Ausblick Pick-up: Ram will neue Maßstäbe setzen

Stellantis-Tochter stellt bei CAS ihr Konzept eines batterieelektrisch angetriebenen Ram 1500 vor. Auch Maxus setzt beim Pick-up auf E-Antrieb. Zudem bringen Ford und VW 2023 eine neue Generation ihrer Pick-ups an den Start. Eine Marktübersicht.

Ram 1500 BEV Concept-Car
Der Pick-up – neu definiert: Einen Blick in die Zukunft der Pritschenwagen gewährte Ram auf der CES in Las Vegas. - © Stellantis

Obwohl Pick-ups hierzulande mit geschätzten 25.000 Neuzulassungen pro Jahr eher ein Nischen­dasein fristen, haben sie doch unter Handwerkern ihre Fans. Für sie lohnt sich ein Blick auf das Angebot, weil der Markt gerade mächtig in Be­wegung ist.

Wohin die Reise bei den Pick-ups geht, war Anfang Januar auf der CES 2023 zu sehen. Zur weltgrößten Elektronikmesse in Las Vegas sind längst nicht mehr nur die neuesten Fernseher oder Handys zu sehen. Auch viele namhafte Automobilbauer gewährten dort mit Konzeptfahrzeugen einen Blick in die Zukunft. Das Auto wandelt sich vom reinen Fahrzeug zum rollenden Rechner.

Da macht der Pick-up keine Ausnahme, wie die amerikanische Lkw-Tochter von Stellantis zeigte. Mit dem Ram 1500 Revolution BEV Concept Car soll das Pickup-Segment neu definiert werden. "Hinsichtlich Reichweite, Anhängelast, Nutzlast und Ladezeit werden wir neue Maßstäbe setzen", kündigte Ram-Geschäftsführer Mike Koval Jr. in Kalifornien an.

Klappsitze in dritter Reihe und keine B-Säule

Der vollelektrische Pick-up verfügt als erster Ram über eine dritte Sitzreihe mit Klappsitzen. Die gegenläufig öffnenden Seitentüren ermöglichen einen leichten Zugang zur Kabine ohne störende B-Säule. Die Mitteltür mit elektrischer Heckscheibe öffnet einen Durchgang vom vorderen Kofferraum bis hin zur Ladefläche. So lassen sich bei geschlossener Hecktür bis zu 5,5 m lange Gegenstände laden. Eigene Elektromotoren an der Vorder- und Hinterachse sorgen für Allradantrieb, die Vierradlenkung mit bis zu 15 Grad Lenkwinkel ermöglicht eine bessere Manövrierfähigkeit.

Dank der Gleichstrom-Schnell­ladetechnik mit 800 Volt und bis zu 350 kW Ladeleistung lassen sich in 10 min bis zu 160 km Reichweite nachladen. Ein induktiver Lade­roboter, der sogenannte Ram-Charger, fährt in der heimischen Garage automatisch unter das Fahrzeug und lädt es außerhalb der Spitzenlastzeiten auf.

Was vom Konzept-Pick-up auf der CES beim Serienmodell übrigbleibt, will Stellantis in den nächsten Monaten be­kanntgeben. Immerhin soll der Ram 1500 BEV schon 2024 auf den Markt kommen.

Aber so lange muss man nicht warten, um bei den Pick-ups auf Neuigkeiten zu stoßen, nachdem sich zuletzt mit dem Nissan Navara und dem Mitsubishi L200 zwei wichtige Vertreter dieser Fahrzeuggattung aus Deutschland zurückgezogen haben. Mit ihnen verschwanden auch ihre baugleichen Schwestern: Mercedes-Benz verabschiedete sich von der X-Klasse, ebenso wie Renault vom Alaskan oder Fiat vom Fullback.

Ranger und Amarok: Kooperation der Platzhirsche

Zu­­rück bleiben die Platzhirsche Ford Ranger und VW Amarok. Beide schicken nächstes Jahr eine neue Generation an den Start, die sich nur noch äußerlich unterscheiden wird. Außerdem feiert 2023 der erste Pick-up mit Elektroantrieb seine Premiere.

Der neue Ford Ranger wird in mehreren Versionen angeboten. An der Spitze steht der Raptor – mit einem Einstiegspreis von 64.990 Euro netto auch bei der Preisliste. Zur Serienausstattung gehören neben der Zehn-Gang-Automatik und elektronisch gesteuertem Allradantrieb ein Off-Road-Paket mit sieben Fahrmodi und Anhänger-Rückfahr-Assistent. Günstiger zu haben sind die Varianten Platinum, Wild­trak und Limited, die anders als das Topmodell von Dieselmotoren angetrieben werden.

