Altes Handwerk erhalten Die Buchflüsterin: Über die Freude, ein zerfallenes Buch zu retten

Diana Donath ist Buchbinderin in Halle an der Saale. Im Lockdown übernimmt sie eine Werkstatt und wagt den Schritt in die Selbstständigkeit. Jetzt repariert sie alte Lieblingsbücher und auseinanderfallende Impfausweise.

Buchbinderin mit altem Atlas
Diana Donath mit einem alten Atlas, dessen Blätter sich vom Buchrücken gelöst haben. - © HWK Halle/Lisa Kühne

Geduld und Fingerspitzengefühl braucht es bei der Reparatur alter Bücher und dem Binden neuer. Wer in die Buchbinderwerkstatt von Diana Donath, die Buchbinderei "einbandManufaktur" in Halle (Saale) kommt, spürt die Muse und Ruhe, die das Handwerk umgibt. Kein wuseliges Treiben, keine Hektik. Als alle während der Pandemie einen Gang zurückschalteten, hatte für Diana Donath die Stunde der Selbstständigkeit geschlagen. "Das war Zufall. Ich wollte mir die Werkstatt in der Mittelstraße nur mal anschauen. Dann stellte sich heraus, dass sie aufgegeben werden sollte." Lange brauchte sie nicht überlegen: "Ich war sofort begeistert, hatte Projekte im Kopf und wusste, dass ich das unbedingt will", sagt sie.

In Vorbereitung auf die Übernahme absolvierte Diana Donath ein Gründerseminar über das Technologie- und Gründerzentrum und nahm für die Finanzierung einen Kredit bei der KfW-Bank auf. Rückblickend ist sie glücklich, den Schritt gewagt zu haben: "Es fühlt sich nicht wie Arbeit an. Ich kann mir die Zeiten einteilen und am Freitag haben wir bewusst geschlossen, um Sonderaufträge zu bearbeiten oder auch Termine außerhalb wahrnehmen zu können. Terminabsprachen sind aber trotzdem jederzeit möglich", sagt sie.

Ausbildung in der Otto-Dorfner-Werkstatt in Weimar

Die gebürtige Berlinerin studierte an der Burg Giebichenstein Malerei, Grafik und Buchkunst. Lehrort für die Buchbindelehre war die einzigartige Werkstatt des ehemaligen Buchbindemeisters Otto Dorfner in Weimar, welche die Hochschule Burg Giebichenstein bis 2011 als Ausbildungsort nutzte. Während des Studiums lernte sie auch die Buchrestauration alter Einbände und Handbuchbinderei kennen. Es sollte ihr Steckenpferd werden.

Am liebsten sind ihr Bücher, die eine Geschichte erzählen und an denen Besitzer Erinnerungen knüpfen. "Am schönsten ist es, ein altes zerfallenes Buch zu retten – wenn ich minimalinvasiv vorgehen und die reparierten Bücher wieder in die glücklichen Hände ihrer Besitzer übergeben kann. Ich versuche sehr viel zu erhalten." Zu ihrem Kundenkreis zählen Privat- und Geschäftsleute, Bibliotheken, Professoren und Verlage. Menschen, die ihre Lieblingsbücher reparieren lassen, eigene Werke binden oder ihre auseinandergefallenen DDR-Impfausweise wieder aufpolieren lassen. Für ihre eigenen Projekte ist bisher keine Zeit gewesen: "Ich habe sehr viele Ideen. Ich möchte altes Handwerk mit neuem kombinieren." Neben der klassischen Buchbinderei spielt für Diana Donath natürlich der künstlerische und gestalterische Aspekt eine wesentliche Rolle: Dazu zählen experimentelle Einbände und das Fertigen von Schachteln für Kunstpapiere und Zeichenmappen.

Übernahme von Materialien, Maschinen und Kundenstamm

Doch bevor sich Diana Donath in ihrer Buchbinderei komplett verwirklichen kann, muss sie noch andere Vorhaben umsetzen. Denn im vergangenen Jahr führte die Handwerkskammer Halle sie mit einer weiteren Buchbinderei zusammen, deren Inhaber in Ruhestand geht. "Ich darf Materialien und Maschinen übernehmen und seinen Kundenstamm weiter betreuen", sagt sie. Hinzu kommt noch eine weitere "Baustelle": "Ich muss leider umziehen, da der Vermieter die Werkstatträume in Eigentumswohnungen umwandeln möchte. Deshalb suche ich neue Räume, am liebsten im Uniumkreis." Diana Donath ist optimistisch, rechtzeitig einen anderen Ort zu finden, denn ihre Mission ist klar: Altes Handwerk in Halle (Saale) am Leben zu erhalten.