Alles wird teurer und die Menschen haben weniger Geld zum Sparen, lautet das knappe Fazit des Vermögensbarometers der Sparkassen. Zum Teil leidet darunter auch die Altersvorsorge. Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis fordert deshalb mehr Unterstützung bei der Vorsorgeplanung.

4.800 Menschen ab dem Alter von 14 Jahren hat der Deutsche Sparkassen und Giroverband (DSGV) zu Geld und Finanzen befragt. Das Ergebnis: Jeder fünfte ist nicht mehr in der Lage zu sparen. Diejenigen, die sparen, sorgen sich um die Inflation und damit die Entwertung ihres Geldes. Vielfach sind sich die Befragten unsicher, ob sie ausreichend für ihren Ruhestand vorgesorgt haben.
Passende Möglichkeit für jeden
Die Menschen passten sich an die "weltpolitische Großwetterlage" an, so der DSGV. Wenn es nach der Umfrage geht, wird die Sparquote noch weiter sinken. 53 Prozent der Teilnehmer wollen ihr Sparverhalten an die aktuellen Entwicklungen anpassen. Gut jeder Fünfte plane, weniger zu sparen, auch zu Lasten der eigenen Altersvorsorge. Helmut Schleweis will das jedoch nicht so einfach hinnehmen. "Viele brauchen im Moment einfach mehr Geld, um ihren Alltag zu bestreiten", sagte der DSGV-Präsident. Deshalb sei es gerade jetzt wichtig, die Menschen zu beraten. "Wir müssen uns für jeden und jede einzelne auf die Suche nach einer passenden Vorsorgemöglichkeit machen", so Schleweis.
Wichtig seien aber auch Entlastungen – vor allem beim Wohnen. Beispielsweise dürften diejenigen, die mit einem eigenen Haus oder einer eigener Wohnung fürs Alter vorsorgen, nicht übermäßig belastet werden. Fast jeder Dritte plane zwar weiterhin den Kauf einer Immobilie, doch 57 Prozent von ihnen fehle dafür das Eigenkapital. Schleweis plädierte deshalb für die Senkung oder sogar den Wegfall der Grunderwerbsteuer. Die hohen Fixkosten erschwerten den Immobilienkauf unnötig. Zusätzlich müssten Investitionshürden und Bürokratie abgebaut werden. Davon würden auch jene profitieren, die zur Miete wohnen.
Nur noch 34 Prozent mindestens gut aufgestellt
Insgesamt führen sich nur noch 34 Prozent der Deutschen finanziell "gut" oder "sehr gut" aufgestellt. Im vergangenen Jahr waren es noch 38 Prozent, 2021 sogar 43 Prozent. Umgekehrt bezeichneten mehr als ein Viertel der Befragten (26 Prozent) ihre eigene finanzielle Situation als "eher schlecht" oder "sehr schlecht".
Die hohen Preissteigerungen für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs belasten vor allem Menschen mit geringeren Einkommen. Bei einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.000 Euro beurteilen 62 Prozent der Befragten ihre finanzielle Situation als sehr schlecht oder schlecht.
Auswirkungen hat das sinkende Kapital auch auf die Altersvorsorge. Zwar wollen 58 Prozent (2022: 61) weiterhin für den Ruhestand vorsorgen, doch größere Sparbeiträge sind die Ausnahme. Elf Prozent sparen mehr als 250 Euro im Monat, 31 Prozent legen bis 250 Euro zurück und 22 Prozent können nur bis zu 50 Euro monatlich sparen.
Immer mehr Investitionen bleiben aus
Ebenfalls betroffen sind die Investitionen. Sowohl beim Kauf einer Immobilie als auch bei der Sanierung sind die Menschen zurückhaltender. Gründe sind fehlendes Eigenkapital, hohe Preise, fehlende Förderung und fehlende Überzeugung von energetischen Maßnahmen.
Wenn es um Geld geht, genießen laut der Umfrage die Sparkassen mit 43 Prozent immer noch das größte Vertrauen. Auf dem zweiten Platz folgen mit 38 Prozent die Volks- und Raiffeisenbanken. Die Direktbank ING erreicht mit 29 Prozent den dritten Platz.
Das Vermögensbarometer des DSGV gibt es seit 2005. 4.800 Menschen ab dem Alter von 14 Jahren hat das Meinungsforschungsinstitut Kantar im Auftrag des DSGV vom 27. Juni bis zum 17. Juli bundesweit befragt.