Mit Bitcoin bezahlen Dieser Estrichlegermeister ist Elon Musk drei Jahre voraus

Tesla akzeptiert seit dieser Woche Bitcoin als Zahlungsmittel. Bei Alperen Aytekin geht das schon seit 2018. Im DHZ-Interview verrät der Estrichlegermeister, welche Erfahrungen er bislang mit der Kryptowährung gemacht hat und ob er sich vorstellen könnte, auch Teile seines Betriebsvermögens in Bitcoin zu investieren.

Max Frehner

Den Handwerker in Bitcoin bezahlen: Bei Estrichlegermeister Alperen Aytekin aus dem hessischen Griesheim geht das bereits seit drei Jahren. - © escapejaja - stock.adobe.com

DHZ: "Sie können Ihren Tesla jetzt in Bitcoin bezahlen", twitterte Elon Musk diese Woche. Herr Aytekin, Sie akzeptieren die Kryptowährung bereits seit März 2018 als Zahlungsmittel. Warum?

Alperen Aytekin: Ich war damals sofort fasziniert, als ich von Bitcoin erfahren habe. Leider viel zu spät, sonst hätte ich es schon früher angeboten. Hinter Bitcoin steht ein dezentrales und völlig unabhängiges Zahlungssystem. Die Nutzer können ohne Vermittler binnen Sekunden Geld hin- und herschicken, auch an einem Sonntag ist der Betrag sofort beim Empfänger. Ich brauche also keine Bank, es geht schnell und ich zahle deutlich weniger Gebühren. Für mich sind Bitcoin ein zukunftsgerichtetes System – und ich habe mir vor drei Jahren gedacht: da bin ich lieber jetzt als zu spät dabei. Der Marketing-Gedanke hat natürlich auch eine Rolle gespielt. Ich wollte der erste Handwerksbetrieb Deutschlands sein, der Bitcoin als Zahlungsmittel anbietet. Ich hoffe aber auch, dass sich durch mein Angebot mehr Menschen und Unternehmen für das Thema Kryptowährungen öffnen.

DHZ: Viele Menschen blicken beim Thema Bitcoin nicht durch. Haben Sie eine einfache Erklärung parat?

Aytekin: Ich erkläre das immer an folgendem Beispiel: Wenn mir ein Kunde 50 Euro in die Hand drückt, dann geht das Geld – wie auch beim Bitcoin – von einer Person direkt zur anderen Person über. Wenn mir der Kunde die 50 Euro überweist, dann sind noch andere Personen in den Prozess involviert – und die müssen bezahlt werden. Letztlich kommen die 50 Euro zwar bei mir an, aber der Sender muss eine Überweisungsgebühr an die Bank bezahlen. Das ist ein Vorteil von Bitcoin, der jedem Kaufmann sofort einleuchten muss.

DHZ: Welche Voraussetzungen mussten Sie schaffen, um die Zahlungsoption anbieten zu können?

Aytekin: Man muss sich auf einer Handelsplattform registrieren und verifizieren – bei mir lief das über ein VideoIdent-Verfahren ab. Und dann braucht es noch eine virtuelle Geldbörse, ein sogenanntes Bitcoin-Wallet, um mit Bitcoin handeln zu können. Ist das eingerichtet, kann´s auch schon losgehen.

DHZ: Wie verdient die Handelsplattform daran?

Aytekin: Registrierung und Verifizierung sind kostenlos. Es fallen aber Wechselgebühren an, sobald ich eine Fiat-Währung – also zum Beispiel Euro – in Bitcoin tauschen will. Dasselbe gilt im umgekehrten Fall.

DHZ: Wie viele Kunden haben in den vergangenen drei Jahren in Bitcoin bei Ihnen bezahlt?

Aytekin: Drei oder vier Rechnungen wurden bislang in Bitcoin beglichen. Das waren Kunden, die wie ich Fans der Kryptowährung sind und den Bezahlprozess einfach mal ausprobieren wollten. Mehr sind es bislang noch nicht. Das liegt aber auch daran, dass ich überwiegend mit der öffentlichen Hand zusammenarbeite. Wie man sich vorstellen kann, sind die Kommunen in Sachen Digitalisierung und Kryptowährung noch nicht so weit, als dass sie dieses Angebot nutzen würden.

