"Jahressteuergesetz light" Diese Steuerregeln kommen noch 2013

Nach monatelangem Tauziehen wurde das Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Wie schon der bürokratische Name dieses Gesetzes vermuten lässt, sind die neuen Vorschriften meist kompliziert und leider nicht immer vorteilhaft für Handwerksbetriebe. Hier die interessantesten und wichtigsten neuen ­Steuerregeln, auf die Sie umgehend reagieren müssen.

Bernhard Köstler

Die neuen Vorschriften des "Jahressteuergesetz light" sind nicht immer zum Vorteil von Handwerkern. - © Foto: Wrangler/Fotolia

Vorsteuerabzug bei Gutschriften
Rechnet ein Handwerker gegenüber Geschäftspartnern mit Gutschriften ab, darf in diesen Gutschriften nicht mehr das Wörtchen "Minusrechnung", "Eigenfaktura" oder schlicht "Rechnung" auftauchen. Denn nach dem neuen § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 10 UStG gibt es den Vorsteuerabzug aus Rechnungen nur noch, wenn darin auch wirklich "Gutschrift" steht.

DHZ-Tipp: Handwerksbetriebe, die Gutschriften ausstellen, sollten umgehend reagieren und nur noch den Begriff Gutschrift verwenden. Wer ein Warenwirtschaftsprogramm oder eine Buchhaltungssoftware nutzt, mit der auch Gutschriften erstellt werden können, muss die Grundeinstellungen in diesem Programm ändern. Denn grundsätzlich gilt diese Regelung bereits seit dem 30. Juni 2013, also seit dem Tag nach Verkündung des neuen Gesetzes im Bundesgesetzblatt.

Zusatztipp: Wer Anpassungen an seinen Gutschriftformularen vornimmt, sollte gleich darauf achten, dass in der Gutschrift stets die Steuernummer oder die USt-IdNr. des Gutschrift-Empfängers (= leistender Unternehmer) auftaucht. Gibt der Handwerker als Aussteller der Gutschrift nur seine eigene Steuernummer an, kippt bereits nach alter Rechtslage der Vorsteuerabzug.

Ausweg: Fischt das Finanzamt in den kommenden Jahren eine Gutschrift aus den Buchhaltungsunterlagen und findet dort nicht den Begriff "Gutschrift", können sich Handwerker gegen die Vorsteuerkürzung wehren. Denn handelt es sich nur um eine berichtigende Gutschrift (kaufmännische Gutschrift), darf der neue § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 10 UStG nicht greifen.

Vorsteuerabzug bei innergemeinschaftlichen Erwerben
Erwirbt ein deutscher Handwerksbetrieb Waren von einem Unternehmer im EU-Ausland und lässt sich diese nach Deutschland liefern, liegt ein innergemeinschaftlicher Erwerb vor. Der deutsche Unternehmer meldet die Umsatzsteuer für diesen Umsatz an und kann in gleicher Höhe Vorsteuern gegenrechnen. Dieses Nullsummenspiel – also Umsatzsteuer und Vorsteuer in gleicher Höhe – funktionierte bisher auch dann, wenn die Ware in ein anderes EU-Land geliefert wurde und der deutsche Unternehmer seine deutsche USt-IdNr. verwendet hat. Doch der Vorsteuerabzug kippt künftig nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 UStG in diesen Fällen.

Beispiel: Der deutsche Bauunternehmer Huber bestellt Baumaterial bei einem französischen Unternehmer und lässt sich dieses auf eine Baustelle in Belgien liefern. Huber gibt seine deutsche USt-IdNr. an.

Folge: Huber muss nach § 3d Satz 1 UStG in Belgien einen innergemeinschaftlichen Erwerb versteuern. Da er seine deutsche USt-IdNr. verwendet hat, wird dieser innergemeinschaftlich auch in Deutschland besteuert. Nach der Neuregelung hat Huber aber in Deutschland keinen Vorsteuerabzug mehr.

DHZ-Tipp: Betriebe, bei denen solche Warengeschäfte üblich sind, sollten zeitnah das Gespräch mit ihrem Steuerberater suchen und abklären, welche USt-IdNr. anzugeben ist, um eine Doppelbesteuerung des innergemeinschaftlichen Erwerbs zu verhindern.

Steueränderungen 2013 für Unternehmer privat

Das Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz hat auch für den Handwerker privat zahlreiche Steueränderungen parat.

Sonderausgaben: Ab 2013 sind auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung als Sonderausgaben abziehbar, wenn die Versicherungsgesellschaft ihren Sitz im Nicht-EU-Ausland hat (§ 10 Abs. 2 Nr. 2a EStG).

Pflege: Pflegen Sie eine Person in deren Haushalt, winkt ein Abzug für außer­gewöhnliche Belastungen in Höhe von 924 Euro. Neu 2013: Der Haushalt, in dem die Person gepflegt wird, darf sich nun auch im EU-/EWR-Ausland befinden (§ 33b Abs. 6 EStG).

Verschonung: Unterstützen Sie eine unterhaltsberechtigte Person finanziell, dürfen Sie pro Jahr bis zu 8.130 Euro als außergewöhnliche Belastung abziehen. Hat der Unterstützte eigenes Vermögen von mehr 15.500 Euro, kippt der Steuerabzug beim Unterhaltsleistenden. Neu ist, dass das Hausgrundstück, in dem der Unterstützte wohnt, hier nicht mehr als Vermögen eingezogen werden darf (§ 33a Abs. 1 Satz 4 EStG). Diese Regelung gilt für alle noch offenen Steuerfälle – also auch für die vergangenen Jahre.

Gehaltsextras: Schenken Sie Ihrem Mitarbeiter ein Smartphone oder einen Tablet-PC, dürfen Sie als Arbeitgeber die Lohnsteuer mit 25 Prozent pauschal übernehmen. Damit bleibt der Arbeitnehmer verschont und es fällt keine Sozialversicherung an (§ 40 Abs. 2 Nr. 5 EStG, siehe Steuerlexikon).

Lohnsteuer-Nachschau: Künftig dürfen Lohnsteuerprüfer des Finanzamts Ihnen einen Überraschungsbesuch abstatten. Nach Ansicht der Finanzverwaltung ist bei Beginn dieser Lohnsteuer-Nachschau nach § 42g EStG keine Selbstanzeige mehr möglich (siehe Steuerlexikon).