Intersolar Solarwirtschaft steht vor der Wende

Nach Jahren des Booms muss die deutsche Solarindustrie in Zukunft mit weniger Förderung rechnen. Denn die Konkurrenz zu anderen erneuerbaren Energien wird größer. Auf der Messe "Inter Solar" wird klar: Für die Sonnenenergie bricht ein neues Zeitalter an.

Burkhard Riering

Jeder dritte Elektrohandwerksbetrieb erzielt Erlöse mit erneuerbaren Energien. Da die Solarförderung jedoch gekürzt wird, werden möglichweise auch die Umsätze sinken. Foto: dapd

Die Solarwirtschaft steht vor einer Wende

Vor den Türen zur Messe "Intersolar" spielt eine Gitarrenband gutgelaunt den Klassiker "Sunshine Reggae". Dass es regnet, trübt die Stimmung hier nicht. Messebesucher singen den Refrain im Vorbeigehen lauthals mit. Tausende strömen an diesem Morgen zum Start der weltgrößten Leitmesse der Sonnenenergiebranche in die Messehallen in München. Die deutsche Solarwirtschaft hat Jahre eines euphorischen Booms hinter sich, da wird kein Trübsal geblasen.

Doch trotz steten Wachstums steht die Branche an einem Scheidepunkt. Denn mit der Energiewende in Deutschland und der heftigen Diskussion über die Rolle der Sonnenenergie haben sich die Vorzeichen der einst verwöhnten Industrie geändert. "Wir werden keine Zuwachsraten mehr haben wie in den vergangenen Jahren", prognostiziert Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Verbands BSW-Solar. Die deutsche Markt war jahrelang wegen der hohen Förderung stark gewachsen, nun sollen aber die Subventionen schrumpfen, Überkapazitäten werden abgebaut und der Markt wird bereinigt. Die Subventionen sinken degressiv mit dem Anwachsen des Marktes – solange, bis die Branche flügge ist und von allein überleben kann. Laut dem "Handelsblatt" wird mit sechs Prozent weniger Photovoltaik-Förderung in diesem Jahr gerechnet.

Vor allem verunsichern die Branche derzeit die Pläne der Bundesregierung. Zwar lobt Körnig den Atomausstieg. "Doch wer A sagt, muss auch B sagen", meint der Verbandschef. Seine Kritik: Die Solarwirtschaft wird nicht in dem Maße gewürdigt, wie sie sollte. Stattdessen wird nun auf Offshore-Anlagen ein starker Fokus gelegt. Und dies widerspricht laut Körnig dem allgemeinen Wunsch nach dezentraler Stromversorgung, da sei die Solaranlage auf dem Dach sicher die bessere Lösung.

Energiewende überschattet Euphorie

Körnig hat noch mehr Punkte anzusprechen: Er kritisiert, dass die Politik den Bonus für Eigenverbraucher einschränken will und dass die Förderung von Freiflächen-Photovoltaikanlagen wohl abgeschafft wird. Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) soll noch vor der Sommerpause abgesegnet werden. Körnig: "Unsere Euphorie wird überschattet von der Energiewende."

Photovoltaik galt zuletzt wegen der Förderung als teuerste Energiequelle, zuletzt wurde mit der Energiequelle hart ins Gericht gegangen. "Seitdem die Energiekonzerne im vergangenen Jahr die Strompreise erhöhten und dies auf den Netzausbau für die Photovoltaik schoben, hat diese einen deutlichen Sympathieverlust erlitten“, heißt es in der Branchenzeitschrift "photovoltaik". Denn der Endverbraucher zahlt für den Boom der Industrie über die EEG-Umlage. Nun indes dürfte sich die Kosten-Umlage bei zwei Cent einpendeln, wie Körnig sagt.

Geschäft mit Installationen wird schrumpfen

Und das Handwerk ist mittendrin. 4,2 Milliarden Euro Umsatz hat das Handwerk im vergangenen Jahr allein mit der Photovoltaik gemacht. Von den 150.000 Arbeitsplätzen, die in der Solarwirtschaft entstanden sind, kommen 39.000 Jobs aus dem Handwerk. Jeder dritte Elektrohandwerksbetrieb erzielt Erlöse mit erneuerbaren Energien. Doch auch hier ändern sich die Zeiten mit der Rückführung der Förderung: Laut Prognosen von BSW-Solar wird vor allem das Geschäft mit der Installation bis 2020 schrumpfen, dafür aber das mit der Wartung steigen.

Im vergangenen Jahr hat die Solarenergie einen Umsatz von 20 Milliarden Euro gemacht. Laut Zahlen der Bundesnetzagentur gingen mehr als 240.000 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 7,25 Gigawatt neu ans Netz. Noch macht Solarenergie nur drei Prozent an der gesamten Energie in Deutschland aus. Bis 2020 soll der Anteil auf zehn Prozent steigen. Und Körnig ist sicher, dass das auch erreicht wird.