Berufe verändern sich – manches wird heute anders gemacht als noch vor 20 Jahren. Um die Ausbildungsordnungen an aktuelle Entwicklungen anzupassen, werden sie regelmäßig überarbeitet. Ab August 2025 treten wieder Modernisierungen in Kraft. Sie betreffen unter anderem Schornsteinfeger, Gold- und Silberschmiede und die Fotografen.

Ausbildungsordnungen bilden zusammen mit den Rahmenlehrplänen der Berufsschulen die gemeinsame Grundlage für die duale Ausbildung. Sie geben den Betrieben einen inhaltlichen Rahmen und Vorgaben für die Abläufe an die Hand. Ausgearbeitet werden sie in Gremien zwischen Arbeitgeberverbänden und Arbeitnehmervertretern sowie zwischen Bund und Ländern – und das für jeden der 327 dualen Ausbildungsberufe in Deutschland.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) informiert in regelmäßigen Abständen über Neuerungen bei den Ausbildungsordnungen – immer dann, wenn sie modernisiert oder komplett erneuert werden. Letzteres ist sehr selten der Fall. Modernisierungen stehen dagegen meist dann an, wenn die Ausbildungsvorgaben inhaltlich verändert oder neu ausgerichtet sind. Das ist auch in diesem Jahr wieder bei einigen Ausbildungsordnungen für Handwerksberufe der Fall. Konkret: für die Berufe der Schornsteinfeger/Schornsteinfegerin, für den/die Gold- und Silberschmied/Gold- und Silberschmiedin und den/die Fotografen/Fotografin. Alle drei bekommen zum 1. August 2025 eine modernisierte Ausbildungsordnung.
Schaut man sich die Berufe bzw. die Gründe für die Modernisierungen jeweils genauer an, zeigt sich, dass vor allem Themen rund um die Digitalisierung stark Einzug halten. Ebenso spielt das nachhaltige Handeln im Umgang mit Materialien und der Energie eine immer größere Rolle. Das BIBB hat zu allen Berufen, für die ab August 2025 modernisierte Ausbildungsordnungen gelten, Hintergrundinfos zusammengestellt.
Modernisierte Ausbildungsordnung der Fotografen
So ist bei den Fotografen zwar die Digitalisierung an sich nicht mehr das dominante Thema, dafür aber deren Weiterentwicklung. Neben sehr hohen Auflösungen und einer starken Qualitätssteigerung bei der Technik insgesamt sind es vor allem technische Vernetzungen und damit andere Arbeitsabläufe, die Veränderungen bewirken, die auch gelehrt und gelernt werden müssen. Das BIBB beschreibt dies mit den Worten: "Der fotografische Workflow von der Aufnahme bis zur Bildausgabe wurde vollständig digitalisiert."
Dazu kommt heute ein ganz anderer Bedarf an Fotos – und auch Videos – die von professioneller Hand gebraucht werden. Hier spielen nach Angaben des Bundesinstituts die sozialen Medien eine große Rolle. Das betrifft die technische Realisierung, aber auch die konzeptionelle Entwicklung. Das BIBB erklärt außerdem, dass auch der erhebliche Rückgang an Ausbildungsverträgen dringend die Modernisierung der Ausbildungsordnung erfordert hätte.
Modernisierte Ausbildungsordnung der Gold- und Silberschmiede
Auch bei den Gold- sowie den Silberschmieden ist der Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ein Aspekt, der zu der Neuordnung der Ausbildungsordnung geführt hat. Die beiden Ausbildungsberufe werden künftig in einen neuen Ausbildungsberuf "Gold- und Silberschmied bzw. Gold- und Silberschmiedin" zusammengelegt. Laut BIBB gibt es auch weitreichende Überschneidungen der Ausbildungsinhalte. Innerhalb der Ausbildung wird es aber dennoch zwei Fachrichtungen "Goldschmieden" und "Silberschmieden" geben.
Neben dieser zentralen Neuerung geht es auch bei den Gold- und Silberschmieden künftig mehr um fachspezifische Nachhaltigkeits- und Digitalisierungsaspekte. Zusätzlich werden unter anderem additive Fertigungstechniken und das Thema Kundenberatung Bestandteil der neuen Ausbildungsordnung. Diese sieht auch Veränderungen bei den Prüfungen vor, sodass etwa die Zwischenprüfung nicht mehr schriftlich erfolgt. Stattdessen sollen die Azubis anhand eines Werkstücks ihr Können zeigen. In der Gesellenprüfung müssen sie sowohl ein Werkstück erstellen, als auch eine schriftliche Prüfung ablegen.
Modernisierte Ausbildungsordnung der Schornsteinfeger
Die aktuelle Ausbildungsordnung der Schornsteinfeger stammt aus dem Jahr 2012 und bildet nach Angaben des BIBB den Stand der Berufstätigkeit und Ausbildung in dieser Branche nicht mehr hinreichend ab. Energie- und Wärmewende verändern die Aufgaben und Arbeitsabläufe der Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger. Sie müssen sich mit neuen Techniken auskennen, darüber informieren und die Transformation der Energieversorgung in Gebäuden hin zu regenerativen Energien begleiten – und das neben den hoheitlichen Aufgaben, die zu erledigen sind, auch vermehrt als Dienstleister und Berater.
"Um den Beruf zukunftsfähig aufzustellen, soll insbesondere der zunehmenden Verbreitung alternativer Energiequellen und dem Beitrag des Handwerks zur Energie- und Ressourcenschonung durch Messungen und Analysen an technischen Anlagen Rechnung getragen werden", beschreibt das Bundesinstitut die Veränderungen, die hauptsächlich dazu beigetragen haben, die Ausbildungsordnung zu modernisieren.
Ausbildungsordnungen: Modernisierungen im Überblick
Für diese drei handwerklichen Ausbildungsberufe – und einigen anderen, die allerdings der Industrie zugeordnet sind – gelten ab dem 1. August 2025 die jeweils neuen Ausbildungsverordnungen. Im Sommer wird nach Angaben des BIBB voraussichtlich noch die Modernisierung des Berufs Bautechnischer Konstrukteur/ Bautechnische Konstrukteurin bzw. Bauzeichner/-in dazu, der manches Mal auch dem Handwerk zugeordnet ist. Dazu sind aber noch keine Details veröffentlicht. Einen Überblick zu den anderen Ausbildungsberufen, die ab August mit modernisierter Ausbildungsordnung gelten, gibt es unter bibb.de.