Ausbildungsreport DGB warnt vor Generation Corona

Der Deutsche Gewerkschaftsbund bekräftigt seine Forderung nach einer Ausbildungsgarantie. Das Handwerk hält dagegen.

Vier Jungedliche laufen im Park
Beim Ausbildungsreport des DGB-Jugend berichteten 72 Prozent der Jugendlichen von einer starken oder sehr starken Belastung. - © Drobot Dean - stock.adobe.com

Die Corona-Krise hat deutliche Spuren auf dem Ausbildungsmarkt hinterlassen. "Nach der Pandemie droht ein eklatanter Fachkräftemangel, wenn nicht mehr ausgebildet wird", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack auf der jährlichen Vorstellung des Ausbildungsreports der DGB-Jugend. Sie verwies auf die rund 130.000 Jugendlichen, die Ende Juli bei der Bundesagentur für Arbeit ohne Ausbildungsplatz gemeldet waren. Nötig sei deshalb eine Ausbildungsgarantie. Das sei ein Muss für die nächste Bundesregierung und müsse sich im Koalitionsvertrag wiederfinden.

Wollseifer: Noch viele freie Stellen im Handwerk

Das Handwerk hält davon nichts. "Eine Ausbildungsgarantie wie in Österreich, wo die Verantwortung für die Ausbildung nicht bei den Ausbildungsbetrieben, sondern beim Staat liegt, hilft hier nicht weiter", sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Vielmehr müssten alle Anstrengungen unternommen werden, die von den Handwerksbetrieben bereitgestellten und vorhandenen Angebote mit Bewerberinnen und Bewerbern zusammenzubringen. Noch immer gebe es rund 30.000 offene Ausbildungsplätze im Handwerk. "Der Zug für dieses Ausbildungsjahr ist noch längst nicht abgefahren", betonte er. Eine Ausbildung im Handwerk biete noch immer eine gute Perspektive, daran habe auch Corona nichts geändert.

DGB-Studie: Corona belastet viele Auszubildende

Gleichwohl ist die Corona-Pandemie an den Auszubildenden nicht spurlos vorbeigegangen. "Die Ergebnisse unserer Studie zeigen einmal mehr, dass die Corona-Pandemie junge Menschen in erheblichem Maße belastet", sagte DGB-Jugendreferent Joscha Wagner zu den Ergebnissen der im Frühjahr durchgeführten Befragung. So berichteten insgesamt 72 Prozent der rund 1.000 befragten Jugendlichen von einer starken oder sehr starken Belastung. Dabei fühlten sich weibliche Auszubildende (74,7 Prozent) stärker belastet als männliche (67,8 Prozent). Rund ein Drittel hätte sich Sorgen um einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss gemacht.

Kritik am Home-Schooling

Viele der Befragten hatten die digitale Ausstattung der Berufsschulen beanstandet. Und mehr als die Hälfte ist mit der Qualität von Home-Schooling unzufrieden. Bemängelt wurde die fachliche Qualität der betrieblichen Ausbildung im Homeoffice. Teilweise habe es auch an der Ausstattung gefehlt. Zudem hätten die ausbildungsfremden Tätigkeiten zugenommen, hieß es weiter.

Mit viel Einsatz Abschlussprüfungen im Handwerk ermöglicht

Handwerkspräsident Wollseifer will das so nicht stehen lassen. "Corona mag Vieles schwieriger gemacht haben, doch in der dem Handwerk eigenen Weise sind pragmatisch Wege gefunden worden, um Ausbildung weiter möglich zu machen", sagte er. Die Betriebe hätten mit großem Engagement während der Corona-Pandemie individuell und persönlich vor Ort ausgebildet.

Die Auszubildenden der Prüfungsjahrgänge hätten auch unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen und dank des großen Einsatzes von Dozentinnen und Dozenten sowie Prüferinnen und Prüfern an der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung und an den Abschlussprüfungen teilnehmen können. All diese Anstrengungen hätten dazu beigetragen, dass der Corona-Jahrgang ein erfolgreicher Jahrgang geworden sei.