Trendige Fatbikes, motorisierte E-Bikes und stabile Lastenräder – was tut sich 2015 auf dem Fahrradmarkt? Die aktuellsten Trends der kommenden Fahrradsaison im Überblick.
Jessica Baker
Wer sich ein neues Fahrrad zulegen möchte, sollte sich überlegen, wofür er es einsetzen möchte. Ob für eine lange Fahrradtour, einen Familienausflug oder zum Transport von schweren Gepäckstücken – die Liste der Fahrradneuheiten ist lang.
1. E-Bikes: ausgefallene High-Tech-Räder
E-Bikes werden immer beliebter: Die Absatzzahlen liegen, laut des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) bei rund 400.000 Stück pro Jahr, mit steigender Tendenz. Und die Modelle werden jede Saison ausgefallener.
E-Mountain Bikes
Vor ein paar Jahren konnte man sich kaum vorstellen, dass es Mountainbikes mit Elektroantrieb geben wird. Aber die Modelle setzen sich immer mehr durch. Mit E-Mountain-Bikes können Radfahrer ihre Kraftreserven besser einteilen und noch steilere Anstiege bezwingen.
Und wer sich bei seinen Touren mal verfährt, hat mit dem richtigen Rad auch keine Probleme mehr. Mittlerweile werden Mountainbikes mit Bordcomputer und Navigationssystem angeboten.
E-Komfort Räder und neue Schalttechnik
Auch die elektrobetriebenen Alltagsräder werden weiter entwickelt. Zum Beispiel gibt es Räder im typisch niederländischen Stiel mit Elektroantrieb oder Modelle mit Unisex-Rahmen und Einheitsgröße. Ein Hersteller bietet ein Rad für Fahrerinnen und Fahrer zwischen 1,50 und 1,90 Meter Körpergröße an.
Die technische Weiterentwicklung steht ebenfalls im Fokus. Ein aktuelles Thema ist die elektronische Verknüpfung von Antrieb und Schaltung. Wenn der Fahrer an der Ampel stoppt, wird zum Beispiel automatisch der leichteste Gang eingelegt. Mit einem speziellen Motor kann auch ein Doppelkettenblatt verwendet werden. Damit sind zwanzig anstatt zehn Gänge möglich.
2. Fatbikes: beliebte Geländebezwinger
In den Fahrradläden wird die Auswahl an Fatbikes immer größer. Die Räder mit den breiten Reifen sind bei Mountainbikern und Reiseradlern sehr beliebt. Mittlerweile gibt es auch Modelle mit Elektroantrieb.
Ihren Namen haben sie von ihren breiten Reifen. Ursprünglich stammen die Fatbikes aus Alaska und wurden dort schon vor über 20 Jahren für Fahrten auf Eis und Schnee eingesetzt. Sie ähneln den Mountainbikes, haben sich aber zu einer eigenen Gruppe entwickelt. Seit 2013 sind sie auch in den meisten Fahrradläden in Deutschland zu finden.
Durch die große Auflagefläche und einen sehr niedrigen Reifendruck, bieten sie eine hohe Traktion. Damit sind sie besonders für das Gelände geeignet.
3. Trekkingräder: für den Alltag oder die Reise
Seit den frühen Neunzigern liegen die Treckingräder im Trend. Nahezu jedes dritte in Deutschland verkaufte Fahrrad ist ein Trekking Bike. Ursprünglich wurden sie als Räder für längere Touren und Radreisen konzipiert. Mittlerweile haben sie sich auch als Alltagsfahrzeuge etabliert.
Die Eckdaten des Trekking-Archetyps sehen so aus: Alu- oder Stahlrahmen, oft mit Federgabel, 28-Zoll-Laufräder mit robuster Bereifung, Mountainbike-Komponenten (wie Schaltung und Scheibenbremsen), sowie eine Komplett-Ausstattung mit Schutzblechen, Lichtanlage und Heck-Gepäckträger. Trekkingräder sind zwar auch in der Unisex-Variante erhältlich, werden aber vorzugsweise als Damen- oder Herrenmodell gekauft.
"Trekkingräder light"
Der Trend zum leichten Rennrad hat auch die übrige Fahrradwelt beeinflusst und damit auch das Treckingrad. Bei leichten Trekkingrädern wird auf eine Federung verzichtet und leichtes Material für den Rahmen verwendet. Leichte Lenker, Vorbauten und Sattelstützen sparen einige Hundert Gramm. Während Standard-Trekkingbikes schnell mal 17 Kilogramm wiegen, bringen Light-Modelle um die 13 Kilogramm auf die Waage.
4. Reiseräder: komfortabel unterwegs

Verreisen kann man eigentlich mit jedem Rad. Im Sektor Reiseräder haben sich aber vor allem haltbare, beladbare und komfortable Modelle etabliert.
Individuelle Fahrräder für die Reise werden zum Beispiel in Norddeutschland produziert. In der Fahrradschmiede Nicolai werden sie noch von Hand gefertigt, wie es nur noch wenige Hersteller machen.
Faltrad und Liegerad
Beim Thema Reiserad, dürfen Falträder nicht fehlen. Sie können wie ein kleines Gepäckstück transportiert werden. Ein Beispiel ist das "Paratrooper Pro". Der amerikanische Hersteller hat es ursprünglich für das Militär entwickelt.
Liegeräder bieten vor allem körperlich eingeschränkten Menschen die Möglichkeit sich fortzubewegen. Die Firma HP Velotechnik hat ein Rad entwickelt, das besondere Extras für diese Zielgruppe anbietet, zum Beispiel einen Gehstockhalter, eine Handablage oder eine Pedalfixierung.
5. Mountainbikes: Bodenhaftung steht im Fokus