Der Wildtrak war in der Vorgängerversion der beliebteste Ford Ranger der Deutschen. 53,2 Prozent der Kunden entschieden sich für diese Variante, die künftig inklusive Sechs-Gang-Automatik ab 47.490 Euro netto angeboten wird. Eine luxuriösere Ausstattung bietet der Platinum. Für 54.290 Euro netto gibt es zum Beispiel Ledersitze, die zehnfach elektrisch verstellbar sind und über Heiz- und Kühlfunktionen verfügen. Fünfter im Bunde wird der XLT sein, den gewerbliche Kunden ab 38.590 Euro netto bestellen können. Das Einstiegsmodell ist mit einer manuellen Sechs-Gang-Schaltung ausgestattet, kann aber wie alle Rangers 3,5 t Anhängelast schleppen.

Bisher keine Bestätigung für Pick-up von Audi

Ein Stück weit hat sich auch Volks­wagen Nutzfahrzeuge vom Pick-up verabschiedet. Die Produktion des Amarok in Hannover wurde eingestellt. Die zweite Generation des Pritschenwagens läuft in Kooperation mit Ford zusammen mit dem Ranger in Südafrika vom Band, wird sich aber optisch von diesem unterscheiden. Vor allem die Frontpartie und die wuchtigen Radkästen sollen dem Amarok vom Ranger abheben. Beim Antrieb vertraut VW auf die Motoren von Ford.

Gegenüber der ersten Generation, die für den südamerikanischen Markt in Argentinien weitergebaut werden soll, ist der neue Amarok um 96 mm auf eine Länge von 5,35 m gewachsen. Da der Radstand mit 173 mm noch deutlicher zulegte, verkürzt sich der Karosserieüberhang zugunsten eines besseren Böschungswinkels. Auch die gestiegene Wattiefe um 300 auf 800 mm verbessert die Offroad-Qualitäten des Amarok, der zudem mit 1,16 t eine höhere Nutzlast als sein Vorgänger schultern kann. Preise hat VW noch keine be­kannt gegeben.

Das Gerücht, dass auch Audi einen Pick-up an den Start bringen will, hat sich bisher nicht konkretisiert. Seit den Andeutungen von Audi-Chef Markus Duesmann zur Jahrespressekonferenz im vergangenen Frühjahr haben die Spekulationen keine neue Nahrung bekommen.

Maxus machts möglich: Erster Pick-up mit Elektroantrieb

Mit dem Maxus T90 EV wird im nächsten Jahr erstmals ein rein elektrisch angetriebener Pick-up auf den Markt kommen. Seine öffentliche Premiere feierte der Newcomer zur Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation in Hannover. Der 204 PS starke Elektromotor schickt ein Drehmoment von 310 Nm an die Hinterachse. Die 89 kWh große Batterie ermöglicht nach Angaben des chinesischen Herstellers eine Reichweite von bis zu 330 km. Hinter der Doppelkabine bietet die Pritsche eine Ladefläche von 1,49 x 1,51 m.

Der Toyota Hilux gehört seit vielen Jahren zu den festen Größen auf dem Pick-up-Markt. In Großbritannien entwickelt der japanische Hersteller einen Wasserstoffantrieb für den Hilux. Als Basis dienen die Brennstoffzellen, die bereits im Pkw Mirai zum Einsatz kommen. Die ersten Prototypen sollen 2023 in Burnaston vom Band rollen. Nach erfolgreicher Erprobung plant Toyota eine Klein­serie der abgasfreien Pick-ups.

Während Nissan und Mitsubishi ihre Pick-up-Aktivitäten in Deutschland eingestellt haben, kehrte Jeep nach fast drei Jahrzehnten mit einem eigenen Modell zurück. Der Gladiator basiert auf dem beliebten Wrangler, teilt dessen Offroad-Qualitäten, wendet sich jedoch eher an Outdoorsportler als an Gewerbetreibende. Einstiegspreis: 50.840 Euro netto.

Bereits zwei Jahre länger auf dem Markt ist der Ssang-Yong Musso, den es in zwei Längen und wesentlich günstiger gibt. Freilich fehlt dem Koreaner der Kultstatus eines Jeeps, dafür orientiert er sich stärker an den Bedürfnissen der Arbeitswelt und bietet dank 570 mm hoher Bordwand viel Ladevolumen (1.011 bzw. 1.262 l).

Mit dem Isuzu D-Max vervollständigt ein alter Bekannter das Pick-up-Angebot. Seit 2006 in Deutschland am Start, wurde der D-Max zuletzt 2019 erneuert.