DHZ: Und Sie selbst, haben Sie auch schon in Bitcoin bezahlt?

Aytekin: Mit der Firma nicht, privat aber schon mehrfach. Mein Smartphone habe ich beispielsweise in Bitcoin bezahlt.

DHZ: Sie haben sich ja vergleichsweise früh für die Kryptowährung interessiert – und vermutlich auch investiert. In den vergangenen fünf Monaten ist der Kurs von 10.000 auf 50.000 Euro geklettert. Wie reich sind Sie?

Aytekin:(lacht) Als ich angefangen habe, mich für Bitcoin zu interessieren, gab es die Währung schon mehr als zehn Jahre. Ich habe die beste Zeit eigentlich verschlafen. Nichtsdestotrotz habe ich 2018 investiert. Wenn man sich die Kurse von damals und heute anschaut, kann man sich in etwa ausrechnen, dass sich das für mich trotzdem noch sehr gelohnt hat.

DHZ: Tesla hat kürzlich für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoin gekauft. Könnten Sie sich ebenfalls vorstellen, Teile Ihres Betriebsvermögens in Bitcoin zu investieren?

Aytekin: Ich könnte es mir vorstellen, bin bislang aber nicht mit meiner Firma investiert. Ein Handwerksbetrieb kann mit Tesla natürlich nicht verglichen werden. Dort ist viel mehr "Spielgeld" vorhanden. Privat würde ich es jedem empfehlen, das habe ich auch 2018 schon, als der Bitcoin noch weniger als 10.000 Euro wert war. Ich habe damals Seminare gemacht und gesagt: "Kauft euch ein oder zwei Bitcoin und ihr werdet sehen, der Kurs wird spätestens 2025 explodieren." Einige sind meinem Rat gefolgt. Die anderen rufen mich jetzt an und sagen, dass sie mal lieber auf mich gehört hätten.

DHZ: Was wäre denn ein guter Zeitpunkt bzw. Kurs für ein Investment?

Aytekin: Zum aktuellen Kurs würde ich nicht einsteigen. Er wird aber auch wieder nachgeben und könnte kurzzeitig unter 20.000 Euro fallen. Das wäre ein guter Zeitpunkt für ein Investment. Langfristig gehe ich davon aus, dass der Bitcoin eine Marke von 150.000 Euro bis 250.000 Euro erreichen kann.

DHZ: Bitcoin werden von vielen Menschen noch immer mit dem Darknet in Verbindung gebracht – und genießen entsprechend keinen guten Ruf. Hat der Bitcoin denn eine realistische Chance, sich als Zahlungsmittel zu etablieren?

Aytekin: Ganz gewiss. Schon jetzt ist zu erkennen, dass Bargeld immer weiter an Bedeutung verliert und zunehmend mit Karte oder Smartphone bezahlt wird. In der digitalen Welt sind Bitcoin das Äquivalent zur Barzahlung, weil es eben keinen Dritten gibt, der in die Transaktion eingreift. An den Vorwürfen ist natürlich etwas dran. Von 2010 bis 2015 waren Bitcoin das gängige Zahlungsmittel im Darknet. Aber wenn jetzt Menschen wie Bill Gates oder Elon Musk für den Bitcoin werben, dann dürfte der schlechte Ruf schon bald abgeschüttelt sein. Aktuell liegt der Reiz für Kunden sicherlich vor allem in der Neugier. Das funktioniert erstmal gut als Marketing-Gag. In der Schweiz kann ich mir zum Beispiel eine Currywurst holen und mit umgerechnet 0.001945 Bitcoin bezahlen. Wenn aber in Zukunft immer mehr Betriebe diese Möglichkeit anbieten, bin ich überzeugt, dass sich Bitcoin als ernstzunehmendes Zahlungsmittel in der Gesellschaft etablieren werden.