Führungsarten Diese 8 Typen von Chefs schaden dem Team

Bestimmte Angewohnheiten von Vorgesetzten sind nicht immer förderlich für das Team. Führungsexperte Boris Grundl kennt acht schädliche Eigenarten von Chefs – und weiß konkreten Rat zur Verbesserung.

Der Chef sollte der Wegweiser für seine Angestellten sein – dabei ist zu kumpelhaftes, egoistisches oder uninteressiertes Verhalten kontraproduktiv. - © Nuthawut - stock.adobe.com

Ein Chef macht sich viele Gedanken über andere, das ist auch sein Job. Doch es ist genauso wichtig, sich selbst zu hinterfragen. Führungskräfte-Coach Boris Grundl unterstützt Menschen mit Personalverantwortung seit 20 Jahren dabei, Firmenkulturen weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu gestalten. Der Deutschen Handwerks Zeitung gibt er acht typische Beispiele schlechter Führung:

1. Der Abwesende

Die Situation: Der Handwerker hat ein Problem bei der Installation und der Kunde wartet ungeduldig auf die Fertigstellung. Der Chef ist nicht zu erreichen oder weigert sich, zu helfen – "Das hatte ich doch neulich erst erklärt, damit musst Du selbst klarkommen". Dieses Szenario ist sowohl für den Angestellten als auch für den Kunden unangenehm.

Der Typ: "Um ein Team gut zu leiten, benötigen Führungskräfte ein gewisses Maß an Distanz. Doch schießen einige übers Ziel hinaus und übernehmen keine Führungsverantwortung", sagt Grundl. Der Vorgesetzte wolle damit die Möglichkeit kommunikativer Fehler eliminieren und den Mitarbeitern scheinbar freie Hand lassen. In Wirklichkeit verweigere er jedoch seine Aufgabe als Wegweiser und denkt sich "der Angestellte wird das schon regeln".

Führungstipp: Das "Prinzip der distanzierten Nähe" anwenden: Im Sinne eines motivierenden Arbeitsklimas achten Chefs darauf, die Balance zwischen Distanz und Nähe zu wahren. "Es ist wichtig, sich mit den Problemen auseinander zu setzen", empfiehlt Grundl.

2. Der Liebling

Die Situation: Der Malerlehrling vergisst, die Farbrollen zu reinigen. Der Vorgesetzte sieht diese, als er in den Feierabend gehen will. Anstatt den Lehrling auf seinen Fehler hinzuweisen, macht er die Rolle sauber und sagt nichts.

Der Typ: Grundl beschreibt den Gedankengang dieses "Kumpel-Typen" folgendermaßen: "Auf jeden Fall alle Konflikte vermeiden. Alles ist gut und schön – ich möchte gemocht werden." Ein No-Go, warnt der Führungsexperte. Wenn Fehler gemacht werden, müssten diese auch angesprochen werden. Der Liebling lobe oder beschwichtige aber lieber und nehme eher verständnisvoll die Position seines Gegenübers ein. "Dadurch erstickt die Entwicklungschance. Nur wer weiß, dass und wo es hakt, kann etwas ändern. Schlucken Vorgesetzte kritische Worte ungesagt hinunter, verschenken sie Potenzial von Mitarbeitenden und mindern die Wertschätzung für erbrachte Leistung", erklärt der Experte.

Führungstipp: Auch hier solle eine gesunde Balance zwischen Lob und konstruktiver Kritik gefunden werden.

3. Der Shootingstar

Die Situation: Der Sohn übernimmt die Familienschneiderei des Vaters. Gerade neu im Unternehmen übernimmt er direkt jegliche Aufgaben – auch solche, für die er keine Kompetenz hat. Dadurch möchte er von Beginn an glänzen und seinen Rang untermauern.

Der Typ: Diesem Typ sei nur wichtig, wie er gesehen wird. Er möchte direkt gut dastehen und glänzen. Er habe ein festes Bild, wie er von anderen gesehen werden möchte und akzeptiere es nicht, wenn Angestellte ihn anders beurteilen. "Bei Fehlern wird auf keinen Fall die Hand gehoben, sondern direkt nach links und rechts gezeigt", ergänzt Grundl.

Führungstipp: Grundl rät: "Fokussieren Sie sich auf Ergebnisse und nicht darauf, wie sie gesehen werden. Beantworten Sie sich die Frage, was hilft, um den nächsten Schritt zu erreichen."

4. Der Besserwisser

Die Situation: Der Chef einer Metzgerei denkt sich: "Das bekommen die ohnehin nicht gebacken, das mache ich lieber gleich selbst." Er steht in der Produktion, nimmt die Lieferungen an, plant das Firmenevent und lässt niemand anderen an den Kassenabschluss ran. Selbst Beschäftigten mit langjähriger Erfahrung gibt er zu verstehen, dass sie von den Dingen keine Ahnung hätten.

