährige Bauunternehmer sieht aber nicht nur sein Alter als einen Vorteil, sondern auch die jungen Strukturen in seinem Betrieb. 2013 wurde er Geschäftsführer des elterlichen Betriebs in Twistetal bei Kassel. Starre, veraltete Strukturen gab es nicht. Der Unternehmer konnte von Anfang an moderne digitale Standards in den Betriebsalltag integrieren.

Er hat viel Energie in die Weiterentwicklung des Betriebs gesteckt. Von damals einem Mitarbeiter ist sein Team zu einem 50-Mann starken Unternehmen gewachsen. Auch in diesem Punkt bestätigt Marpe die Daten des Digitalisierungsbarometers. Größere Betriebe mit mehr Mitarbeitern haben demnach mehr Zeit und Ressourcen sich um die Digitalisierung zu kümmern. Kleinere Betriebe hingegen investieren nur wenig Zeit und finanzielle Mittel in die Digitalisierung.

Jörg Marpe hat 2013 den Baubetrieb im hessischen Zwistetal von seinen Eltern übernommen.

Digital unterwegs von Angebotserstellung bis Baustelle

Wie viele andere Betriebe auch, setzt Marpe Bau auf digitale Hilfsmittel bei den Geschäfts- und Verwaltungsprozessen. Im Bauhandwerk verbreitet ist vor allem der Einsatz von Software zur Angebotserstellung und Kalkulation. 73 Prozent der Betriebe machen laut Studie davon Gebrauch. Marpe sieht darin viele Vorteile. Er kann seinen Kunden in vielen Fällen mit Hilfe moderner Technik ein Angebot unterbreiten, das auf den Cent genau berechnet ist. Ein Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. „Die Kunden freuen sich über diese Kostensicherheit und dadurch habe ich schon einige Stammkunden gewonnen“, erklärt der Unternehmer.

Zusätzlich ermöglichen es digitale Zeiterfassung und Baudokumentation Projekte gut zu steuern und Zeit zu sparen. Und auch auf der Baustelle selbst können seine Mitarbeiter schnell und effizient arbeiten. Die Handwerker verwenden Diensthandys und Tablets. Kaputt gegangen seien bisher nur wenige Geräte, da es robuste Modelle sind. „Es kommt auch schon mal vor, dass ein Handy unter den Bagger kommt, aber auch das überstehen die Geräte“, erklärt Marpe.

Fahrtwege sparen und virtuelle Meetings nutzen

Ein weiteres Beispiel, bei denen er mit digitalen Hilfsmitteln Zeit spart, ist die wöchentliche Vorarbeiterbesprechung. Jeden Donnerstag tauscht er sich mit seinen Vorarbeitern über laufende Projekte aus, klärt Fragen und bringt alle auf den neuesten Stand. Da seine Mitarbeiter aber auf unterschiedlichen Baustellen arbeiten, findet diese Besprechung mittlerweile nur noch digital statt. Über Microsoft Teams loggen sich alle ein, jeder kann bei seiner Baustelle vor Ort bleiben und keiner muss zu ihm in den Betrieb kommen. In Zeiten von Corona zusätzlich ein Plus.

Mittlerweile kann er selbst Probleme, die 70 Kilometer entfernt auf einer Baustelle auftreten, virtuell lösen. Auch über Teams. Die Microsoft Software nutzt er auch zur Ablage von Dokumenten und sie macht den Messenger Whatsapp überflüssig, den Marpe aus Datenschutzgründen nicht verwendet. So können die Kollegen einfach miteinander kommunizieren.

Alle Mitarbeiter ins Boot holen

Der Bauunternehmer ist überzeugt, dass auch andere Betriebe sich eine digitale Zukunftsstrategie zulegen können. Aus seiner Sicht sind dafür vor allem Aufgeschlossenheit und Interesse an der neuen Technik nötig – sowohl beim Chef als auch bei den Mitarbeitern. Wichtig sei vor allem eine gute interne Kommunikation mit dem Team.

Ihm ist wichtig, dass seine Mitarbeiter über die Prozesse im Betrieb Bescheid wissen. Neue digitale Ideen kann er auch deshalb gut umsetzen, weil seine Mitarbeiter alle mit dabei sind und die Strategie mittragen. Das Alter der Mitarbeiter spiele dabei laut Marpe keine Rolle.

Betrieben, die auch an ihrer digitalen Struktur arbeiten möchten, empfiehlt der Bauunternehmer auf jeden Fall Tipps bei Handwerkskollegen einzuholen: „Es ist am besten bei anderen Betrieben mal zu fragen, welche Programme und Ausrüstung die Kollegen verwenden, bevor man sich vorschnell von einem Hersteller abhängig macht. So kann man von der Erfahrung anderer Betriebe profitieren.“