Ausbildungsreport des DGB DGB warnt vor Rotstift bei beruflicher Bildung

Gut 33.000 Ausbildungsplätze im Handwerk sind derzeit noch unbesetzt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert in seinem aktuellen Ausbildungsbericht die mangelnde digitale Ausstattung von Auszubildenden – und warnt vor den Gefahren einer Sparpolitik.

Wegen des großen Fachkräftebedarfs geben Betriebe häufiger schwächeren Jugendlichen eine Ausbildungschance. - © David Fuentes - stock.adobe.com

Nach der Corona-Krise geht es auf dem Ausbildungsmarkt zwar wieder etwas nach oben. Das Niveau von vor der Krise ist aber noch längst nicht wieder erreicht. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack warnt deshalb vor haushaltsbedingten Sparmaßnahmen. "Der im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorgesehene Pakt für berufliche Bildung darf nicht der aktuellen Sparpolitik zum Opfer fallen", betont sie bei der Vorstellung des Ausbildungsreportes mit Blick auf den jüngsten Haushaltsentwurf. Auch Handwerkspräsident Jörg Dittrich fordert eine bessere staatliche Unterstützung und langfristig angemessene Investitionsmittel für Berufsbildungsstätten.

Corona-Krise noch nicht überstanden

Wie im jüngsten Ausbildungsbericht nachzulesen ist, liegt der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2022 insgesamt um rund 9,5 Prozent unter dem Niveau von vor der Corona-Krise 2019. Auch im Handwerk sind die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge Ende 2022 mit 129.637 deutlich unter der Marke von 138.769 Neuverträgen im Jahr 2019. Für DGB-Jugendsekretär Kristof Becker geht es deshalb vor allem um eine Stärkung der beruflichen Bildung. "Wir brauchen sofortige Investitionen in Ausbildungskonzepte, Gebäude, digitale wie technische Ausstattung und Lehrkräfte", fordert er.

Noch viele offene Stellen im Handwerk

Unterdessen verweist Handwerkspräsident Dittrich auf die ungebrochene Ausbildungsbereitschaft der Handwerksbetriebe und die noch offenen Ausbildungsstellen. "Noch gut 33.000 freie Ausbildungsplätze in den Handwerksbetrieben bedeuten für alle, die in den vergangenen Wochen ihren Schulabschluss gemacht haben noch gut 33.000 sehr gute Chancen auf eine berufliche Ausbildung und daran anschließende zahlreiche Fort- und Weiterbildungsoptionen", betonte er. Wegen des großen Fachkräftebedarfs gäben Betriebe auch immer häufiger deutlich schwächeren Jugendlichen eine Ausbildungschance. Eine Tatsache, die auch DGB-Vize Hannack mit lobenden Worten herausstellt.

Auszubildende bemängeln digitale Ausstattung

Der diesjährige Ausbildungsreport mit dem Schwerpunkt "Moderne Ausbildung" hat vor allem die Digitalisierung der Ausbildung unter die Lupe genommen. Gerade bei der digitalen Ausstattung sieht es da nicht gut aus. So geben fast 40 Prozent der befragten Auszubildenden an, vom Ausbildungsbetrieb nur "selten" oder "nie" die benötigten technischen Geräte zur Verfügung gestellt zu bekommen. Ebenfalls jeder Vierte zeigt sich mit der digitalen Ausstattung der Berufsschulen unzufrieden. Fast jeder zweite Auszubildende bewertet die Qualität des Berufsschulunterrichtes nur als befriedigend oder noch schlechter. Und jeder sechste Auszubildende würde die Ausbildung im eigenen Betrieb nicht weiterempfehlen. "Politik und Arbeitgeber müssen deutlich mehr tun, damit die duale Ausbildung auch im Digitalzeitalter funktioniert", erklärt Becker.

Dittrich fordert mehr Geld für Berufsbildungsstätten

Handwerkspräsident Dittrich sieht bei der Digitalisierung der Ausbildung auch den Staat in der Pflicht: "Bund und Länder müssen langfristig angemessene Investitionsmittel bereitstellen, damit Auszubildende und junge Fachkräfte in den Berufsbildungsstätten weiterhin modern und zukunftsorientiert qualifiziert werden können", sagt er mit Blick auf die rund 600 handwerklichen Berufsbildungsstätten. Ihnen komme auch in der Vorbereitung auf die digitale Arbeitswelt und bei der Unterstützung gerade Klein- und Kleinbetrieben eine Schlüsselrolle zu.

Zufriedenheit mit Ausbildung sinkt

Insgesamt zeigen sich 70,5 Prozent der befragten Auszubildenden mit ihrer Ausbildung zufrieden. Das ist ein Rückgang von 2,8 Prozentpunkten gegenüber 2022. Verbessert haben sich im Vergleich zum Vorjahresreport die von den Betrieben in Aussicht gestellten Übernahmeperspektiven. So wissen zwar auch heute 42 Prozent der Auszubildenden im letzten Lehrjahr nicht, ob sie übernommen werden. Es sind aber weniger als noch vor Jahresfrist. Auch würden weniger Auszubildende mit Übernahmezusage nur befristet eingestellt. War es vor Jahresfrist fast jeder Dritte, ist es jetzt nur knapp jeder Vierte. Basis des Ausbildungsreports ist eine Befragung von fast 10.000 Auszubildenden in den 25 am häufigsten gewählten Ausbildungsberufen zwischen September 2022 und Mai 2023.