Kolumne Diese Eigenschaften helfen Ausbildern und Azubis

Nicht jeden Charakterzug wünschen sich Ausbilder von Azubis. Von Leichtsinn bis hin zu einem übertriebenen Arbeitseinsatz kann da einiges dabei sein. So gibt es bestimmte Eigenschaften, die förderlich sind für die Berufsausbildung. Das sind allerdings auch Eigenschaften der Ausbilder selbst.

Eigenschaften Azubi
Gute Zusammenarbeit ist wichtig - im Rohrleitungsbau und in anderen Handwerksberufen. Ausbilderinnen und Ausbilder sollten Azubis die richtigen Eigenschaften vermitteln, die für den Beruf wichtig sind. - © ftfoxfoto - stock.adobe.com

Das Wort Charakter wird gerne als Überbegriff für die positiv bewerteten Eigenschaften eines Menschen verwendet. Wenn die Ausbilderinnen und Ausbilder über die Charaktereigenschaften ihrer Auszubildenden reden, meinen sie in der Regel deren Persönlichkeitsmerkmale oder Fähigkeiten, die sie in besonderer Weise bei ihnen entdeckt haben.

Der Charakter wird unter anderem durch die Lebensumwelt geprägt. Das beginnt mit den Eltern sowie der Familie und setzt sich später natürlich auch im Ausbildungsbetrieb fort. Zu den gern gesehenen Eigenschaften der Lehrlinge gehören die Ehrlichkeit, Belastbarkeit, Gewissenhaftigkeit, Hilfsbereitschaft, Leistungsbereitschaft, Offenheit, Selbstständigkeit und Zuverlässigkeit.

Positive und Negative Eigenschaften von Azubis

Zu den überwiegend negativ beurteilten Eigenschaften gehören Achtlosigkeit, Langweiligkeit, Unzufriedenheit oder Leichtsinn. Manchmal schwankt der Meister oder die Meisterin zwischen den positiven und negativen Gedanken. Wie sollen sie die Arbeitssucht bewerten, wenn sie gleichzeitig dafür zu sorgen haben, dass die jungen Leute körperlich nicht gefährdet werden? Mancher Lehrling ist der Meinung, ich bin doch jung und halte das aus. Einen besonderen gesetzlichen Schutz gibt es in diesem Zusammenhang nicht. Die Vorschriften zum Arbeitsschutz sind jedoch zu beachten, denn die gelten auch für die Lehrlinge.

Die Tätigkeiten und Belastungen müssen zu den Lernzielen aus dem betrieblichen Ausbildungsplan und zum Beruf passen. Für die Minderjährige gibt es außerdem das Jugendarbeitsschutzgesetz, das auch die Lehrlinge unter 18 Jahren einschließt. Dort wurde ausdrücklich geregelt, dass den Jugendlichen keine Arbeiten übertragen werden dürfen, die ihre physischen oder psychischen Fähigkeiten übersteigen. Um zu sehen, wo bei den minderjährigen die Grenzen liegen und ob sie überhaupt fit genug für die Berufsausbildung sind, gibt es für sie zudem eine verpflichtende Erstuntersuchung zum Ausbildungsstart.

In manchen Handwerksberufen gibt es besonders hohe Anforderungen an die charakterlichen Eigenschaften. Ein unzuverlässiger Kraftfahrzeugmechatroniker, ein wenig belastbarer Maurer oder eine unmotivierte Orthopädietechnik-Mechanikerin? Aufbrausende, charakterlose oder unehrliche, was kann man mit diesen Menschen anfangen?"

Besondere Azubi-Eigenschaften für bestimmte Berufe: Ein Beispiel

Ein Handwerksbetrieb bildet einen Rohrleitungsbauer aus. Er wird von seinem Meister als charakterfest, willenskräftig und beständig beurteilt. Er hat eine klare Meinung und Wertvorstellung. In der Regel bleibt der junge Mann bei seinen Grundsätzen und hält seine Zusagen ein, auch wenn es schwierig für ihn wird. Wenn er von seiner abweichenden Meinung fest überzeugt ist widerspricht er auch einmal. Für den Meister ist es wichtig, sich so gut es geht darum bemühen, den Jungen so zu formen, dass er eines Tages dazu in der Lage ist, einen wertvollen Beitrag für die die Zukunft des Unternehmens zu leisten.

Zu den Persönlichkeitsmerkmalen oder Fähigkeiten gehört an erster Stelle die Fachlichkeit. Sonst kann die Meisterin oder der Meister dem Nachwuchs nicht die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten aus dem betrieblichen Ausbildungsplan beibringen. Sie wird durch Erfahrungen ergänzt, die sich die jungen Leute im Verlauf der Ausbildungszeit aneignen.

In unserer Geschichte weiß der Meister, wo die Herausforderungen liegen und wie er damit umgehen sollte. Als verantwortungsbewusster Ausbilder baut er ein vertrautes Verhältnis zu seinen Lehrlingen auf. Die wissen genau, dass sie ihn immer ansprechen können, egal um was es geht. Er ist sich schon immer darüber bewusst, dass mit der Ausbildung der Lehrlinge ein großes Maß an Verantwortung verbunden ist.

Eigenschaften des Ausbilders: Azubis brauchen Rückmeldungen

Die fehlende Perfektion darf keine Ausrede sein, nicht danach zu streben. Aus diesem Grund sind die Rückmeldungen ein wichtiges Werkzeug, um das gute Verhältnis zwischen den Ausbildenden und Auszubildenden gedeihlich zu entwickeln. Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, kann man so zukünftig vielleicht vermeiden. Es ist wichtig, dass man sich alles sagen kann. Das heißt nicht, dass jede Kritik berechtigt ist. Die Kritik oder Rückmeldung sollte stets eine wertvolle Anregung sein.

Die Meisterin oder der Meister sollte sich regelmäßig die nötige Zeit für ein Gespräch mit den Lehrlingen nehmen. Die wertvollen Rückmeldungen beziehen sich nicht nur auf die die Leistungen. Sie sollten auch die Eindrücke schildern, die sich auf das Verhalten beziehen. Dazu gehören auch die Wahrnehmungen zu den Charaktereigenschaften. Diese Gespräche sind für die Lehrlinge wichtige Lern- und Entwicklungschancen.

Die Rückmeldungen sind auch dann erforderlich, wenn den Lehrlingen die Grenzen aufgezeigt werden müssen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die eine oder andere wahrgenommene Charaktereigenschaft nicht zum Leitbild des Handwerksbetriebes passt. Die Lehrlinge müssen den Unterschied zwischen dem Lernort und der Freizeit kennenlernen.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.