Ein Mountainbike hat breite, grobstollige Reifen und ist üblicherweise mit einer Federgabel ausgestattet oder vollgefedert. Hauptmerkmal von Mountainbikes ist die Federung. Sie sorgt für Komfort und Traktion auf unebenem Gelände.
Während Mountainbikes in früherer Zeit gern über die Anzahl der Gänge definiert wurden, ist heute weniger oft mehr. So finden sich immer häufiger Zehn- und Elffach-Antriebe mit einem Kettenblatt an der Kurbel, verbreiteter sind jedoch zwei oder drei Kettenblätter für einen größeren Übersetzungsbereich.
Auch die Bremssysteme haben sich im Laufe der Zeit geändert. Heute werden fast ausschließlich Scheibenbremsen verwendet. Außerdem sind die Lenker breiter geworden: sie sind heute meist zwischen 68 und 76 cm breit.
Grip und Traktion sind für Mountainbiker die spannenden Themen. Die Räder haben immer besserer Bodenhaftung, sind aber auch für längere Fahrten bestens ausgerüstet.
Zu den Unterkategorie gehören: Downhill, Dirtbikes, Cross-Country oder Enduro.
6. Rennräder: mehr Sicherheit und weniger Rollwiederstand
Nur zwei von hundert in Deutschland verkauften Rädern sind Rennmaschinen, so die Zahlen des ZIV. Da Rennräder teurer als andere Fahrradmodelle sind, liegt der Umsatz trotzdem bei zehn Prozent vom Gesamtmarkt.
Charakteristisch für diese Räder sind schmale Reifen auf 28-Zoll-Felgen, der geschwungene Lenker und kein Zubehör, das nicht der reinen Fortbewegung dient. Geringes Gewicht ist beim Rennrad ein Muss. Aktuelle Rahmen bestehen aus dünnwandigen Alu-Rohren oder aus Carbon. Titan- und Stahlrahmen werden vorzugsweise von kleinen Spezialherstellernangeboten. Standard sind Felgenbremsen, doch die Scheibenbremse ist auch bei Rennrädern zunehmend verbreitet.
Viele Unterkategorien haben sich auch hier entwickelt, zum Beispiel Zeitfahrräder, Bahnräder, Kurier-Räder oder Riesenrennräder.
Scheibenbremsen und schlauchlose Reifen
Die Sicherheit ist bei Rennrädern ein wichtiges Kriterium. Die Hersteller bieten unterschiedliche Bremssysteme an. So kann der Kunde selbst entscheiden, welche Bremse er bevorzugt.
Eine weitere Möglichkeit die Sicherheit zu verbessern, ist die Beschaffenheit des Reifens. Zum Beispiel mit einem schlauchlosen Reifen. Sie bieten Schutz vor schlagartigem Luftverlust und sind zudem komfortabel, da sie mit einem geringen Luftdruck gefahren werden können.
7. Lastenräder: umweltschonend Gepäck transportieren
Wer schweres oder sperriges Gepäck transportieren muss, für den eignet sich ein Lastenrad.
Lastenräder werden unterteilt in Personen- oder Gütertransporter. Stabile Rahmen, ausladende Gepäckträger und lange Radstände zeichnen diese Fahrräder aus. Sie können mit mehr als 200 kg beladen werden und sind umweltfreundlicher als ein Transporter.
Aktuell im Trend sind zweirädrige Modelle mit einem Fahrverhalten, das dem normaler Fahrräder sehr ähnlich ist.
Auch die Lastenräder gibt es mit Elektromotor. Ebenfalls interessant sind sogenannte "Vorderlader". Sie haben eine tiefe Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad, was einen günstigen Schwerpunkt ermöglicht. Wer mag, kann auch eine Maxi-Cosi-Babyschale anhängen.
8. Zubehör
Ob für einen langen Fahrradausflug oder eine kurze Spritztour – auch in diesem Jahr gibt es neues, nützliches Zubehör.
Wer einen Autounfall hat, ist durch einen Airbag geschützt. Aber was passiert beim Fahrradunfall? Absichern kann man sich zum Beispiel mit einem Airbag, der in einem Schalkragen versteckt ist. Eingebaute Sensoren erkennen gefährliche Stürze und blasen sich in Sekundenbruchteilen auf.
Umweltfreundliche Materialien
Umweltbewusstsein ist auch beim Radzubehör ein immer größeres Thema. Wer beim Radeln nicht nur Abgase einsparen, sondern auch beim Material umweltbewusst sein möchte, kann zum Beispiel einen Sattel aus Biokunststoff und Kork kaufen. Ebenfalls erhältlich sind umweltbewusste Schmiermittel, ganz ohne chemische Zusätze.
Technische Extras

Action-Kameras setzen nicht nur Profis, sondern auch immer mehr Hobbyradlern ein. Die kleinen Kameras werden meistens auf dem Helm montiert und filmen die Radtour. Ein Problem ist, dass dadurch auch jede kleine Kopfbewegung aufgezeichnet wird. Deshalb gibt es nun auch Halterungen mit denen Kameras direkt am Rad angebracht werden können.
Eine gute Akku-Beleuchtung am Rad ist nicht nur nützlich, sondern erhöht auch die Sicherheit im Straßenverkehr. Einige Hersteller bieten daher neben Frontlichtern auch batteriebetriebene Rücklichter für das Fahrrad an.

