Die Energiewende im eigenen Betrieb

Der Atomausstieg wird teuer, die Stromkosten werden steigen. Doch Betriebe können vorsorgen, indem sie selbst mitmachen mit Blockheizkraftwerken und Photovoltaik. Von Erich Koller

Selbst ist der Betrieb: Um nicht weiter unter hohen Energiekosten zu leiden, nehmen immer mehr Unternehmen ihre Stromversorgung selbst in die Hand etwa mit Photovoltaik-Anlagen an Fassaden und auf Dächern. Foto: BSW

Die Energiewende im eigenen Betrieb

Schon seit dem Atom-Ausstiegsbeschluss der rot-grünen Bundesregierung vor zehn Jahren sorgen Förderprogramme zur Gebäudesanierung und Energieeffizienzmaßnahmen bei vielen Handwerksbetrieben für volle Auftragsbücher und neue Geschäftszweige. Mit der aktuell eingeleiteten Energiewende wird sich das Geschäft in den Bereichen der erneuerbaren Energien noch deutlich verstärken.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere lautet: Die Strompreise sind in den vergangenen Jahren wegen der Unterstützung der erneuerbaren Energien immer weiter gestiegen und werden es wohl auch wegen des jetzt schnell erforderlichen Netz-und Speicherausbaus weiter tun. Das führt zu Zähneknirschen vor allem in energieintensiven Branchen.

Alle Betriebe können aber von der Energiewende wirtschaftlich profitieren und sich gleichzeitig vor den zu erwartenden Strompreiserhöhungen schützen: Wenn sie die Energiewende mitgehen. Handwerksbetriebe können neben Energieeinsparungen selbst dezentral Strom erzeugen: mit Blockheizkraftwerken und Photovoltaik.

Um dies als Betriebsinhaber wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll zu realisieren, ist Beratung notwendig. Dies wird zu 80 Prozent durch die KfW-Mittelstandsbank mit einem Programm unterstützt. Allerdings ist das nicht ganz kostenlos: Für die Erstberatung verbleiben für die Firma bis zu 500 Euro Eigenanteil. Zur Umsetzung der Maßnahmen werden eine weitere Beratung bezuschusst und Kredite der KfW bereitgestellt.

Der Weg zur eigenen dezentralen Stromversorgung

Zunächst werden in der Beratung die "Quick Wins" ("schnellen Siege") ermittelt etwa bei Energiepreisen, Beleuchtung, der Druckluftanlage oder der Klimatisierung des Server-Raums. Dann werden individuell Strom- und Wärmeverbrauch des Betriebs analysiert. Aus diesen Daten und den infrastrukturellen Voraussetzungen ergibt sich, ob und in welcher Größe ein Blockheizkraftwerk oder eine Photovoltaik-Anlage sinnvoll sind.

Ein Blockheizkraftwerk erreicht einen Wirkungsgrad von rund 90 Prozent, (konventionelle Kraftwerke und Kraftfahrzeuge weniger als 30 Prozent), da der Verbrennungsmotor aus 100 Prozent Treibstoff zwar nur 30 Prozent Strom erzeugt, aber zusätzlich über einen Wärmetauscher 60 Prozent Wärme bereitstellt. Die vollständige Nutzung der Wärme und ein möglichst hoher Anteil an Eigennutzung des produzierten Stroms sind ökologisch und ökonomisch entscheidend.

Zwei Beispiele aus der Praxis: Anfang des Jahres hat das Autohaus Kölbl in Unterschleißheim ein Blockheizkraftwerk mit 50 kW elektrischer Leistung in Betrieb genommen, mit Beginn der Heizperiode wird die identische Anlage im Autohaus Ing. Röder in Duisburg laufen. Während der Betriebszeit wird der Strom voll selbst genutzt und zusätzlicher Strom aus dem Netz bezogen, ansonsten wird der betriebliche Grundlaststrom von 15 kW selbst genutzt, der Rest wird ins öffentliche Netz eingespeist.

Die Anlagen sind so ausgelegt, dass sie in der Heizperiode nahezu rund um die Uhr in Betrieb sind. Die Abwärme wird dabei voll genutzt. Die verbliebenen schon vorhandenen Heizkessel werden nur noch an sehr kalten Tagen für wenige Stunden benötigt. Besonders interessant ist die in beiden Betrieben geplante Klimatisierung über Absorptionskälte-Anlagen. Dabei wird nicht nur der Strombedarf für eine Klimaanlage durch die Abwärme des Kraftwerks ersetzt, sondern auch gleichzeitig wiederum Strom damit produziert.

Berücksichtigt wird auch schon ein erhöhter Strombedarf für das Laden von Akkus von Elektroautos und somit die Steigerung des Eigenbedarfsanteils.

Photovoltaik – Ergänzung für die Nichtheizperiode

Das bemerkenswerte Phänomen, dass sinkenden Einspeisevergütungen auch die Anlagenpreise folgen, macht diese weiterhin attraktiv, besonders bei einer Eigennutzung des Stroms von über 30 Prozent. Eine erforderliche Dachsanierung amortisiert sich durch den gleichzeitigen Bau einer Photovoltaik-Anlage selbst. Gerade bei den besonders sensiblen Flachdächern haben mittlerweile viele Betriebe die Photovoltaik als lohnenden Geschäftszweig entdeckt.

Die Vielzahl der Systeme und die Frage nach der richtigen Auslegung sowie die vielen Varianten der Dachsanierung sprechen auch für die unabhängige Vorab-Beratung. In der Beratung der KfW wird das Thema der Nachhaltigkeit ebenfalls eine große Rolle spielen.

Ein Beispiel dafür sind die noch oft vorhandenen Fenster aus Einscheibenglas in Ausstellungsräumen oder Werkstätten. Dem hohen finanziellen Aufwand für deren Austausch stellt die KfW gegenüber, ob eventuell technische Maßnahmen wie ein Blockheizkraftwerk wirtschaftlich sinnvoller und nachhaltiger sind.

Im Zusammenspiel der Systeme

Das Zusammenspiel dieser Technologien wird in der Zukunft entscheidend sein. Heizkraftwerke und Photovoltaik brauchen intelligente Netze wie "Smart Grids", zudem werden stadtnahe modernste Kraftwerke eine starke Position einnehmen.

Am Ende ist der so genannte "PLUS-Energie"-Gewerbebetrieb, der mehr Strom erzeugt, als er selbst verbraucht, keine Fiktion mehr. Dies ist nach aller Erfahrung kurzfristig und mit hoher Rendite realisierbar. Das heißt: Stromkosten sparen auf der einen Seite, Geld verdienen mit Energieeinspeisung auf der anderen Seite.

Der Autor Erich Koller hat als KfW-Berater bereits mehr als 100 mittelständische Firmen beraten. Er steht für Anfragen zur Verfügung unter E-Mail: erko@energie-effektiv.com .