Barrierefreies Wohnen Dieser Hauslift braucht nur 0,8 Quadratmeter Platz

Ein Schweizer Unternehmen hat gemeinsam mit einem Schreinermeister vom Bodensee einen modularen Fahrstuhl entwickelt, der in nahezu jede Immobilie passt – und vom Schreiner eingebaut werden kann. Auf der Sonderschau "Innovation gewinnt!" der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München wird das Konzept aktuell vorgestellt. Was der Lift kann, was er kostet und warum Flexomobil jetzt Handwerkspartner sucht.

Ralph Leuenberger und Marc Schwerzler von der Geschäftsführung bei Flexomobil mit Mathias Hug (v. li.)
Ralph Leuenberger und Marc Schwerzler von der Geschäftsführung bei Flexomobil mit Mathias Hug (v. li.) vor einem Hauslift. - © HWK KN / Julia Kipping

"Wir können den Lift so einbauen und gestalten, wie es sich der Kunde wünscht", erklärt Mathias Hug das Konzept hinter dem Fahrstuhl. Der Schreinermeister aus Gottmadingen arbeitet mit Flexomobil zusammen und war an der praktischen Ausgestaltung beteiligt. "Viele wollen nicht, dass der Lift sichtbar ist. Wir können ihn sowohl optisch als auch in der Größe individuell anpassen und beispielsweise hinter einer Tür oder in einem Schrank verschwinden lassen."

Passt in die kleinste Ecke

In der kleinsten Ausfertigung benötigt der Fahrstuhl nur wenig Platz. Ein Einbau ist ab einer Fläche von 0,8 Quadratmetern möglich. Durch das modulare System lässt sich die Größe auf den Bedarf anpassen - ob Rollstuhl, Rollator oder ohne Hilfsmittel. "Der Lift passt in nahezu jede Immobilie", legt sich Hug, der mit seinem Vater Robert Geschäftsführer der Schreinerei ideal Möbelbau in Gottmadingen ist, fest.

Für den deutschen Markt hat Flexomobil, deren Hauptsitz in Islikon in der Schweiz ist, eine Zweigstelle in Gottmadingen gegründet – im Gebäude der Schreinerei. In den Schulungsräumen sind verschiedene Lifte aufgebaut. Das Grundgerüst besteht aus Stahlträgern, einem Motor mit Ausgleichswaage und Flachriemen und entsprechenden Plattformen. Die optische Aufwertung übernimmt der Schreiner nach den Wünschen des Kunden. "Der Lift ist auf eine Zuladung von 250 Kilo ausgelegt", erklärt Hug. Das sei die einzige Beschränkung, wenn es um Verkleidung und Ausstattung gehe.

Bausatz sucht Partner

Nun sollen auch andere Handwerker von dem Konzept überzeugt werden. "Das Produkt ist so konzipiert, dass ein geschulter Schreiner den Fahrstuhl einbauen und in Betrieb nehmen kann", erklärt Marc Schwerzler, Geschäftsführer bei Flexomobil in der Schweiz. Erste Schnuppertage haben bereits in Gottmadingen stattgefunden, nun werden weitere Partner gesucht. "Das System ist ein Bausatz, der einfach ineinandergesteckt und so flexibel in Breite, Tiefe und Höhe angepasst wird. Ziel ist es, den Lift innerhalb weniger Tage auszuliefern", erklärt Schwerzler.

Präsentation auf der IHM

Flexible Größe, einfacher Aufbau, individuelle Gestaltung – der Hauslift hat es als Innovation im Handwerk auf die Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München geschafft. Auf der Sonderschau "Innovation gewinnt!" präsentiert sich Flexomobil Anfang März gemeinsam mit elf anderen Ausstellern aus Deutschland. "Unser Produkt baut Barrieren ab und unterstützt Menschen darin, auch mit Beeinträchtigungen weiter aktiv am Leben teilzuhaben. Sie können länger ohne fremde Hilfe in ihrem Haus bleiben", erklärt Siegfried Schmid, Firmenchef von Flexomobil seinen Antrieb. Er sieht großes Potenzial in dem Bereich. "Die wenigsten Häuser sind altersgerecht", sagt er. Durch den demografischen Wandel werde der Bedarf immer größer.

Dass sich die gesundheitliche Situation von einem auf den anderen Tag verändern kann, erfuhr Schmid, als ein Geschäftsfreund einen Schlaganfall erlitt. Den eilig eingebauten Treppenlift konnte dieser nur mit Hilfe benutzen. Er war plötzlich auf andere angewiesen. Schmid entwickelte den Lift, da kein anderes Produkt auf dem Markt die Anforderungen erfüllte.

Hauslift
Grüne Decke, Holzfußboden, indirekte Beleuchtung - wie der Lift aussieht, bestimmt der Kunde. - © HWK KN / Julia Kipping
Das Stahlgerüst des Fahrstuhls
Das steckt in dem Fahrstuhl: Das Stahlgerüst wird durch den Schreiner verkleidet. - © HWK KN / Julia Kipping

Kein gefährliches Umsteigen

Gemeinsam mit Adrian Fassbind, Professor an der School of Engineering an der ZHAW Zürich, und Studierenden konstruierte er das neue Liftsystem und meldete das Patent an. "Unser Lift braucht weniger Platz als die von anderen Herstellern", sagt Marc Schwerzler. Anders als bei einem Treppenlift gäbe es kein gefährliches Umsteigen und die Treppe bleibe für andere Hausbewohner frei. Zudem steige laut Schwerzler der Wert einer Immobilie durch den Einbau eines senkrechten Lifts. Mit Blick aufs Alter machten sich sogar junge Hausbauer über einen Lift Gedanken. In der Grundausstattung kostet er 30.000 Euro.

Sicherheit ist wichtig

Bei der Entwicklung des Lifts spielte Sicherheit eine große Rolle. Gerüst, Motor und Elektronik kommen von namhaften Herstellern aus der Schweiz. Im Fahrstuhl lassen sich Notrufknopf, Kamera oder eine zusätzliche Batterie einbauen, falls der Strom ausfällt. Dank einer Selbstrettung, die von innen und außen möglich ist, könne auf jährliche Wartungen wie bei anderen Herstellern verzichtet werden, ergänzt Mathias Hug.

Passgenaue Angebote machen

Mathias Hug ist das Thema Barrierefreiheit nicht neu. Sein Vater engagiert sich schon lange für seniorenfreundliches Bauen und ist im Verein Pluspunkt Handwerk aktiv, der von der Kreishandwerkerschaft Westlicher Bodensee und dem Kreisseniorenrat Konstanz ins Leben gerufen wurde. Seit Jahren setzt er sich für die Belange von Menschen mit Beeinträchtigungen ein. In dem Verein Pluspunkt Handwerk haben sich Handwerker zusammengeschlossen, um Menschen mit besonderen Bedürfnissen passgenaue Angebote zu machen.