Mit 50 noch einmal die Meisterprüfung, mit 54 die Firmenübernahme: Gero Häuschen hat bei der Übernahme eines Autohauses nichts dem Zufall überlassen. Sein Weg ins Chefbüro war langfristig geplant – und auch für die Nachfolge ist bereits gesorgt.

Mit 54 Jahren ist Gero Häuschen angekommen. An der Spitze eines Autohauses, das er seit mehr als 30 Jahren von innen kennt. "Ich wollte mich verwirklichen, und nicht nur auf die Rente warten. Mit der Übernahme habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt", sagt er heute. Dass er diesen Weg vom Angestellten zum Chef eines Handwerksunternehmens einschlagen würde, war lange alles andere als selbstverständlich. "Ich bin in der DDR geboren und war Sohn von normalen Arbeitern. Einen eigenen Betrieb zu führen, war damals undenkbar."
Gero Häuschen ist gelernter Kfz-Elektriker und trat bereits 1993 in den Betrieb ein, den er heute führt. Über die Jahre arbeitete er sich hoch, zuletzt war er Serviceleiter. Als der damalige Firmeninhaber aktiv nach einer Nachfolgelösung suchte, stellte sich für den Erfurter erstmals ernsthaft die Frage: Was passiert mit mir, wenn der Chef verkauft? Und warum eigentlich nicht selbst übernehmen?
Vorbereitung statt Schnellschuss
Die Entscheidung fiel nicht über Nacht. Rund zwei bis drei Jahre bereitete sich Gero Häuschen akribisch auf die Übernahme vor – fachlich und organisatorisch. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Meistertitel, den er für die Übernahme benötigte. Mit 50 Jahren drückte er noch einmal die Schulbank. "Ich war mit Abstand der Älteste in der Klasse. Die jungen Kerle machen alles auf dem Laptop, ich schreibe noch mit Stift", erinnert er sich schmunzelnd.
Doch Aufgeben kam nicht infrage. "Ich musste das Lernen wieder lernen. Aber ich habe mich reingefuchst", sagt er. Dank seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Servicetechniker wurde ihm der erste Teil der Meisterausbildung anerkannt, den übrigen Stoff zog er in nur neun Monaten durch. Die Übergabe des Meisterbriefs im Jahr 2020 war für ihn ein besonderer Moment: "Darauf war ich richtig stolz."
Unterstützung der Kammer
Eine wichtige Begleiterin auf dem Weg in die Selbstständigkeit war Melanie Kirchner, Betriebsberaterin der Handwerkskammer Erfurt. Sie unterstützte Häuschen nicht nur aktiv im Übernahmeprozess, sondern ermutigte ihn auch zur Teilnahme am ThEx-Award, bei dem er im vergangenen Jahr den dritten Platz in der Kategorie "Nachfolgen" belegte. "Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet und war sehr überrascht. Ich hatte mir anfangs gedacht: Ich kann nichts verlieren, sondern im besten Fall ein großes Netzwerk dazugewinnen. Und genauso war es."

Der dritte Platz im Wettbewerb könnte auch als Lohn verstanden werden. Denn: Die gut vorbereitete Übernahme fiel in die Coronazeit – und verzögerte sich durch die Einschränkungen der Pandemie erheblich. Verträge mussten angepasst, Markenstandards eingehalten, der Handelsregistereintrag geändert und zahlreiche Gespräche mit Banken geführt werden. "Das war kein Spaziergang", sagt Gero Häuschen offen.
Sein Ziel: den Betrieb im Sinne des alten Chefs weiterführen und gleichzeitig mit eigenen Ideen weiterentwickeln. Der Name des Autohauses – Eberhardt Flügel – ist dagegen geblieben. "Er ist weit im Umkreis von Erfurt bekannt. Und wir sind mit dem Unternehmen verwurzelt."
Das erste Jahr als Inhaber verlief wirtschaftlich gut, die Ergebnisse konnten sogar verbessert werden. In diesem Jahr hat Häuschen zudem eine betriebliche Gesundheitsvorsorge eingeführt – ein klares Zeichen dafür, dass er Verantwortung nicht nur für Zahlen, sondern vor allem für sein Team übernimmt. Viele Mitarbeitende arbeiten bereits seit 20 Jahren und länger mit ihm zusammen.
An die nächste Nachfolge denken
Neben seinem Team bekommt Gero Häuschen vor allem Rückhalt von seiner Frau, die Lehrerin ist und das Autohaus unterstützt. Und ab Frühjahr auch von seinem Sohn Moritz. Der ausgebildete Polizist will künftig in die Serviceberatung einsteigen. "Denn irgendwann brauche auch ich einen Nachfolger", sagt Häuschen.