Der Typ: Der Besserwisser wolle zeigen, wie gut er ist und dass er alles besser kann. Er suche die Bestätigung, der Beste zu sein und verhindere so die Weiterentwicklung seiner Angestellten. Er denkt sich: "Warum sollte jemand anderer Aufgaben übernehmen und es womöglich schlechter bewerkstelligen?"

Führungstipp: Das Aufteilen der Aufgaben nach Kernkompetenzen bringe für den Einzelnen und das Team mehr. "Eine Transformation hin zu vertrauendem Delegieren erlaubt den Selbermachern größere Ergebnisakzeptanz", erklärt Coach Grundl.

5. Der Herrschende

Die Situation: Der Vorgesetzte einer Bäckerei gibt genau vor, welche Backwaren wie oft produziert werden und wo diese in der Theke zu positionieren sind. Auf Änderungswünsche oder Vorschläge seiner Angestellten geht er nicht ein. Selbst wenn das positive Auswirkungen auf den Umsatz hätte.

Der Typ: Andere Ansichten gibt es im Regiment des Herrschenden nicht. "Diese Typen sehen sich als Könige, welche dasitzen und den anderen erlauben, näherzukommen. Sie tendieren zur Selbstüberhebung", erläutert Grundl. Der Chef macht die Ansagen, die Angestellten müssen sich fügen.

Führungstipp: "Nicht nur autoritär delegieren, sondern dem Gegenüber auch gestatten, Fragen zu stellen und Verbesserungsvorschläge zu bringen", rät Grundl. Dadurch könnten Angestellte selber Lösungen finden und diese angehen, anstatt passiv der Chef-Entscheidung zu harren.

6. Das Arbeitstier

Die Situation: Der Chef einer Baufirma formuliert gerade einen geschäftlichen Weihnachtsgruß. Mit dem Angebot für Familie Maier ist er schon im Verzug, das wird er heute auf jeden Fall auch noch erledigen. Als die Büroangestellte fragt, ob sie einen Interessenten durchstellen dürfe, stimmt er ohne Zögern zu. Bei seinem 16 Uhr Termin wird er sich wohl verspäten.

Der Typ: Grundl bezeichnet diesen Typ als "Gießkanne". "Sie arbeiten alles ständig ohne Prioritäten ab". Das Arbeitstier glänze mit seiner Fachkompetenz, habe aber keine Organisation seiner Tätigkeiten. Es hetze zu Meetings, wusle hier und helfe da.

Führungstipp: "Es ist wichtig, ständig zu überlegen, was hat als nächstes am meisten Bedeutung für das Unternehmen", so Grundl. Eine gute Struktur zu entwickeln und richtig zu priorisieren, sei der Schlüssel.

7. Der Zerstreute

Die Situation: Der Arbeitgeber einer Fliesenlegerfirma sagt allen Kundenanfragen direkt zu. Nach kurzer Zeit werden es für das kleinere Unternehmen zu viele Aufträge. Es fehlen sowohl die Arbeitskräfte als auch das Material, um alle Projekte in der versprochenen Zeit fertig zu stellen.

Der Typ: Der Zerstreute könne nicht nein sagen. "Egal wie voll der Terminkalender ist, es kommt kein Nein über die Lippen. Selbst wenn es keine Klarheit gibt, wie profitabel das Projekt ist, wird es trotzdem zugesagt", sagt der Coach. Nur im Notfall wechseln Aufgaben den Zuständigkeitsbereich, dadurch komme nichts Halbes und nichts Ganzes heraus.

Führungstipp: Konzentration auf den Punkt sei wichtig. Grundl: "Es ist wichtig, Projekte als erstes zu kalkulieren und zu planen. Dadurch können mit demselben Aufwand deutlich bessere Ergebnisse erzielt werden."

8. Der Absahnende

Die Situation: Eine Konditorei hat eine Hochzeitstorte gebacken. Einige Tage später ruft das Paar beim Chef an und bedankt sich für die sehr schöne Torte. Der Vorgesetzte hatte zwar nichts mit der Herstellung der Torte zu tun, sahnt aber trotzdem das persönliche Lob ab. Seinem Angestellten erzählt er nichts vom Telefonat.

Der Typ: "Er erntet alle Lorbeeren – auch die für die andere ackerten. Wenn ein Mitarbeiter etwas gut gemacht hat, zieht dieser Typ das Lob vom Kunden selber an sich", erzählt der Experte. Dadurch könne Unmut entstehen, welcher das ehrliche Interesse an guten Resultaten fürs Unternehmen mindere.

Führungstipp: Menschen machen sehr viel für Anerkennung. Chefs sollten das Lob eines Kunden deshalb unbedingt an ihre Angestellten weiterleiten. Andernfalls verpassen sie die Chance, die Motivation ihrer Angestellten nachhaltig zu fördern.